Formel-1-Weltmeister siegt in Malaysia:Schwere Vorwürfe an Sebastian Vettel

F1 Grand Prix of Malaysia

Uneinige Teamkollegen: Mark Webber (links) und Tagessieger Sebastian Vettel.

(Foto: Getty Images)

Der Weltmeister macht ernst: Durch ein irres Manöver überholt Sebastian Vettel seinen Teamkollegen Mark Webber - und gewinnt den Grand Prix von Malaysia. Bei Red Bull fallen anschließend deutliche Worte. Vettel entschuldigt sich kleinlaut.

Von Carsten Eberts

Christian Horner war in großer Sorge um seine Fahrer. "Das ist dumm, Seb, komm' schon", funkte der Teamchef von Red Bull verzweifelt, seine Worte galten Sebastian Vettel. In der 46. Runde lag Mark Webber vor Vettel, die beiden Teamkollegen auf Platz eins und zwei. Webber wurde bereits angewiesen, etwas Motorleistung zu sparen. Das Rennen war eigentlich gelaufen.

Doch Vettel wollte mehr. Er griff Webber beherzt an, von links und von rechts, drängte den Australier leicht ab, wenn auch im Bereich des Erlaubten. Teamchef Horner schloss die Augen, dann war Vettel durch: Es war das entscheidende Duell des Renntages. Und Vettel gewann den Grand Prix von Malaysia.

Schon vor der Siegerehrung warf Webber dem Weltmeister vorwurfsvolle Blicke zu. Vettel verstand: "Ich habe einen Fehler gemacht und möchte mich entschuldigen", erklärte er kleinlaut: "Ich sehe, Mark ist sauer. Er wollte das Auto und die Reifen schonen, ich hätte meinen Platz halten sollen. Ich bin ein großes Risiko eingegangen, um ihn zu überholen."

Webber, der sicher als Zweiter ins Ziel kam, sagte nur: "Ich war in einer Situation, in der ich das Rennen kontrollieren konnte. Seb hat am Schluss seine eigene Entscheidung getroffen. Das macht er immer so." Den Vorwurf, auf der Strecke ein Egomane zu sein, hörte der Weltmeister nicht zum ersten Mal.

Den Start hatte Vettel - auf nasser Strecke - noch souverän gewonnen. Von hinten schoss Fernando Alonso heran, Vettel parierte den Angriff jedoch. Der Überraschungszweite nach dem Qualifying, der Brasilianer Felipe Massa, fiel einige Plätze zurück. Schon nach sechs Runden kam Vettel an die Box, tauschte die Intermediates gegen Trockenreifen ein.

Es war der Moment, in dem zunächst Webber das Rennen übernahm - und das Geschehen vorerst diktierte. Die nominelle Nummer zwei von Red Bull führte das Rennen an, ohne allergrößtes Risiko zu gehen. Verkürzte Vettel seinen Rückstand, legte auch Webber scheinbar mühelos zu.

Verkorkster Tag für Alonso

Bis zur 44. Runde: Vettel kam nach dem letzten Boxenstopp nur wenige Meter hinter Webber zurück auf die Strecke. Webber hatte vom Teamchef gerade vernommen, er solle das Rennen kontrollieren, die Motorleistung nicht ganz ausschöpfen. Doch Vettel griff beherzt an. Webber parierte noch, eine Runde, zwei Runden lang. Horners Puls stieg in bedrohliche Höhen. Dann tauchte Vettel direkt neben Webber auf - beide führten kurzzeitig. Bis Vettel vorbeizog.

Glücklich war der Teamchef mit der Leistung seines Spitzenfahrers nur bedingt. "Sebastian hat die Entscheidung alleine getroffen", urteilte Horner: "Er hat sein eigenes Interesse über das des Teams gestellt." Der Weltmeister zog schnell davon. "Es ist schön, schon zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison Punkte zu holen", erklärte Vettel. In der letzten Saison war dies gewiss anders. Vielleicht eine Erklärung dafür, weshalb Vettel unbedingt gewinnen wollte.

Hinter den beiden Red Bulls behauptete Lewis Hamilton Platz drei gegen seinen Teamkollegen Nico Rosberg. "Das ist zu langsam", schimpfte Rosberg mehrfach auf der Strecke und wollte, dass Hamilton ihn vorbeilässt. Doch Hamilton wollte seinen ersten Podestplatz für Mercedes unbedingt. Noch ein brisantes, teaminternes Duell.

Einen verkorksten Renntag erlebte indes Fernando Alonso. Beim Start griff er Vettel an, berührte den Weltmeister, beschwerte sich später über Vettels Fahrweg in der Kurve. Erst fuhr Alonso mit einem hängenden Frontflügel weiter. Kurz darauf fiel der Flügel ohne Fremdeinwirkung ganz ab. Für Alonso war der Grand Prix früh vorbei.

Schlecht lief das Rennen auch für Adrian Sutil. Schon in der 29. Runde musste er seinen Force India abstellen - wegen technischer Probleme. Schon zuvor hatte das Team beim Reifenwechseln immense Probleme: Sutil stand bei seinem zweiten Stopp über eine Minute an der Box.

An anderen Tagen wäre die Rekordstandzeit dieser Saison sicher ein Aufreger gewesen. Diesmal bestimmten andere Teams die Debatten. Allen voran Red Bull um Sebastian Vettel.

Endergebnis:

1. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull 1:38:56,681 Std.

2. Mark Webber (Australien) Red Bull + 4,298 Sek.

3. Lewis Hamilton (England) Mercedes + 12,181

4. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes + 12,640

5. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari + 25,648

6. Romain Grosjean (Frankreich) Lotus + 35,564

7. Kimi Räikkönen (Finnland) Lotus + 48,479

8. Nico Hülkenberg (Emmerich) Sauber + 53,044

9. Sergio Perez (Mexiko) McLaren Mercedes + 1:12,357.

10. Jean-Eric Vergne (Frankreich) Toro Rosso + 1:27,124.

© Süddeutsche.de/lala
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB