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Gerhard Mey über 1860-Investor:"Ismaiks Vorstellungen sind astronomisch"

Gerhard Mey, 2017

Der Münchner Unternehmer Gerhard Mey, 61, Gesellschafter beim Automobilzulieferer Webasto, will als Investor beim in die Fußball-Regionalliga Bayern abgestürzten TSV 1860 München einsteigen.

(Foto: Matthias Ferdinand Döring)

Der Geschäftmann Gerhard Mey will die Anteile von Investor Ismaik am TSV 1860 München übernehmen. Er berichtet der SZ von einem konstruktiven Treffen - Ismaik widerspricht.

Ein "richtiges Männergespräch" wollte der Münchner Unternehmer Gerhard Mey mit Hasan Ismaik führen, dem Investor des mangels Geldes für die Drittliga-Lizenz in die Regionalliga abgestürzten TSV 1860 München. Um dem Jordanier seine Anteile abzukaufen, ein Stadion zu bauen - und den Klub langfristig wieder in die Bundesliga zu führen. Ein erstes Treffen hat es inzwischen gegeben. "Wir sind dem Investor nachgereist und haben ihn im Mittelmeerraum in einem sehr schönen, luxuriösen Spa zwei Mal getroffen, am Abend und am Morgen", erzählt Mey im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Freitagsausgabe).

"Nach Überwindung mehrerer Sicherheitsschleusen sind wir in seinem Penthouse gelandet. Er war dort auf Kur, denn er hatte das Gefühl, dass er ein paar Pfunde zu viel auf den Rippen hat, und wollte dem Abhilfe schaffen", so Mey weiter. Dort wurde über das Geschäft geredet. "Wir haben ausführlich diskutiert, und wir haben sehr gut und sehr konstruktiv miteinander gesprochen", sagt Mey: "Und wir sind auseinandergegangen mit zwei Fakten. Erstens: Er möchte verkaufen. Ohne Wenn und Aber. Zweitens, das Problem: seine Vorstellungen bezüglich des Kaufpreises. Die sind astronomisch."

Ismaik fordert 65 bis 70 Millionen Euro

Ismaik, der schon früher immer gesagt hat, er wolle bei einem Verkauf alles zurückhaben, was er hineingesteckt hat, blieb demnach während des Treffens bei der geforderten Summe von rund 65 bis 70 Millionen Euro. "Noch etwas mehr", habe er sogar haben wollen, sagt Mey: "Er wollte, dass alle Darlehen sofort abgelöst werden, plus seine Kaufsumme." So viel zu zahlen, sei "gegen jede Logik und auch unanständig. Das wäre praktisch ein Geschenk! So bar jeder Logik, da müsste ja Schenkungssteuer bezahlt werden."

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Mit gewisser Irritation hat Mey den Preis zur Kenntnis genommen: "Die Umstände und die Tatsache, dass Sechzig in der vierten Liga spielt, spielten für ihn keine Rolle. Ich habe großes Verständnis, dass man in Verhandlungen hoch einsteigt, aber er hat sich sehr hartleibig gezeigt in den weiteren Diskussionen und auch am nächsten Tag. Mit Illusionen kann man aber kein Geschäft machen. Jetzt hängen wir an der Stelle."

Schon vor wenigen Tagen hatte Ismaik gegenüber dem Internetblog blaue24 eine gegenteilige Aussage getroffen. Der Investor gab an, er werde seine Anteile an 1860 niemals verkaufen. Mey macht diese Aussage ein bisschen wütend: "Er hat genau das Gegenteil von dem gesagt, was wir vorher besprochen hatten! Das macht das Verhandeln ein bisschen schwierig", sagt Mey.

Nun legte Ismaik in der Nacht nach der Lektüre des SZ-Interviews via Facebook nach: "Falsch ist, dass ich auch nur ansatzweise daran denke, mich beim TSV 1860 zurückzuziehen. (...) Dass Herr Mey mit 1860 gerne den Himmel besteigen will und die Wiederholung der Meisterschaft von 1966 plant, ist seine Sache. Wir hatten über unser Treffen eigentlich absolutes Stillschweigen vereinbart. Deswegen überrascht es mich umso mehr, dass Herr Mey jetzt solche Märchen erzählt."

Mey hingegen betrachtet das erste Treffen als Auftakt für weitere Verhandlungsrunden. Ismaik sei eben "noch nicht an der Stelle, an der ein Investor mit Nachtschweiß aufwacht und feststellt: Hilfe, ich habe mein ganzes Geld verloren! Eigentlich erreicht man so einen Punkt unweigerlich, wenn ein Investment so schief läuft. An dem Punkt ist er aber noch nicht. Die Rückkehr in die zweite Liga, also nur dorthin, wo er hergekommen ist, kostet nach Schätzung aller Experten 40 bis 50 Millionen Euro. Das kommt ja on top." Dazu kämen die Baukosten für das neue Stadion.

Dass er bei 1860 früher oder später einsteigen wird, glaubt Mey schon. Zumal die Handelnden bei Sechzig alle sagen würden: "Ja, Herr Mey, bitte machen Sie's." Es dauere halt noch ein bisschen. "Da muss ein Prozess der Einsicht laufen", sagt Mey: "Zudem ist der nächste Knackpunkt die Lizenz für die dritte Liga, da ist ja noch einmal frisches Geld erforderlich, und dann ist Herr Ismaik womöglich aufgerufen, einen Beitrag zu leisten."

Lesen Sie das komplette Interview mit SZ Plus:

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