Gefängnisstrafe wegen Steuerhinterziehung "Lebendkontrolle" und Ausrücken für Hoeneß

Schild am Eingang der JVA Landsberg.

(Foto: dpa)

Vermutlich wird Uli Hoeneß nach Landsberg ins Gefängnis müssen. Auf den früheren Bayern-Präsidenten wartet dort neben einem streng reglementierten Tagesablauf die Einheitskleidung aus blauer Hose und grünem Hemd. Worauf sich Uli Hoeneß einstellen muss.

Von Annette Ramelsberger und Christian Rost

Uli Hoeneß könnte Glück im Unglück haben, zumindest ein kleines Glück: Das Finale der Champions League am 24. Mai könnte er noch in Freiheit erleben. Vielleicht. Danach aber wird es ernst. Ende Mai, Anfang Juni dürfte Hoeneß die Haft antreten müssen. Denn auch wenn sich Hoeneß am Freitag entschieden hat, keine Revision einzulegen - so lange wird ihm der Rechtsstaat Zeit lassen.

Erst einmal ist die Staatsanwaltschaft an der Reihe. Sie muss nun innerhalb von einer Woche entscheiden, ob sie auf Revision verzichtet. Dann hat die Wirtschaftskammer des Landgerichts München II, die Hoeneß verurteilt hat, fünf Wochen Zeit, ihr Urteil schriftlich niederzulegen. Erst wenn das Hoeneß und seinen Verteidigern zugestellt ist, leitet ein Rechtspfleger die Vollstreckung ein, also: Er sucht nach einer Zelle im Gefängnis, schaut, wo etwas frei ist. Dann bekommt Hoeneß die "Ladung zum Haftantritt" - so heißt das wirklich. Mit Datum und Uhrzeit und dem Ort, wo er sich stellen soll.

Dieser Ort dürfte im Fall Hoeneß die Justizvollzugsanstalt Landsberg westlich von München sein. Alle Neuankömmlinge kommen zunächst in ein spezielles Gebäude, die Zugangsabteilung, in der eine medizinische Untersuchung stattfindet und wo die Anstaltskleidung ausgeteilt wird. Hier muss man seine Privatkleidung abgeben, hier wird der freie Mann zum Häftling. In Landsberg gibt es Einzel-, Doppel- und Viermannzellen in verschiedenen Größen.

Zwei mal vier Meter

Hoeneß wird vermutlich eine Einzelzelle bekommen, und in der wird er auch mehrere Monate bleiben müssen. Denn bevor es zu Haftlockerungen kommt, wird für den Häftling erst mal ein Vollzugsplan ausgearbeitet. In dem steht, was er erreichen will, woran er arbeiten soll, es geht um die Anerkennung seiner Schuld und Resozialisierung.

Der Tagesablauf ist in fast allen bayerischen Gefängnissen gleich. Sechs Uhr Wecken, offiziell heißt das "Lebendkontrolle": Der Wachtmeister schaut, ob der Häftling am Morgen noch da und am Leben ist. Dann Frühstück und "Ausrücken" zur Arbeit. Die beginnt meist schon um sieben Uhr. Arbeit ist in den Haftanstalten Pflicht. Die Häftlinge wollen auch arbeiten, sonst säßen sie stundenlang allein in ihrer Zelle. Die ist ohnehin - auch in Landsberg - kein Hotelzimmer, sondern ziemlich eng: meist nur zwei Meter breit und vier Meter lang. Ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl, ein Spind. Und eine abgeteilte Toilette. Und natürlich sind Gitter vor den Fenstern. Diese Zelle ist für die nächste Zeit auch der Lebensmittelpunkt des Häftlings. Denn viel Abwechslung hat er nicht.

Offiziell vorgeschrieben ist eine Stunde Besuch - im Monat. Manche Haftanstalten sind stolz darauf, dass sie zwei Stunden erlauben. In Landsberg ist die Besuchsregelung großzügig: Hier werden zweimal zwei Stunden gewährt. Sonderbesuch ist nur erlaubt, wenn es unaufschiebbare Termine gibt, zum Beispiel mit dem Steuerberater. Das könnte im Fall Hoeneß durchaus vorkommen. Die Häftlinge haben einen Fernseher, aber natürlich nicht das volle Programm. Der Bezahlsender Sky für Fußballübertragungen ist nicht zu empfangen. Und es ist auch nicht so, wie in Fernsehfilmen, dass sich Häftlinge Kaviar aufs Zimmer bringen lassen können: Für rund 90 Euro im Monat können sie im gefängniseigenen Einkauf Zigaretten, Shampoo oder Chips kaufen. Im Knast soll nicht auffallen, wer draußen arm oder reich ist.