bedeckt München 11°
vgwortpixel

Fußball-EM:Belgiens Dreizack verwandelt das Spiel

Hat die belgische Nationalmannschaft mit einem Doppelpack wachgeküsst: Romelu Lukaku.

(Foto: AP)

135 Minuten lang gelingt De Bruyne, Hazard und Lukaku bei dieser Fußball-EM nichts - dann entwerfen die Belgier beim 3:0 gegen Irland eines der schönsten Spiele des Turniers.

Endlich durfte Belgien mal kontern, Eden Hazard schnappte sich den Ball. Er sprintete über die Mittellinie, legte den Ball am irischen Strafraum ab zu Kevin De Bruyne - dann stoppte der ab. Er wartete kurz, bevor er den Ball etwas lasch zurück zu Hazard passte. Die Konterchance war dahin, ein paar Sekunden später köpfte Romelu Lukaku immerhin noch knapp neben das Tor. Ein enttäuschendes Ergebnis eines hoffnungsvollen Angriffs.

Diese 33. Minute stand für das gesamte belgische Spiel gegen Irland in der ersten Halbzeit. Die Belgier spielten zu pomadig, kickten den Ball lieber mal lässig zum Mitspieler nebendran, statt Tempo ins Spiel zu bringen. Erst nach der Pause änderte sich das. Die Roten Teufel, so fühlte es sich an, spielten sich nach großer Kritik frei. Besonders der belgische Dreizack aus De Bruyne, Hazard und Lukaku, denen erst 135 Minuten gegen Italien und Irland nahezu nichts gelang, verwandelte in 45 Minuten eine langweilige Partie in Bordeaux in eine der schönsten dieser EM - und katapultierte sein Land damit wieder zurück in den Favoritenkreis in Frankreich. Belgien besiegte Irland 3:0 (0:0)."Die Mannschaft hat gut gespielt und Tore erzielt, das war die richtige Antwort", sagte Lukaku.

Großer Aufreger zum Ende der ersten Halbzeit

Belgien reiste als Weltranglistendritter an, nach der 0:2-Niederlage gegen Italien galt es jedoch nur noch als Mitspieler in diesem Turnier mit 24 Mannschaften. Trainer Marc Wilmots stellte sein Team um. Sein vielleicht unbeabsichtigtes Statement: Auffallende Frisuren bleiben draußen.

Marouane Fellaini, der blondierte Wuschelkopf, der an den Kolumbianer Carlos Valderrama erinnert, musste für Yannick Ferreira-Carrasco weichen, den Torschützen für Atlético Madrid im Finale der Champions League. Radja Nainggolan, blonder Irokesenkopf, blieb ebenfalls draußen, und Michy Batshuayi, dessen Frisur wiederum einer Vogelspinne gleicht, saß wie in Spiel eins auf der Bank. Lediglich der für Wilmots unverzichtbare und auffallende Wuschel Axel Witsel durfte auf der Doppelsechs ran. "Wir haben Irlands Spiel analysiert und unsere Strategie dementsprechend ausgerichtet. Wir haben uns für das Kurzpassspiel entschieden. Die Aufstellung war die richtige", sagte Wilmots.

Sein Team brachten die Umstellungen anfangs aus dem Rhythmus. Es startete ideenlos, schob den Ball langsam hin und her und kam erst in der 21. Minute zur ersten großen Chance: Nach einer misslungenen Kopfball-Abwehr von Irlands Innenverteidiger John O'Shea hüpfte der Ball zu Eden Hazard. Der belgische Kapitän schoss ihn aus zehn Metern aber einige Zentimeter übers Tor.

Die erste Halbzeit war geprägt davon, dass Irland verteidigte und Belgien das Spiel verwaltete. Was ja ein bisschen dem Trend der EM entspricht: Ein Team mauert in dieser Gruppenphase gerne, um das andere zum Spielen und zu möglichen Fehlern herauszufordern. Einen großen Aufreger gab es erst zum Schluss der ersten Halbzeit: Shane Long stieg heftig gegen Ferreira-Carrasco ein, der am Sprunggelenk behandelt werden musste, aber weitermachen konnte.