Fußball-Regionalliga:Viele Ausrufezeichen

23.07.2021, xemx, Fussball Regionalliga Bayern, Spvgg Unterhaching - Wacker Burghausen emspor, v.l. Robin Ungerath (SV W

Überraschung aus der Bayernliga: Robin Ungerath führt die Torjägerliste mit sieben Treffern an.

(Foto: Eduard Martin/Jan Huebner/imago)

12 Punkte und 18 Treffer aus fünf Spielen: Mit einer erfahrenen Abwehr und einem jungen Torjägerduo aus unteren Klassen mischt der SV Wacker Burghausen die Liga auf.

Von Christoph Leischwitz

Der erste Spieltag war richtig mies gelaufen für Robin Ungerath. Beim Auftaktspiel gegen den SV Schalding-Heining vergab er seine erste große Chance der Saison kläglich, aus wenigen Metern ging sein Schuss nicht einmal aufs Tor. Später war der Angreifer von Wacker Burghausen zu allem Unglück noch am Siegtor der Gäste beteiligt.

18 Tage später steht der 22-Jährige Angreifer vor der Kamera von BFV.TV und gibt ein Kurzinterview nach dem Spiel gegen den FC Schweinfurt 05. Er steht im strömenden Regen, sieht aus wie ein begossener Pudel, fuchelt mit dem Mikrofon in der Hüftgegend herum. Und redet darüber, wie geil nach dem spektakulären 5:2 gegen den Favoriten alles ist, was man doch für einen schönen Fußball spiele zurzeit. Ungerath hatte vor dieser Saison noch nie in der Regionalliga gespielt und seinen Einstand vermasselt - doch jetzt führt er nach fünf Partien mit sieben Treffern die Torjägerliste der Regionalliga Bayern an, sein Sturmkollege Christoph Maier ist mit fünf Treffern nicht weit entfernt.

Vor allem dank ihnen setzt Burghausen gerade ein Ausrufezeichen nach dem anderen: Einem 8:0 gegen 1860 Rosenheim folgten zwei Siege gegen den selbsternannten Aufstiegsfavoriten SpVgg Bayreuth (3:2) und gegen den Titelverteidiger. Dabei hatte Ungerath auch diesmal nicht alle seiner guten Chancen versenkt. "Wir sind gegen den Ball so aggressiv wie vorgestellt. Mit dem Ball schnell nach vorne zeigen wir ein gutes Kombinationsspiel", sagt Trainer Leonhard Haas auf die Frage, warum der Ligastart so gelungen ist. Das 0:1 gegen Schalding-Heining bezeichnet er als "Delle", man habe aber auch da schon gut gespielt und viele Pläne umgesetzt.

Leonhard Haas hätte durchaus Interesse an einer Profitrainer-Karriere

Der 39-jährige Trainer hat schon öfter bewiesen, dass er Spieler für höhere Aufgaben auf ein höheres Niveau hieven kann. Fünf Mal in Serie war er mit dem TSV Wasserburg aufgestiegen, und als sie vor zwei Jahren die Bayernliga erreichten, da standen immer noch sieben Spieler auf dem Platz, die schon in der Kreisklasse mitgekickt hatten. Burghausen baut auf eine erfahrene Abwehr um Spieler wie die beiden 28-jährigen Kevin Hingerl und Moritz Moser. Im Angriff dürfen sich dafür junge Wilde austoben: Christoph Maier kam vor der Pandemie vom Landesligisten Landshut, Ungerath brachte Haas mit Verspätung aus Wasserburg mit.

Ein Glücksfall, denn eigentlich hatte der Angreifer, der in der kurzen Abbruchsaison für den TSV immerhin noch auf zwölf Treffer kam, einen mehrjährigen USA-Aufenthalt geplant, der sich laut Haas wegen Corona zerschlagen hatte. Über sich selbst sagt der Trainer, der in Wasserburg quasi einen Familienbetrieb mit Brüdern, einem Cousin und einem Onkel anleitete: "Ich dachte mir, du musst jetzt auch mal andere Erfahrungen sammeln. Ich hatte Bock auf eine neue Aufgabe. Und das habe ich noch zu keinem Zeitpunkt bereut." Warum auch. Haas hätte durchaus Interesse an einer Profitrainer-Karriere, nun macht er schon mal in der höchsten Amateurklasse von sich reden.

Der Aufstieg ist noch lange kein Thema in Burghausen, die Infrastruktur dazu wäre aber vorhanden

Der Aufstieg ist noch lange kein Thema in Burghausen, auch wenn der Verein sogar fünf Jahre in der zweiten Liga vorweisen kann, die Infrastruktur dazu wäre also vorhanden. Für Haas freilich wäre es der beste und einfachste Weg ins Profigeschäft: Wer mit einem Regionalligisten in die dritte Liga aufsteigt, dem winkt der Lehrgang zur Fußballlehrer-Lizenz. Vorerst hat der Ex-Profi, der unter anderem für Greuther Fürth, den FC Augsburg und den FC Ingolstadt spielte, nur einen Vertrag bis zum Saisonende.

Haas betont, dass es auf Dauer schwer sein werde, sich an der Tabellenspitze zu halten. Im Moment profitiere man von einer guten Vorbereitung. Dazu habe sicher beigetragen, dass für den Juni die anspruchsvollen Pokalspiele angesetzt waren, quasi als bessere Vorbereitung auf die kommende Spielzeit. "Aber ich glaube, je länger die Saison geht, umso schwieriger wird es für die Mannschaften, die nicht professionell trainieren können" sagt Haas. Der klare Erfolg gegen Schweinfurt mag zudem auch ein wenig der Tatsache geschuldet sein, dass die Unterfranken in der Abwehr gerade einige Personalsorgen haben. Zwei Tore fielen nach Ecken, und auch Ungerath profitierte beim zwischenzeitlichen 3:1 per Kopf von der schlechten Zuordnung in der Abwehr der Nullfünfer. Aber man habe schon gesehen, wie viel individuelle Qualität die beiden Gegner der vergangenen Woche hätten, sagt Haas.

An diesen Qualitäten arbeitet er mit mehreren jungen Spielern gerade selbst schon recht erfolgreich.

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