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Fußball: DFB-Frauen holen EM-Titel:Optimalfall im Endspiel

Lange leistete England Widerstand - am Ende gewinnen die deutschen Fußball-Frauen das EM-Finale souverän mit 6:2. Es ist der fünfte Titel in Serie der Mannschaft von Trainerin Silvia Neid.

Rachel Brown stand ein paar Meter vor ihrem Tor in dieser 22. Minute. Eigentlich hat sie nicht vor ihrem Tor zu stehen, sondern genau auf der Linie, zwischen den Pfosten, unter der Latte, ihre Berufsbezeichnung lautet ja Torhüterin, bzw. Goalkeeper, denn Brown kommt aus England. Ich kann als Goalkeeper wohl ein paar Meter vor meinem Tor stehen, hat sie bestimmt gedacht, denn das Spielgeschehen war weit weg in dieser 22. Minute, als Melanie Behringer an den Ball gelangte.

Knoten geplatzt: Deutschlands Torjägerin vom Dienst, Birgit Prinz (re.), traf im Finale gleich zweimal - vorher war für sie bei der EM das Tor wie vernagelt.

(Foto: Foto: AP)

Behringer ist keine Torhüterin (und schon gar kein Goalkeeper), sie spielt im Mittelfeld der deutschen Nationalmannschaft, und weil sie sah, dass Brown ein paar Meter zu weit vorne stand, versuchte sie einfach mal einen Schuss aus 25 Metern. Kurz danach war der Ball in den linken Torwinkel der Engländerinnen geflogen, Behringers 2:0 bedeutete den schönsten Treffer in diesem Europameisterschaftsendspiel, und alle dachten, die Partie sei entschieden. Aber das war sie nicht.

Tore zum richtigen Zeitpunkt

6:2 (2:1) stand es nach 90 Minuten, die rund 10.000 Zuschauer im Olympiastadion von Helsinki hatten eine teilweise nervenaufreibende Vorführung erlebt, weil die Engländerinnen bei ihrer zweiten Finalteilnahme nach 1984 zweimal zurück ins Spiel fanden. Erst nach dem 5:2 in der 73. Minute durch Inka Grings brach ihr Widerstand. "England ist zweimal zurückgekommen, aber wir haben zur richtigen Zeit die Tore gemacht", sagte Birgit Prinz nach dem Abpfiff. Zum siebten Mal haben die Deutschen das Europaturnier nun gewonnen, der Sieg in Finnland bedeutet den fünften Titel nacheinander. Grings hat ihr Ausbeute-Konto mit zwei Treffern auf sechs Tore in diesem Turnier aufgestockt, so viele Treffer sind zuvor keiner Spielerin bei einer EM-Endrunde gelungen.

Die deutsche Trainern Silvia Neid hatte sich dafür entschieden, die im Halbfinale gegen Norwegen (3:1) nach ihrer Einwechselung starke Simone Laudehr von Anfang an mitspielen zu lassen, Linda Bresonik rutsche auf die linke Abwehrseite, die gegen Norwegen schwache Bianca Schmidt blieb draußen. Natürlich gingen die Deutschen in Besitz der Favoritenrolle in das Finale, von den 16 Vergleichen mit den Engländerinnen vor dem Endspiel gewannen die Deutschen 14, zwei Unentschieden gab es. Trainerin Neid warnte jedoch, die Tagesform werde das Finale entscheiden. Außerdem stellte sie fest: "Die Engländerinnen sind stark im Spiel nach vorne. Zudem sind sie in der Abwehr sehr robust."

Prinz trifft doppelt

Zuletzt trafen sich die beiden Mannschaften in der Gruppenphase der Weltmeisterschaft 2007, 0:0 endete die Partie, und mit 0:0 begann auch am Donnerstag das Finale. Nach vier Minuten aber stand es 1:0 für Deutschland durch ein Tor von Prinz. Für die deutschen Frauen konnte die Partie nicht besser beginnen, als mit der Auflösung dieser kniffligen Personalgeschichte, Prinz hatte noch kein Tor geschossen bei dieser EM, wer aber in zuvor 197 Länderspielen 123 Mal traf, wird bei einem Turnier ohne Tor schnell schief von der Seite angeschaut.

Behringers 2:0 schockte die Engländerinnen nur für ein, zwei Augenblicke, danach beschlossen sie, nicht mehr geschockt zu sein, und organisierten durch Karen Carney den Anschlusstreffer (24.).

England kommt zurück

In der 50. Minute traf Kim Kulig zum 3:1 für Deutschland, sie staubte ab, nachdem Laudehr den Ball an den Pfosten geschossen hatte. Diesmal waren die Engländer zwei, drei Augenblicke geschockt, ehe Kelly Smith nach einem geschickten Carney-Zuspiel die deutsche Verteidigerin Annike Krahn aussteigen lies und den erneuten Anschluss schaffte (55.).

Die Engländerinnen haben eine engagierte Partie gezeigt, lange machten sie es der deutschen Mannschaft schwer, so war es etwas gemein, was der Mannschaft nach dem 4:2 durch Grings (62.) widerfuhr. Die deutschen kombinierten im Angriff nun so, wie sie es gerne schon in den Spielen vorher getan hätten, das Endergebnis lässt Aussagen zu über die Gefahr, die die deutsche Offensivabteilung im Optimalfall verursachen kann, aber nicht über den Zustand der englischen Mannschaft. Grings traf zum 5:2 (73.), und auch Prinz gelang ihr zweiter Treffer - 6:2 (76.). Nach der Partie standen die Deutschen in ihren roten Leibchen am Spielfeldrand und klatschten Beifall, als die Engländerinnen ihre Silbermedaillen umgehängt bekamen. Die Spielerinnen von Trainiern Neid werden am Freitag in Frankfurt erwartet, auch sie haben Medaillen dabei. Goldene.

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