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Fußball: Regionalliga:Die tote Liga

Die am Mittwoch beginnende Regionalliga ist eines der großen Sorgenkinder des deutschen Fußballs. Weil Essen, Mannheim und andere nicht genug Geld haben, spielt sogar ein Vorjahres-Letzter wieder mit.

Dass Eintracht Trier an diesem Wochenende mit einem Spiel bei Kaiserslautern II in die neue Saison der Regionalliga West startet, mutet wie ein schlechter Witz an. Immerhin hatte der Klub aus der ältesten Stadt Deutschlands die vergangene Spielzeit mit dem letzten Tabellenplatz abgeschlossen - in einer Liga, in der es normalerweise drei reguläre Absteiger gibt. Aber weil nacheinander die Regionalligisten Bonner SC, Rot-Weiss Essen und Waldhof Mannheim keine Lizenz erhielten, blieben die Trierer doch noch drin.

Hamburg SV v Werder Bremen

Auch Ailton stürmt in der Saison 2010/11 für eine Liga mit wenig Perspektive: Der frühere Bundesliga-Torschützenkönig steht mittlerweile in Diensten des Regionalliga-Nord-Teams FC Oberneuland.

(Foto: Getty)

Diese Posse war das letzte Beispiel, das nachhaltig demonstrierte: Die gesamte Regionalliga-Konstruktion mit ihren Staffeln Nord, West und Süd steckt in einer tiefen Krise. Neben Bonn, Essen und Mannheim bekamen mit Eintracht Bamberg, Tennis Borussia Berlin und dem SSV Reutlingen drei weitere Vereine keine Lizenz. Längst hat die Regionalliga einen Ruf als "Pleiteliga", ambitionierte Fünftligisten denken darüber nach, auf ein Aufstiegsrecht zu verzichten. Kein Wunder, dass manche Beteiligten gar von einer "toten Liga" sprechen.

"So kann es nicht weitergehen", sagt Jens Rose, Präsident des KSV Hessen Kassel und Vertreter einer 28 Vereine umfassenden Gruppe, die sich zur "Interessengemeinschaft Regionalliga" zusammengeschlossen hat. "Wir müssen dringend etwas ändern." Der zuständige Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Hermann Korfmacher, sieht das ähnlich. "Wir müssen erkennen, dass es eine große Unzufriedenheit gibt", sagt er.

Viele wollen eine Reform - doch wie soll die aussehen, damit sie auch tatsächlich wirkt und nicht in wenigen Jahren die nächsten Probleme und die nächsten Reformen erzwingt?

Die Krise spitzte sich 2008 zu

Dass abgestürzte Traditionsvereine in den Niederungen des Amateurfußballs Probleme haben, ist kein neues Phänomen - und völlig unabhängig von Fragen der Ligastruktur. Dennoch spitzte sich die Malaise mit der Reform im Jahr 2008 spürbar zu, als der DFB die Dritte Liga einführte und die Regionalliga von der dritt- zur vierthöchsten Spielklasse herabstufte. Die infrastrukturellen Anforderungen des DFB sind aber weiter ziemlich hoch. Das reicht von den Sicherheitsbestimmungen über die Vorgaben für die Flutlichtanlage bis zur Frage, wie viele Sitzplätze ein Stadion haben muss.

Zudem gingen die Fernsehgelder seitdem kontinuierlich zurück, die Zuschauerzahlen und die daraus entsprechend resultierenden Einnahmen sanken. Manche Vereine verzichteten aufgrund der finanziellen Bedingungen auf sportliche Qualität, andere versuchten mit großen Investitionen die Liga zu verlassen und verhoben sich dabei. "Es ist klar, dass Fehler gemacht wurden", sagt Rose. "Aber wenn man sich nicht damit abfinden will, in der vierten Liga zu verharren, muss man ein gewisses Risiko eingehen."

Vor allem die zunehmende Zahl an zweiten Mannschaften von Bundesligaklubs ist vielen Verantwortlichen ein Dorn im Auge. Diese hätten nur wenige Zuschauer und müssten sich keine Sorgen um die Lizenz machen. Außerdem käme es bisweilen zur Wettbewerbsverzerrung, wenn die Reserve-Mannschaften je nach Lust und Terminplan ihrer Profi-Elf entweder gestandene Akteure oder eine halbe A-Jugend aufs Elf schicken. In der Saison 2010/11 sind nun schon 25 von 72 teilnehmenden Mannschaften Reserve-Teams.

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