Spanien in der EM-Qualifikation:War's das wert? Drama um Gavi

Spanien in der EM-Qualifikation: Der Moment, als es besonders weh tat: Gavi muss gegen Georgien verletzt vom Feld - unter Tränen.

Der Moment, als es besonders weh tat: Gavi muss gegen Georgien verletzt vom Feld - unter Tränen.

(Foto: Cesar Manso/AFP)

Beim nahezu bedeutungslosen 3:1 gegen Georgien verletzt sich Barcelonas Youngster Gavi schwer am Knie - und verschärft die Debatte über eine mögliche Überlastung von Fußball-Profis.

Von Javier Cáceres, Berlin

Der spanische Nationalspieler Gavi ist erst 19 Jahre alt, und ob er seinen Körper bereits so gut kennt, dass er etwaige gesundheitliche Risiken von sich aus vermeidet, gilt als fraglich. Doch am Sonntagabend brauchte er keinerlei ärztliche Beratung, als er in der 24. Minute des Qualifikationsspiels für die Europameisterschaft 2024 gegen Georgien um Auswechslung bat. Unter Tränen. Denn der Schmerz war hinreichend stechend, das Knacken im Knie zu laut gewesen, Gavi wusste: Da war etwas schwer kaputtgegangen.

Am Montag wurde er in der katalanischen Hauptstadt von den Ärzten des FC Barcelona begutachtet, ihre Untersuchung bestätigte den Verdacht des Vorabends nicht nur - sie stellte fest, dass alles noch viel schlimmer war. Pablo Martín Páez Gavira, wie "Gavi" mit bürgerlichem Namen heißt, hatte einen Kreuzbandriss sowie eine Außenmeniskusverletzung erlitten - und muss um die Teilnahme an der EM im Sommer mindestens bangen. In den kommenden Tagen soll er operiert werden, eine achtmonatige Pause gilt als unvermeidlich. "Dies ist der bitterste Sieg meines Lebens", sagte Nationaltrainer Luis de la Fuente nach dem 3:1 der Spanier in Valladolid.

Niemand stellte in Abrede, dass bei der Verletzung ein großes Maß an Unglück im Spiel gewesen war. Denn die Tragödie um Gavi ereignete sich endgültig, als kein Gegner in Sicht war. Gavi war vielmehr in Strafraumnähe nach einem Ball gehüpft; als er wieder aufkam, blieb er im Rasen hängen, verzog das Gesicht vor Schmerz. Nationaltrainer Luis de la Fuente mutmaßte, dass die eigentliche Ursache für die schwere Blessur bei einem Foul zu suchen war, das sich wenige Minuten zuvor zugetragen hatte.

Auch wenn es nach einem Allerweltsfoul aussah: Luca Lochoshvili (Cremonese) hatte Gavi tatsächlich empfindlich getroffen. Und dennoch: Führende Vereinsfunktionäre von Gavis Arbeitgeber, dem FC Barcelona, äußerten hinter vorgehaltener Hand ihre Verärgerung und bezichtigen Nationalcoach De la Fuente der Verantwortungslosigkeit. Eine existenzielle Notwendigkeit, Gavi spielen zu lassen, bestand nicht, neun andere Spieler durften rotieren. Qualifiziert war die Mannschaft bereits.

"Es tut mir in der Seele weh", sagt Spaniens Nationaltrainer De la Fuente über Gavis Verletzung

Durch den Sieg wurde lediglich sichergestellt, dass Spanien als Gruppenerster bei der EM-Auslosung (2. Dezember in Hamburg) gesetzt sein wird. War's das wert? "Es tut mir in der Seele weh", sagte De la Fuente. Vermutlich dürfte er sich auch darüber geärgert haben, dass er am Vorabend der Partie ausgerechnet über Gavi ein paar Worte geäußert hatte, die ihm nun auf die Füße fielen. Gavi sei "hyperaktiv", verfüge über "sehr viel Energie" und spiele deshalb "so häufig und so gut". Denn: "Die guten Spieler ruhen nie, deshalb sind sie so gut und besonders."

Die Verletzung Gavis löste aber nicht nur in Barcelona, sondern auch im Rest der iberischen Halbinsel Debatten aus - über die Frage, ob die Profis durch den dicht gedrängten Spielplan nicht grundsätzlich überlastet werden und ob Raubbau an Jungprofi-Körpern begangen wird. Sein Erstligadebüt feierte Gavi wenige Tage nach seinem 17. Geburtstag, seitdem hat er mehr als 100 Spiele als Profi bestritten. Verschärft werden die Diskussionen dadurch, dass eine Reihe von Spielern in der jetzigen Länderspielpause dem sog. "Fifa-Virus" erlagen und Verletzungen erlitten. Darunter fallen Eduardo Camavinga und Vinícius Jr. (beide Real Madrid) sowie Gavis Teamkollege Marc-André ter Stegen. Der DFB-Torwart hatte sich am Freitag mit Rückenbeschwerden abgemeldet.

Was absurde Belastungen anbelangt, kann der milliardenschwer verschuldete FC Barcelona allerdings gerade kaum den Mund öffnen. Um bei einem Freundschaftskick ein paar Millionen Dollar zu verdienen, wird die Belegschaft nach dem letzten Punktspiel des Jahres - am 20.12. gegen Almería - aus dem Stadion an den Flughafen gekarrt. Am 21. Dezember spielt der FC Barcelona gegen den mexikanischen Erstligisten Club América. Ohne Gavi, der möglicherweise nicht nur die Saison in der Primera División und die EM, sondern auch die Olympischen Spiele in Paris verpasst.

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