Fußball:Gnabry tanzt im Regen

San Marino v Germany - FIFA 2018 World Cup Qualifier

Nationalmannschafts-Debüt mit drei Toren: Serge Gnabry

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der Debütant von Werder Bremen glänzt beim lockeren 8:0 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in San Marino mit drei Treffern.

San Marino sei kein Gegner, mindestens zweistellig müsse das werden: Das waren die Sätze, die man vor diesem WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft in Serravalle zu hören bekam. Tatsächlich stellte sich dann heraus, dass die DFB-Elf in ihrer langen Geschichte schon den ein oder anderen besseren Gegner hatte, aber in einer Hinsicht hatte die öffentliche Meinung diesen Gastgeber unterschätzt. San Marino war ein fast unbezwingbarer Gegner für alle Reporter - bzw. für jene bedauernswerten Menschen, die immer diese Aufstellungs-Grafiken herzustellen haben.

Gegen diesen besonders kleinen Gegner würde Bundestrainer Löw seine Elf bestimmt auch besonders anordnen, das war die allgemeine Einschätzung - so gab eine Nachrichtenagentur ein Schema heraus, in dem nur ein einziger (!) Spieler in der Abwehr stand (Mats Hummels) und Joshua Kimmich auf dem rechten offensiven Flügel; eine andere Agentur machte den Debütanten Benjamin Henrichs zum Innenverteidiger in einer Dreierkette - gemessen an diesen abenteuerlichen Varianten geriet Löws Elf geradezu enttäuschend konservativ. Sein - auf den ersten Blick - fast klassisches 4-2-3-1 reichte aber selbstverständlich ebenfalls locker aus, um den Kleinsten der Kleinen mit 8:0 zu besiegen und die Führung in der Qualifikationsstabelle locker zu behaupten.

Besser als Brasilien wolle man sein, das hatten die Männer aus San Marino vor dem Spiel als Ziel ausgegeben und dabei eher nicht an die grundsätzliche Qualität gedacht. Gemeint war: Besser als Brasilien in Belo Horizonte im Juli 2014 - damals unterlagen die WM-Gastgeber der deutschen Elf, wie sich inzwischen herumgesprochen hat, mit 1:7. Am Ende verfehlte der 201. der Weltrangliste sein schönes Ziel - auch, weil die DFB-Elf bis zum Schluss konzentriert und seriös blieb.

Debüt für Henrichs und Gnabry

"Wir haben vor dem Spiel gesagt, wir wollen möglichst viele Tore erzielen und den Gegner ständig laufen lassen", sagte Löw später. So schickte der Bundestrainer auch gegen die naturgemäß überforderten Amateure eine mutige und sehr ernst gemeinte Elf aufs Feld - es war kein Widerspruch, dass er dabei den Neulingen Benjamin Henrichs (Bayer Leverkusen) und Serge Gnabry (Werder Bremen)

vertraute. Natürlich war San Marino ein debüttauglicher Gegner, dennoch passten diese Personalien perfekt in die Logik dieses Abends. In Erwartung eines extrem defensiven Gegners hatte Löw alle Positionen extrem offensiv besetzt und fast alle Offensivspieler gebracht, die sein Kader hergab - auch den angriffslustigen Rechtsverteidiger Henrichs und den dribbelstarken Linksaußen Gnabry. Auf der Bank saßen nur zwei Offensive (Volland, Meyer) - ansonsten stapelten sich auf der Bank die Defensiven (Höwedes, Mustafi, Tah, Gerhardt, Goretzka, Rudy, Weigl), deren Qualitäten gegen diesen Gegner nicht gebraucht wurden.

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