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DFB in Weißrussland:Tänzchen mit kleiner Pirouette von Manuel Neuer

Auf Dynamik und auf Präzision kam es an. Das galt besonders auch für Nico Schulz und Lukas Klostermann, die formell als Außenverteidiger fungierten, in Wahrheit aber vorwiegend als Flügelstürmer tätig waren. Während sich Schulz - nicht auf die elegante Tour, aber mit rührender Emsigkeit - ins Spiel arbeitete und seine gewinnenden Szenen hatte, fiel Klostermann auf der rechten Seite erheblich ab. Wenig Effektivität, kaum Raffinesse. Sorg sagte, er habe Klostermann dem zuletzt bevorzugten Thilo Kehrer vorgezogen, weil sich dieser im Training hervorgetan habe. Anlass zum Eingreifen durch Auswechslung bot Klostermann aber nicht, weshalb Sorg lieber anderen Spielern zum Einsatz verhalf. Draxler durfte Jubiläum feiern - 50. Länderspiel -, Julian Brandt und Leon Goretzka kamen später auch noch dazu. Unter entspannten Umständen - Marco Reuss hatte mit dem 2:0 nach Matthias Ginters Vorlage die Partie längst entschieden (62.).

Es war einer dieser Länderspiel-Erfolge, der sich unauffällig einreiht in die an unauffälligen Siegen nicht eben arme Länderspiel-Geschichte des DFB. Doch es gab auch diesen einen speziellen, unvergesslichen Moment, und den bescherte der am wenigsten geforderte DFB-Spieler: Torwart Manuel Neuer. In jener kurzen Phase während der ersten Hälfte, in der sich die Weißrussen zumindest sporadisch in den Angriff verfügten, unternahm Neuer einen Ausflug ins Feld, der einerseits von seiner ungebrochenen Abenteuerlust zeugte und andererseits von einem gesunden Selbstbewusstsein, das man zuletzt öfter mal vermisst hatte bei ihm. Auf dem Ausflug ins ferne Grenz-Land zwischen Grundlinie und Eckfahne hatte sich Neuer nicht damit begnügt, einem Weißrussen im Zweikampf den Ball zu entwenden. Er fügte auch noch ein Tänzchen mit kleiner Pirouette hinzu, um anschließend mit dem idealen Kurzpass den Spielaufbau zu gestalten.

"So kreativ, wie er hinten rumgeschnickt hat, könnte er bei uns auch auf der Sechs oder weiter vorne spielen", teilte Kimmich fachmännisch mit. Weite Teile des Spiels verfolgte Neuer an der Mittellinie stehend, wo er sich nahezu gierig jeden Ball schnappte, den er kriegen konnte. "Man sieht, dass er Bock hat zu spielen, das tut uns als Mannschaft sehr gut", sagte Kimmich. Stellvertreter Marc-André ter Stegen, wegen Verletzung abwesend, wird es vermutlich auch gesehen und festgestellt haben: Das dauert wohl noch ein wenig mit der Thronfolge.

Jogi Löw hingegen hat seinen Stammplatz als Trainer Nummer eins sicher, wenn die deutsche Elf nach der Sommerpause im September ihr nächstes Länderspiel bestreiten wird. Auch wenn in Borissow der Assistent Signale der Emanzipation zu erkennen gab. Im Hinblick auf die Besetzung für das folgende EM-Qualifikationsspiel am Dienstag in Mainz gegen Estland gab Marcus Sorg bekannt: "Ich kann sagen - ohne dass es mit dem Bundestrainer abgesprochen ist -, dass es keine elf Wechsel geben wird."

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