Zuschauerrekord Warum der Frauenfußball in Spanien boomt

Volles Haus: Wanda Metropolitano, die Heimstätte von Atlético Madrid.

(Foto: Kiko Huesca/EPA-EFE/REX/Shutterstock)
  • 60 739 Zuschauer: Der Rekord beim Spiel zwischen Atlético Madrid und dem FC Barcelona verdeutlicht den Boom in Spaniens Frauenliga.
  • Das Interesse an der Liga wächst seit Jahren - auch, weil von vermögenden Männerklubs mehr investiert wird.
  • Zehn Spiele der Frauenliga werden in dieser Saison in Männerstadien ausgetragen, sonst wäre nicht genug Platz für alle Zuschauer.
Von Anna Dreher

Ein paar Sitzplätze in diesem sehr großen Stadion waren schon noch frei. Aber die waren nicht mehr entscheidend bei so vielen Menschen. Am Sonntag spielte der FC Barcelona bei Atlético Madrid, und das Wanda Metropolitano war sehr gut besetzt: 67 829 Zuschauer passen hinein, 60 739 waren gekommen. Und das war ein Rekord. Denn die Stars des Abends hießen nicht Lionel Messi oder Antoine Griezmann, sie hießen Lieke Martens und Amanda Sampedro. Die Fußballerinnen der spanischen Topklubs trafen im Spitzenspiel der Primera División aufeinander, vor außergewöhnlicher Kulisse.

"Das ist ein unvergesslicher Tag für uns auf so einer Bühne", sagte Silvia Meseguer danach. Weil Barcelona durch Tore der Nigerianerin Asisat Oshoala (65. Minute) und der Engländerin Toni Duggan (80.) gewann und den Abstand in der Tabelle auf drei Punkte verkürzte, beschrieb die Mittelfeldspielerin von Atlético ihre Gefühlslage als bittersüß. Das Süße aber überwog. So viele Menschen waren weltweit noch nie im Stadion bei einem Ligaspiel im Frauenfußball. 2018 schauten sich 51 211 Zuschauer die Partie zwischen den mexikanischen Klubs Monterrey und Tigres an. Die bis Sonntag meisten Zuschauer aber hatte ein Spiel vor 99 Jahren, als am Boxing Day 53 000 Menschen in den Liverpooler Goodison Park strömten, um sich die Kerr's Ladies gegen die St. Helen's Ladies anzuschauen. Womöglich wären solche Zahlen heute normal, hätte der englische Fußballverband den Frauen 1921 nicht verboten, weiter auf seinen Plätzen zu spielen und somit das Interesse abrupt gestoppt.

Frauenfußball Über 60 000 Zuschauer sehen Atlético gegen Barcelona
Rekord im Frauenfußball

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Das Match im Madrider Estadio Metropolitano erlebt eine Weltrekordkulisse. Noch nie zuvor haben sich so viele Menschen ein Liga-Spiel im Frauenfußball angesehen.

Aber so sticht nun der spanische Frauenfußball mit seinen Zuschauerzahlen heraus. Das Interesse an der Liga wächst seit Jahren, auch, weil von vermögenden Männerklubs mehr investiert und Aufmerksamkeit generiert wird. Frauenfußball ist in Spanien ein Publikumssport, der Fans im höheren vierstelligen und fünfstelligen Bereich anzieht und regelmäßig im Fernsehen übertragen wird, auch dort unter regem Interesse - Sphären, von denen andere Ligen träumen. Zehn Spiele der Frauenliga werden in dieser Saison in Männerstadien ausgetragen, sonst wäre nicht genug Platz für alle: Das Stadion von Atléticos Fußballerinnen fasst nur 3500 Zuschauer.

In der deutschen Bundesliga sind 12 464 Zuschauer wie 2014 in der Partie zwischen dem VfL Wolfsburg und dem 1. FFC Frankfurt die Ausnahme. Spiele des Meisters VfL haben sich in dieser Saison bisher durchschnittlich etwa 1600 Zuschauer angeschaut, Spitzenwert in der Liga. Zu den Spielen der englischen Women's Super League kamen laut Guardian vorige Saison durchschnittlich 953 Zuschauer. Manchester City lockte in der Runde zuvor im Schnitt 2000 Fans an. Wobei auch der Frauenfußball in England aus den selben Gründen wie in Spanien an Zulauf gewinnt. 2018 kamen 45 423 Fans ins Wembley-Stadion, um sich das Finale im FA Women's Cup zwischen Chelsea und Arsenal anzusehen. Eine beeindruckende Zahl - in diesem Jahr aber auch von Spanien überboten: Zum Pokal-Viertelfinale zwischen Athletic Bilbao und Atletico Madrid kamen 48 121 Besucher, schon das war ein Europarekord für ein nationales Vereinsmatch im Frauenfußball.

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