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Fußball: Gewalt in Argentinien:"Das ist die kollabierte Gesellschaft"

Die argentinische Regierung und der Fußballverband Afa schauen zu, manche Funktionäre und Politiker bedienen sich der Delinquenten in ihren Wahlkämpfen. Fifa-Vize Julio Grondona steht der Afa trotzdem seit 1979 vor, seit den Zeiten der Militärdiktatur. Auch er hatte nichts dagegen, als teilweise vorbestrafte Barrabravas aus einem regierungsnahen Zusammenschluss von Fanklubs zur WM flogen.

Ihr Anführer gehörte zu den Unterstützern des vormaligen und im vergangenen Jahr verstorbenen Präsidenten Néstor Kirchner, Südafrikas Behörden schickten einige der unerwünschten Besucher nach Hause. Die berüchtigte Fangruppe des kriselnden Heiligtums Boca Juniors, La Doce (Die Zwölf), gedieh wiederum unter der Präsidentschaft des heutigen Bürgermeisters von Buenos Aires, des Konservativen Mauricio Macri.

Andere Mörder und Ermordete sind Teil von Erzfeind River Plate und seiner Horde Los Borrachos del Tablón (Die Besoffenen von der Theke), von Estudiantes de la Plata, Huracán, Colón und so weiter. Die Stimmung in Stadien wie Bocas Bombonera ist zwar legendär, doch die Spielstätten sind veraltet, und die Polizei hat kein Konzept oder verdient mit den Verbrechern.

Manche Spieler zeigen Verständnis, freiwillig oder aus Angst. Bocas Juan Román Riquelme versicherte 2010 dem Staatsanwalt, dass er nicht von La Doce bedroht werde. Juan Sebastián Verón von Estudiantes La Plata nahm kürzlich im Stadion von Racing mehrfach und unter den Schutzschilden von Polizisten zum Eckball Anlauf. Die Aufseher schieben sich gegenseitig die Schuld zu oder suchen die Erklärung in Aggressionen und Armut am Rande der Gesellschaft, verfallener Moral, politischen Intrigen.

"Das ist die kollabierte Gesellschaft, die beim Fußball ihre Emotionen loswerden will", klagt Vélez-Vize Julio Baldomar, frei von Selbstkritik. Kabinettschef Aníbal Fernández findet, "solche Spiele müssen ohne Gästepublikum stattfinden". Ramón Aramayo, der Gast sein wollte und Argentiniens Fußball-Toter Nummer 256 wurde, hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.