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Fußball-WM: Argentinien:Wie auf einem Dorfplatz

Wenn 15 Minuten vor dem Trainingsende der argentinischen Elf die Weltöffentlichkeit den Platz betreten darf, beginnt die Show des Diego Maradona. Ein Besuch.

Das Training der argentinischen Nationalmannschaft ist beendet auf diesem Sportplatz der Universität Pretoria, auf der Tribüne drängelt sich die Weltöffentlichkeit. Fernsehkameras, Fotografen, Journalisten aus allen möglichen Ländern, von Algerien bis Schweden, von Argentinien bis Deutschland. Das Flutlicht leuchtet bereits, unten packen Betreuer Bälle, Wasserflaschen, Verbandszeug. Spieler nehmen noch einen Schluck. Dazwischen fläzt Diego Maradona mehr als er sitzt in einem Plastikstuhl am Spielfeldrand.

Alles im Griff: Diego Maradona im Training der argentinischen Elf.

(Foto: ap)

Er spricht mit den Betreuern und Spielern um ihn herum, und doch auch mit der Weltöffentlichkeit. Maradona redet sehr laut, seine tiefe, heisere Stimme dringt verschwommen auf die Tribüne. Wie er da so fläzt und mit den Händen gestikuliert, wirkt Diego Maradona, als säße er mit alten Kumpels auf einem Dorfplatz in Argentinien und schimpft und kalauert und klagt. So laut er nur kann.

Argentiniens Beobachter kennen diese Unterhaltung. Wenn 15 Minuten vor dem Trainingsende die Weltöffentlichkeit den Trainingsplatz in Pretoria betreten darf, beginne Maradona seine Show, sagen sie. Beim Übungsspielchen gibt er den Schiedsrichter, er geht schwerfällig über den Rasen, zieht ein Bein ein wenig nach. Er gestikuliert, weist an, bläst sehr fest in seine Pfeife. Er macht Späße mit seinen Spielern, gibt einen Elfmeter für diese Mannschaft und einen Elfmeter für jene. Die Stimmung ist sehr entspannt.

Kritiker wundern sich

Argentinien hat bei dieser Weltmeisterschaft beeindruckt. In der Vorrunde hat die Mannschaft Nigeria, Südkorea und Griechenland recht locker beherrscht, dann musste sie im Achtelfinale gegen Mexiko zu Beginn eine schwierige Phase überstehen, es half ein Abseitstor, doch am Ende stand wieder ein ungefährderter Sieg. Nun wartet im Viertelfinale Deutschland, wie schon 2006. Doch den Argentiniern ist nicht bange, zu gut hat ihr Team bislang gespielt. Und das alles mit dem Trainer Diego Maradona. Das Land wundert sich selbst ein wenig, wie glatt die Südafrika-Reise ihrer Albiceleste verläuft.

Denn die Argentinier haben ihrem Idol lange nicht zugetraut, eine Gruppe hochtalentierter Fußballer bei einer WM zu betreuen. Bei der Ernennung Maradonas schlugen viele die Hände über den Kopf zusammen, nach seinen vielen Drogen-Eskapaden und Krankheitsgeschichten galt der 49-Jährige als sozial schwer vermittelbar. Die meisten Nationalspieler sollen ebenfalls wenig begeistert gewesen sein, noch in der Qualifikation zogen sie nur widerwillig mit. Und verpassten mit schlechten Leistungen und Ergebnissen fast die Reise nach Südafrika.

Doch hier im Quartier in Pretoria hat sich vieles gedreht. Kritiker wundern sich, dass die Mannschaft plötzlich ordentlich trainiert, die Spieler freuen sich über den großen Freiraum, der ihnen vom Trainerstab gewährt wird. Und die Vorstellungen auf dem Platz haben nichts mehr zu tun mit dem teilweise lustlosen Gekicke in der Qualifikation. Plötzlich steht da ein Team im Stadion, dass zu den ernsthaften Favoriten auf den Titel gehört.

Sagen Sie jetzt nichts ... Diego Maradona

"Das ist sie, die Hand Gottes"