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Fußball:Mehr als 60 Prozent Sechzig

2. Fussball Bundesliga TSV 1860 München Fanfest Grünwalderstrasse

Teure Zugänge: Im Sommer zogen Ribamar (links) und Victor Andrade die Massen an die Grünwalder Straße, gespielt haben sie bislang selten.

(Foto: Stefan Matzke/sampics)

Der TSV 1860 München hat nun neue Trainingsplätze, sogar mit einem Hybridrasen, wie ihn sich Pep Guardiola nicht schöner erträumen könnte. Vielleicht verletzen sich künftig nicht mehr so viele Spieler, und ganz vielleicht funktioniert im Winter die Rasenheizung. Das wäre wünschenswert, weil der Fußball-Zweitligist nicht nur in teure Halme, sondern auch in teure Beine investiert hat und nun Spieler wie Ribamar, Stefan Aigner und Ivica Olic in seinen Reihen hat. All das finanziert der jordanische Investor Hasan Ismaik - nach SZ-Informationen liegen hierfür allerdings hauptsächlich Darlehensverträge vor.

Derzeit wartet der Klub auf die Rückmeldung zu den Unterlagen, die er Ende Oktober im Rahmen der Nachlizenzierung bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) eingereicht hat. Es ist davon auszugehen, dass Ismaik in den kommenden Wochen zugesagte Darlehen überweisen muss. Sonst droht die Auflage, dass sich 1860 künftige Transfers vorab von der Liga genehmigen lassen muss, was die geplanten Spielerverpflichtungen in der Winterpause erheblich erschweren würde.

Zudem naht mal wieder der 31. Dezember, und diesem Tag blicken die Löwen so bang entgegen wie ein Labrador dem Silvesterfeuerwerk. Erneut müssen Darlehen in Genussscheine umgewandelt werden, um eine DFL-Strafe wegen Verschlechterung des Eigenkapitals zu verhindern. Genussscheine haben für ein Unternehmen den Vorteil, dass sie in der Bilanz als Eigenkapital geführt werden, aber für den Geldgeber den großen Nachteil, dass es deutlich unwahrscheinlicher ist, den Betrag wiederzusehen, als bei einem handelsüblichen Darlehen.

Im vergangenen Jahr verweigerte Ismaik diese Maßnahme, der TSV 1860 erhielt eine Geldstrafe von rund 750 000 Euro, diesmal droht als Wiederholungstäter sogar ein Punktabzug. Und in Vereinskreisen wird gemutmaßt, dass es sich bei der nötigen Umwandlung um einen Betrag handeln könnte, der den bisher gekannten Rahmen sprengt; vom niedrigen zweistelligen Millionenbereich ist die Rede.

1860 droht eine Strafe der DFL

TSV-Präsident Peter Cassalette geht "schon davon aus", dass Ismaik so viele Darlehen in Genussscheine umwandelt, wie es im Dezember nötig ist - trotz der Unzufriedenheit des Investors mit der sportlichen Entwicklung, in der sich die hohen Investitionen so gar nicht niederschlagen: "Man darf sich ja nicht von so kurzfristigen Rückschlägen umwerfen lassen, und ich glaube auch nicht, dass er der Typ dazu ist", sagt Cassalette.

Dazu kommt eine bislang noch nicht gekannte Problematik. Im März gab Sechzig die Lizenzierungsunterlagen für die laufende Spielzeit ab; dort waren Kaderkosten von etwa acht Millionen Euro angegeben. Ende Mai dann fassten die Verantwortlichen neue Pläne, was zu einer "Nichterfüllung der Auflage Planqualität" aus Sicht der DFL geführt haben könnte. Dann droht nach Saisonende eine Strafe von zehn Prozent der Abweichung. Der Posten Kader hat sich durch die Zugänge auf rund 16 Millionen Euro verdoppelt, dazu kommen die Infrastrukturmaßnahmen. Cassalette steht auf dem Standpunkt, dass der Klub die Änderungen der DFL rechtzeitig mitteilte, um die Strafe zu vermeiden. Es gibt aber auch Klubvertreter, die das anders einschätzen.