Fußball: WM in Deutschland Gerüchte bereits seit 2006

Die Frage, ob sich Äquatorialguinea die WM-Teilnahme tatsächlich mit unlauteren Mitteln erschlichen hat, wird der afrikanische Verband hoffentlich mit dem nötigen Erkenntniseifer und dem gebotenen Einfühlungsvermögen untersuchen. Über Genoveva Añonma lässt sich sagen: Sie sieht aus wie eine Frau, sie spricht wie eine Frau, sie kleidet sich wie eine Frau. Wenn man ihr gegenübersitzt, käme man nicht im Traum auf die Idee, ihre Weiblichkeit anzuzweifeln. "2006 kamen diese Gerüchte erstmals auf, da haben sie mich getestet", sagt sie mit einem Lächeln, "wenn sie wollen, können sie mich jederzeit wieder testen."

Añonma glaubt, dass die Geschichte auch mit Neid zu tun haben könnte. "Wir sind das kleinste Land Afrikas. Niemand interessiert sich für uns. Und plötzlich sind wir bei der WM. Ist doch klar, dass da viele misstrauisch werden", sagt sie. Es passe ins Bild, dass ausgerechnet die nigerianische Trainerin Eucharia Uche aus ihrem Misstrauen eine öffentliche Anklage machte. "Wir sind die einzige Mannschaft, die Nigeria in Afrika stoppen kann. Deshalb versuchen sie mit allen Mitteln, uns Probleme anzudichten."

Woher kommt dann diese Leistungsexplosion? Guineas Frauenmannschaft trug ihr erstes Länderspiel erst im Jahr 2002 aus. Schon damals saß Añonma auf der Bank, sie war zwölf. Seitdem kann das Team die für einen Anfänger unheimliche Bilanz von zwölf Siegen und acht Niederlagen vorweisen. Gott, sagt Añonma, habe Guinea in den vergangenen Jahren eben ausnahmsweise einige Momente des Glücks geschenkt. Sie hat aber noch einen anderen - eher weltlichen - Erklärungsansatz parat: "Wir haben nur drei Spielerinnen aus Guinea."

Alle anderen seien Söldnerinnen, vorwiegend aus Südamerika, die sich gegen Zahlung einer Aufwandsentschädigung aus dem Sportministerium hätten einbürgern lassen. Die meisten Nationalspielerinnen haben laut Añonma weder Familie noch Vorfahren in Guinea, sie seien nur des Fußballs wegen in Afrika. Wenn das so einfach geht, weshalb ist dann die Männermannschaft noch nicht auf dieselbe Idee gekommen? "Männer einzukaufen, ist viel teurer", glaubt Añonma.

Möglicherweise gibt dieses Team vor der WM in Deutschland noch so manches Rätsel auf, jenseits der Gender-Debatte. Äquatorialguineas Fußballverband (Feguifut) ließ eine SZ-Anfrage zu seinem ungewöhnlichen Modell der Kaderplanung unbeantwortet. Genauso wie die Frage, wer im Moment eigentlich Nationaltrainer ist. Beim Weltverband Fifa wird weiterhin der Kongolese Jean-Paul Mpila als Coach geführt. Añonma behauptet allerdings felsenfest, dass Mpila gefeuert wurde

"Jetzt haben wir einen Portugiesen", sagt Genoveva Añonma. Wie der heißt? Das weiß sie auch nicht so genau.

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