Schweizer Nationalmannschaft:Querelen trotz Quali

Schweizer Nationalmannschaft: Der Schweizer Cheftrainer Murat Yakin (rechts) und Granit Xhaka.

Der Schweizer Cheftrainer Murat Yakin (rechts) und Granit Xhaka.

(Foto: Ennio Leanza/dpa)

Fünf Remis in sechs Spielen, keine spielerische Entwicklung und Debatten über einen Disput mit Kapitän Xhaka: Obwohl die Schweiz die EM-Endrunde erreicht, muss Cheftrainer Murat Yakin um sein Amt bangen.

Von Adrian Kühnel

Die Schweizer Fußball-Nationalmannschaft wird zum sechsten Mal in Serie an einer WM- oder EM-Endrunde teilnehmen. Trotzdem ist die Stimmung rund ums Team getrübt. "Wir haben uns qualifiziert, können stolz und glücklich sein, aber weniger auf das Wie", sagte Kapitän Granit Xhaka am Samstag nach einem 1:1 gegen Kosovo, das zwar für die vorzeitige Qualifikation reichte, aber zugleich einen unbefriedigenden Trend fortsetzte. Für das Ensemble von Nationaltrainer Murat Yakin war es schon das fünfte Unentschieden in den vergangenen sechs Spielen - bei allen fünf Punkteteilungen verspielte es eine Führung.

Erst am vorigen Mittwoch hatten die Schweizer gegen Israel "völlig die Organisation verloren", wie Torhüter Yann Sommer beklagte, und nur 1:1 gespielt. Und auch gegen Kosovo verloren die Schweizer mal wieder den Faden: Nach der Führung kurz nach dem Seitenwechsel gab es in der Schlussphase den Gegentreffer. "Leider ist etwas der Wurm drin", sagte Verteidiger Nico Elvedi nach Abpfiff. Es dürfe nicht passieren, dass man immer wieder unmittelbar vor dem Ende ein Gegentor kassiere, meinte der Profi von Borussia Mönchengladbach.

Das 1:1 gegen Kosovo war symptomatisch für die derzeitige Verfassung der Schweiz. Es habe sich bestätigt, "dass die Mannschaft stagniert und wirkt, als sei ihr die Freude am Spiel in den vergangenen Monaten genommen worden", kommentierte die Neue Zürcher Zeitung. Mit dem Gegentreffer habe das Team abermals einen Eindruck von "Verwirrung und Orientierungslosigkeit" hinterlassen.

"Es geht schon lange nicht mehr um den Sport", klagt Trainer Yakin

Obwohl Nationaltrainer Murat Yakin die Schweiz seit seiner Amtsübernahme im August 2021 zur Weltmeisterschaft in Katar und dort ins Achtelfinale führte, den Ligaerhalt in der Nations League sicherte und nun vorzeitig das EM-Ticket gelöst hat, ist er angezählt. Der Tages-Anzeiger titelte bereits nach dem 1:1 gegen Israel: "Mit Yakin kann es keine Zukunft mehr geben." Der Blick gab trotz der besiegelten EM-Qualifikation jetzt ebenfalls die Einschätzung ab, dass es "einen Wechsel an der Spitze" brauche.

Die Luft für den Schweizer Nationaltrainer wird dünner. Das neuerliche Unentschieden gegen Kosovo hat dazu seinen Beitrag geleistet. Yakins Vertrag hat sich zwar mit der gelungenen EM-Qualifikation automatisch bis nach der EM verlängert. "Trotzdem werden wir nach diesen zehn Quali-Spielen den Stand der Dinge analysieren und vor allem die Entwicklung des Teams beurteilen", sagte Nationalmannschaftsdirektor Pierluigi Tami. Jene Entwicklung war in den vergangenen Spielen nicht mehr auszumachen.

Überdies gibt es Gerüchte über ein schlechtes Verhältnis zwischen Yakin und Kapitän Granit Xhaka, nachdem Xhaka im September die Trainings kritisiert hatte. Yakin wies die Vorwürfe am Samstagabend im SRF-Studio vehement zurück und sagte: "Es geht schon lange nicht mehr um den Sport. Ich glaube, das ist eine persönliche Abrechnung von einigen Medienpersonen, die wahrscheinlich das Gefühl haben, zwischen mir und Granit stimmt etwas nicht. Das stimmt absolut nicht." Er und Xhaka hätten "einen Super-Austausch". Sein Kapitän sei "ein Top-Fußballer, der immer gewinnen will, und das ist ein absoluter Segen", schwärmte Yakin.

Kapitän Xhaka muss auf einer ungewohnten Position ran

Doch zugleich werden die Diskussionen durch Xhakas Position in der Nationalelf genährt. Yakin übertrug gegen Kosovo Denis Zakaria die Rolle des defensiven Mittelfeldspielers. Dabei bekleidet diese Xhaka erfolgreich bei Bundesliga-Tabellenführer Bayer Leverkusen. Xhaka, der links ins Mittelfeld rückte, sagte hinterher: "Der Trainer hat gesehen, wie dominant ich im Klub auf meiner Position bin. Aber er entscheidet, wo die Spieler spielen, das ist nicht meine Aufgabe." Er wollte kein Öl ins Feuer gießen und stellte indes klar: "Es ist an jedem Spieler, seine Leistungen auf der vom Trainer vorgegebenen Position zu bringen." Ein Problem mit Yakin gebe es laut dem Leverkusener nicht. Es sei ohnehin "der falsche Zeitpunkt, um darüber zu reden", so Xhaka.

Denn noch steht ein Spiel in der Qualifikationsgruppe I aus. Die Schweiz spielt am Dienstag (20.45 Uhr) auswärts in Bukarest gegen Tabellenführer Rumänien und benötigt drei Punkte für den Gruppensieg. Das Resultat wird nicht nur Aufschluss liefern, in welchem Lostopf die Schweiz bei der EM-Auslosung (2. Dezember) landet, sondern auch, wie Yakin und der Schweizerische Fußballverband in die gemeinsamen Gespräche gehen.

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