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Fußball:Beschimpfungen gegen Benatia und Boateng

Muntari gilt bereits seit längerem als Profi, der Konflikte auch mal eskalieren lässt. Er flog schon dreimal aus der ghanaischen Nationalmannschaft, zuletzt vor dem letzten Gruppenspiel der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Dort soll er gegen einen Betreuer handgreiflich geworden sein, weil ein Prämienstreit eskalierte.

Dass der italienische Fußball allerdings seit Jahren ein Rassismusproblem hat, ist hinlänglich bekannt. Der ehemalige FC-Bayern-Spieler Medhi Benatia wurde am vergangenen Samstag bei einem TV-Interview über Kopfhörer als "Scheiß Marokkaner" bezeichnet. Kevin-Prince Boateng verließ bei einem Freundschaftsspiel mit dem AC Mailand vor vier Jahren nach Beschimpfungen den Platz, Mario Balotelli wurde wiederholt von Fans und Funktionären beleidigt. Muntari, der in seiner Karriere unter anderem auch für die englischen Vereine Portsmouth und Sunderland spielte, meinte, in England habe er keine solchen Beschimpfungen erlebt. "Rassisten haben in England Angst, sowas im Stadion zu machen, weil sie wissen, dass es nicht toleriert wird. In Italien ist das anders", sagte Muntari der BBC.

Nicht nur bei Fans ist Rassismus offenbar verwurzelt. Italiens Verbands-Chef Tavecchio, mit dem Infantino das Problem besprechen will, sagte zum Beispiel 2014: "In England schaut man sich Spieler genau an, wenn sie kommen. Sie müssen Lebenslauf und Stammbaum vorzeigen. Wenn sie Profis sind, dürfen sie auch spielen. Bei uns bekommen wir einen Opti Poba (Phantasiename, Anm. d. Redaktion), der vorher Bananen gegessen hat und dann plötzlich in der ersten Mannschaft von Lazio spielt". In der Debatte über die Konsequenzen aus Italiens WM-Vorrunden-Aus in Brasilien sprach er sich dafür aus, die Zahl ausländischer Spieler in der Serie A stärker zu regulieren.

© Sz.de/ska/mane

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