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Fußball-Weltmeisterschaft:Eng liiert mit der größten Skandalnudel

Die Finanzprobleme der Fifa hatten ein lockerer Umgang mit Verbandsgeldern und der Bankrott der langjährigen Hausagentur ISL ausgelöst, die auch die WM-Rechte für 2002/06 ergattert hatte. Nach dem Konkurs landete ein Teil der Rechte bei der Infront AG, die aus der Asche der ISL in Zug erwachsen war.

Ein Sonderstaatsanwalt durchleuchtet seither den Kollaps der ISL, speziell deren Verbindungen zur Fifa, Blatter wurde zu seiner Rolle bei Transaktionen verhört. Es gab sogar eine Razzia im präsidialen Office und in anderen Fifa-Büros. 2008, im Prozess gegen Topmanager der Agentur hielt das Strafgericht Zug fest, dass die ISL als Kickback-Station für hohe Sportfunktionäre fungiert und allein von 1989 bis 2000 die Schmiergeldsumme von 138 Millionen Franken ausgereicht habe.

Erst über Beraterhonorare, später über Stiftungen in Steuerparadiesen. Bedient wurden auch höchste Fifa-Funktionäre, namentlich Südamerikaner. Die Preisgabe weiterer Günstlinge ließ aber der in der Schweiz juristisch gut vernetzte Blatter verhindern.

Beziehungstat?

Beim Wechsel des Neffen an die Spitze von Infront dementierten alle Beteiligten strikt, dass dies auf der Beziehungsebene geregelt worden sei. Als Teil des üblichen Geschäftsgangs ist demnach auch zu sehen, dass die Agentur dick in WM-Geschäfte der Zukunft einsteigen konnte. Doch es gibt mehr als die filmreif anmutenden Familienbande im edelsten Erwerbssegement des Weltfußballs.

Da ist ja auch die alte Vernetzung der Fifa-Spitze mit den Lenkern von Match. Die Mexikaner Jaime und Enrique Byrom, gute alte Bekannte, sind besonders eng liiert mit der größten Skandalnudel im Fifa-Vorstand, Jack Warner. Der Mann aus Trinidad/Tobago hatte allein bei der WM 2006 in Deutschland mit Ticket-Deals Millionenprofite abgezockt.

Die Byrom-Brüder begannen als freie Touristikagenten bei der WM 1986 in Mexiko und 1990 in Italien. Nach der ersten Bruchlandung blieb, so die Zürcher Weltwoche, ein prominenter Teilhaber am Wegesrand zurück: Sir Bobby Charlton, Denkmal von Manchester United, soll einen Millionenbetrag verloren haben.

Run lässt auf sich warten

2001 erhielten die Brüder trotz kleiner Belegschaft das WM-Ticketing in Japan/Südkorea. Die klamme Fifa hatte ihren Kartenverkauf vorfinanziert, um wichtige Liquidität einzuholen. Der Ticketverkauf verlief desaströs. Hunderttausende Karten wurden zu spät gedruckt, die Tribünen wiesen enorme Lücken auf.

Ein von der Fifa in Auftrag gegebenes Gutachten fiel wenig vorteilhaft für die Byroms aus, berichten Eingeweihte, ein Gegengutachten habe dann ein hübscheres Bild gezeichnet. 2006 kamen die Byroms erneut zum Zug: Pannen über Pannen, die deutschen Organisatoren mussten eingreifen; sie taten es diskret wie stets.

Für Südafrika 2010 wollen die Brüder drei Millionen Tickets verkaufen; am Kap wird euphorisch mit 450 000 Gästen gerechnet. Dabei offeriert das Land nur 35.000 Hotelzimmer mit Gütesiegel, dazu 64 000 zertifizierte Räume in Gästehäusern, Pensionen, Nationalparks. Auch von diesen hunderttausend Betten vermarktet Match einen Großteil, mit 30 Prozent Aufschlag. Der Run lässt aber auf sich warten, die Welt drängt bisher nicht ins winterliche Südafrika.

Zugleich ruft Danny Jordaan, Chef des Organisationsbüros LOC, seine Landsleute zu mehr Begeisterung auf, Fifa und LOC richteten gar einen Fonds ein, der 120.000 Freikarten an ärmere Zielgruppen verteilen soll. Wie gut bei alledem die Arbeit von Match vorangeht, was es für die Zahlung der finanziellen Garantien bedeutet - das will man die Fifa in Südafrika lieber gar nicht erst fragen.

© SZ vom 05.01.2010/cai

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