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Fußball: Länderspiel:War ja nur Malta

Ein Deutscher aus Santo André: Dank des Doppeltorschützen Cacau startet die DFB-Elf mit einem 3:0 gegen Malta in die WM-Vorbereitung. Ein Dortmunder Debütant sorgt für enorm viel Schwung.

Ganz wohl ist Joachim Löw nicht gewesen vor diesem Spiel. Er ist Sportler, und Sportler mögen es nicht so sehr, wenn sie nicht gewinnen können. Benefizspiele wie jenes, das die deutsche Elf in Aachen gegen Malta austrug, folgen meist eigenen Regeln, jener etwa, dass für den guten Zweck ein netter Sparringspartner eingeladen wird. Schlägt man den 3:0, heißt es hinterher oft: Was? Nur so knapp? Löw wusste, dass die Nation von diesem Abend nichts weniger erwartete, als stimmungsvoll auf die anstehende Weltmeisterschaft eingestimmt zu werden. Die Nation will sich gefälligst vorfreuen dürfen auf Fanmeilen oder Grillabende mit WM-TV. Immerhin mit 3:0 (1:0) siegten die Deutschen am Ende, und wichtiger als eine möglicher Vorfreude des Volkes war Löw ohnehin, dass seine Elf die Partie ohne Schäden an Leib und Seele überstand.

Cacau; Getty

Cacau, Doppeltorschütze gegen Malta.

(Foto: Foto: Getty)

"Wir hätten etwas höher gewinnen müssen", meinte Bundestrainer Joachim Löw, "aber wir haben vor allem in der ersten Hälfte einige Chancen zu lässig vergeben." Mehr Zug kam in der zweiten Hälfte in der Partie, auch dank des Dortmunders Kevin Großkreutz, der ebenso debütierte wie Mats Hummels und Stefan Reinartz.

Die sogenannten Perspektivspieler werden aber zu Hause bleiben, wenn Löws schwer dezimierte Reisegruppe an diesem Freitag ins Feriencamp nach Sizilien aufbricht. Sämtliche Pokalfinalisten werden ja gerade anderweitig gebraucht, die sieben Münchner (Butt, Lahm, Badstuber, Schweinsteiger, Müller, Gomez, Klose), die vier Bremer (Wiese, Mertesacker, Özil, Marin) und der Chelsea-Profi (Ballack). Gerade mal 15 potentielle Turnier-Fahrer waren Löw gegen Malta noch geblieben, abzüglich des Hamburgers Marcell Jansen, dessen Fitnesszustand noch kein Fußballspiel zulässt.

In der Auswahl "elf aus 14" hatte Löw einige überraschende Personalentscheidungen getroffen, die aber das Gegenteil von Vorentscheidungen sein dürften. Dass etwa der etablierte Westermann und der zumindest halb etablierte Boateng draußen blieben, hatte eher damit zu tun, dass Löw auf den defensiven Außenposten Andreas Beck und Dennis Aogo sehen wollte, die von allen Experten als Favoriten fürs anstehende Streichkonzert gewertet werden. Vier Profis wird Löw ja bis zum 1. Juni noch aus seinem erweiterten 27er-Aufgebot entfernen müssen.

Das Problem für alle Streich- und sonstigen Kandidaten ist aber, dass auch sie gegen Malta nur bedingt gewinnen können. Aogo zum Beispiel: Er spielte durchaus kess, preschte tatendurstig seine Seite entlang, und gelegentlich unterliefen ihm auch wirklich brauchbare Flanken wie in der 16. Minute, als Cacau seine Hereingabe zum 1:0 einköpfelte. Aber natürlich könnten Kritiker jede dieser netten Flanken mit einer Gegenfrage kontern: Ja, und? Gegen Malta?

Eine Frage, die Aogo aber ebensowenig zur Last gelegt werden kann wie Piotr Trochowski, der sich auf der anderen Flanke ebenfalls recht erfolgreich um Eigenwerbung bemühte. Denn auch dies ist ja eine kuriose Eigenheit in Löws Kader: Zwar fehlt es nach wie vor an einer Achse, dafür herrscht ein hohes Flitzeraufkommen: Neben Müller, Özil und Marin bewerben sich auch Trochowski, Kroos und Podolski um Planstellen auf dem Flügel. Speziell die rechte Seite gilt seit Schweinsteigers Versetzung in die Mitte als vakant, Trochowski dürfte seine Position nicht verschlechtert haben, er zeigte einige nette Schüsse und nette Dribblings, wie auch der junge Toni Kroos (obwohl: Es war doch nur gegen Malta, oder ...?)

Wer dieses Spiel nach seriösen, malta-unabhängigen Erkenntnissen auswertet, wird aber auf jeden Fall bei Cacau fündig werden. Der Neudeutsche aus dem brasilianischen Santo André hatte die vernünftige Entscheidung getroffen, seinen Stuttgarter Rückrunden-Lauf einfach ins Nationalteam mitzunehmen. Er kreiselte schwer zu fassen übers Feld, hing zurück, stieß nach vorne und wenn es sich anbot, dann schoss er halt ein Tor - wie auch in der 58. Minute, als er in der eigenen Hälfte einen Angriff initiierte, den er ein paar Sekunden später selbst abschloss.

Unterwegs hatte sich neben Torvorbereiter Podolski auch Großkreutz mit einem hübschen Pass am Geschehen beteiligt - wie beim anschließenden 3:0 (61.), das dem 2:0, abgesehen von Cacau, zum Verwechseln ähnlich sah. Großkreutz und Podolski schoben über links eine hübsche Kombination an, die der Malteser Scicluna vor lauter Begeisterung ins eigene Tor hämmerte.

Und sonst? Neuer durfte ein-, zweimal zeigen, dass er Torwart ist. Arne Friedrich durfte zeigen, dass es laut Fifa-Statuten offenbar erlaubt ist, als Absteiger auch Nationalelf-Kapitän zu sein. Lukas Podolski zeigte eine verwirrte erste und eine viel bessere zweite Hälfte. Sami Khedira zeigte eine coole erste und eine coole zweite Hälfte. Und Stefan Kießling gab sich wahnsinnig Mühe, blieb aber unglücklich - allein in den letzten Minuten hatte er vier Chancen. Es sah aus, als habe sich das Schicksal gegen ihn verschworen, aber er muss sich wahrscheinlich keine Sorgen machen: Es war ja nur Malta, oder?

DFB-Elf gegen Malta

Das Aufwärmspiel