Fußball-WM Neymar humpelt

Neymar (l.): Beim Friseur war er auch

(Foto: dpa)

Brasiliens Stürmer muss das Training abbrechen, das sei "auf die vielen Fouls zurückzuführen", die er gegen die Schweiz kassiert habe. Brasiliens Verband fordert zudem von der Fifa Erklärungen für Schiedsrichterentscheidungen.

Von Javier Cáceres, Sotschi

Am späten Dienstagnachmittag war es mit der Ruhe im Lager der brasilianischen Nationalmannschaft in Sotschi vorbei. Und das nicht, weil Neymar sich wieder die Haare schneiden lassen wollte - das hatte er, nach dem weltweiten Erfolg seiner Spaghetti-Frisur, schon am Vormittag erledigt. Der Grund war vielmehr, dass Brasiliens Nummer 10 das Training abbrechen musste, zu einem günstigen Zeitpunkt. Die Kameras konnten das Drama des humpelnden Neymar noch einfangen; kurz danach mussten die Journalisten die Tribüne des Metreveli-Stadions von Sotschi, wo die Brasilianer trainieren, wieder verlassen, damit die Seleção von der Öffentlichkeit abgeschirmt trainieren konnte.

Ein Sprecher des brasilianischen Verbandes CBF eilte wenig später vor die Presse - und gab so etwas wie Entwarnung. Die Schmerzen hätten nichts mit der Operation zu tun, die Neymar Ende Februar wegen eines Mittelfußbruchs über sich ergehen lassen musste. Sondern seien "auf die vielen Fouls zurückzuführen", die Neymar am Sonntag im Auftaktspiel der Gruppe E in Rostow am Don gegen die Schweiz (1:1) erlitten hatte. "Da das Training für die Stammspieler lediglich regenerativen Charakter hatte, wurde Neymar zur Physiotherapie geschickt", sagte der Teamarzt. Schon am Mittwochabend werde er wieder im Kreis der Mannschaft trainieren können.

Zufall oder nicht: Die Bilder vom leidenden Neymar passten extrem gut zu einer anderen Nachricht des Dienstagmorgens. Brasiliens Verband CBF forderte den Weltverband Fifa auf, zu erklären, warum der Videoschiedsrichter im Spiel gegen die Schweiz in zwei Schlüsselszenen nicht eingesetzt wurde. Die Brasilianer beklagen in ihrem Schreiben, dass der Hoffenheimer Steven Zuber vor seinem Ausgleichstreffer seinen Bewacher Miranda "zwei Mal mit beiden Händen vorsätzlich geschubst" habe. Beide Schubsereien stellten "klare Foulspiele" dar, die Zuber erlaubt hätten, "ein entscheidendes Tor" zu erzielen.

Bei der zweiten Schlüsselszene handelt es sich um einen brasilianischen Angriff aus der 74. Minute. Der brasilianische Mittelstürmer Gabriel Jesus sei von "Herrn Manuel Ankanji mit beiden Händen festgehalten und niedergerissen worden". In den Augen der Brasilianer wäre ein Elfmeter eigentlich zwingend gewesen. Daher verlangt Brasilien Aufklärung: Hat der Videoschiedsrichter (VAR) Paolo Valeri aus Italien dem Referee César Ramos aus Mexiko zu verstehen gegeben, dass er besser mal die Wiederholung anschauen sollte? Oder hat der Schiedsrichter Ramos den VAR angefordert? Eine Antwort der Fifa stand am Dienstag nach Auskunft eines CBF-Sprechers noch aus.

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