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Fußball-Bundesliga, 1. Spieltag:Ganz der Alte

Meister VfL Wolfsburg hat die 47. Fußball-Bundesliga-Saison mit einem 2:0 (0:0) gegen den VfB Stuttgart eröffnet. Misimovic (71.) und Grafite (82.) erzielten dabei in der ausverkauften Volkswagen-Arena die Tore der ersten Partie.

Man sieht schon von weitem, dass sich die Dinge geändert haben, zumindest ihre Fassade. Die Wolfsburger Glasarena, bisher ein Ort schlichter Eleganz und Farblosigkeit, hat jetzt einen großen Tupfer in rot und weiß genau über dem Haupteingang. Und womöglich hätten das die Gäste vom VfB Stuttgart am Freitagabend als Willkommensgruß in ihren Vereinsfarben missverstanden, stünde da nicht noch in riesigen Lettern: "Willkommen in der Heimat des Deutschen Meisters 2009." Und daneben, weil man jetzt ja so ein richtig internationaler Spitzenklub ist: "Home of the German Champion 2009."

Zvjezdan Misimovic (r.) und Sascha Riether freuen sich über das erste Tor der Saison.

(Foto: Foto: AP)

Die 47. Bundesligasaison hat begonnen - und man hat jetzt diese Botschaft in Wolfsburg, die man gar nicht bunt genug in die Welt leuchten kann. Oder wenigstens rüber in Richtung Bahnhof und Parkplatz des örtlichen Automuseums.

Wenig Änderung

Unten auf dem Rasen, nachdem der Qualm des Saisoneröffnungs-Feuerwerks verzogen ist, hat sich dann allerdings nicht so viel geändert: Da sieht man etwa den immer noch ziemlich bubenhaften Edin Dzeko halblinks nach vorne stürmen, während sich in der Mitte der immer noch ziemlich lokomotivenhafte Grafite in Stellung bringt. Dzeko schießt dann knapp über die Latte, und Grafite trifft wütend gegen den Pfosten, weil er gerne selbst versucht hätte, den Ball ins Gehäuse von Jens Lehmann zu befördern.

Darum geht es ihnen offenbar auch in der Saison eins nach dem Meistercoup: Tore, Tore, Tore! Da war es fast erstaunlich, dass der erste Treffer dieses Spiels, der erste Treffer dieser neuen Saison bis zur 71. Minute auf sich warten ließ. Das Ergebnis war dann aber weniger erstaunlich: Der German Champion ist mit einem 2:0 very standesgemäß in die neue Spielzeit gestartet, und Stuttgarts Nationalspieler Thomas Hitzlsperger klang ziemlich resignativ, als er nachher die kühle Klasse des VfL anerkannte: "Wir haben heute wenige Fehler gemacht und die wurden eiskalt bestraft."

Alt und neu

Immerhin, der Wolfsburger Trainer ist neu: Armin Veh, 48, der Stuttgarter Meistermacher des Jahres 2007. Aber die Profis des VfL sind bis auf eine Ausnahme die gleichen wie in der Erfolgself vom Mai - nur deutlich teurer im Unterhalt. Über Dzeko war kürzlich zu lesen, er verdiene jetzt das Fünffache der vergangenen Saison. "Meisterschaftsaufschlag" hat Armin Veh das Phänomen unter der Woche halb spöttisch, halb achselzuckend genannt: Anders als seinem Vorgänger Felix Magath sieht man dem neuen Mann im Wolfsburger Chefsessel bis heute an, dass er die Millionensummen des modernen Profifußballs schon ein bisschen anrüchig findet.

Wenn Armin Veh, was häufig geschieht, über die Schönheit seiner Heimatstadt Augsburg berichtet, fehlt bei ihm ja auch selten der Hinweis, "dass du die Mieten in München gar nicht mehr bezahlen kannst".

Aber wenn sich der bodenständige Schwabe beim großzügig ausstaffierten VW-Werksklub über eines vergleichsweise wenig Gedanken machen muss, dann über das Bezahlen, und deshalb hat Veh - in seiner Funktion als Manager - sie tatsächlich alle in Wolfsburg gehalten: Dzeko, Grafite, Misimovic, Josué, trotz teils üppiger Angebote der internationalen Konkurrenz. Der algerische Dribbler Karim Ziani von Olympique Marseille war gegen Stuttgart der einzige Neue in Vehs Startformation. Obafemi Martins, der für zehn Millionen bei Newcastle United abgelöste nigerianische Stürmer, nahm nur auf der Bank Platz.

Möglichkeiten im Minutentakt

Beim vergleichsweise runderneuerten VfB Stuttgart vertraute Vehs einstiger Assistent Markus Babbel gleich zum Debüt Pawel Pogrebnjak (Zenit St. Petersburg) und Aliaksandr Hleb (FC Barcelona) - sie haben einen Teil jener 30 Millionen Euro gekostet, die der VfB vom FC Bayern für Mario Gomez gutgeschrieben bekam. Pogrebnjak führte sich mit einem hübschen Hackentrick ein (15. Minute) und vermittelte in der Folge auch eine Ahnung von jener offensiven Wucht, die man sich beim VfB von ihm erwartet. Ein Treffer gelang aber weder ihm noch dem Heimkehrer Hleb. Dem Torerfolg am nächsten kam in der ersten Halbzeit noch Sami Khedira: Sein Kopfball blieb jedoch zwischen dem Pfosten und dem Torwart Diego Benaglio klemmen (16.).

Möglichkeiten hatten beide Teams fast im Minutentakt, einen Dzeko-Schuss lenkte Jens Lehmann so spektakulär zur Ecke, dass er kurz auf die Idee gekommen sein könnte, sich bei Jogi Löw mal wieder als Nachwuchshoffnung fürs WM-Tor ins Gespräch zu bringen. Doch dann überwand ihn erst Zvjezdan Misimovic (71.) per Schlenzer von der Strafraumgrenze, dann Grafite nach einem Solo durchs Stuttgarter Mittelfeld (82.). Löw muss sich also keine Gedanken machen in Sachen Torhüterfrage. Alles bleibt wie es ist.

© SZ vom 8.8.2009/vw
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