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Formel 1:Wer ist der beste Rennfahrer der Geschichte?

Schumacher ist der kompletteste Fahrer, Prost der Professor, Senna der Unberechenbare: Welchen Platz Lewis Hamilton unter den Legenden der Formel 1 hat - und was er von ihnen gelernt hat.

Von Elmar Brümmer

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Lewis Hamilton

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Quelle: AP

Der Reporter im Mercedes-Pavillon am Circuit of the Americas hört 2019 einfach nicht auf zu zählen: "...sechs, sieben, acht, neun, zehn." Lewis Hamilton ist derjenige, der sagen soll, bei wie vielen Formel-1-Weltmeisterschaften er denn stoppen wolle. Der Brite wirkt fast verlegen, als er antwortet: "Man, hör' auf. Ich weiß es doch nicht, man." Vor einem Jahr machte er in den USA den sechsten Titel klar, 2020 war nun in Istanbul Titel Nummer sieben dran, sein vierter Titel in Serie.

Hamilton ist der Fahrer des Jahrzehnts - mit seinem siebten Titel zieht er nun mit Michael Schumacher gleich. Schon mehrmals hat Hamilton klar gemacht, es reich ihm nicht, Schumis Rekord einzustellen, er will den Rekordweltmeister auch übertreffen. Ist Hamilton schon jetzt der beste Fahrer der Geschichte? Ein Überblick über historische Größen der Formel 1.

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Michael Schumacher

Autodromo Nazionale di Monza

Quelle: Gero Breloer/dpa

Lewis Hamilton ist ein stiller Bewunderer des deutschen Rennfahrers, er nimmt von allen aktuellen Formel-1-Fahrern vielleicht am meisten Anteil im Schicksal des Kerpeners nach seinem tragischen Skiunfall. Intuitiv hat er dabei eine der wichtigsten Fähigkeiten von Deutschlands erstem Formel-1-Champion übernommen, und definiert sich nicht bloß als Solist in seinem Team, sondern als echter Mannschaftskapitän. Der Rekordweltmeister verändert Ende des vergangenen Jahrtausends das komplette Berufsbild des Rennfahrers, professionalisiert es sogar erst richtig. Die Hamiltons, Alonsos, Vettels haben sich nach dem Lehrbuch des heute 51-Jährigen entwickelt. Außer Senna polarisiert sonst kaum ein Pilot dieser Güte so wie Schumacher, der seine wahren Emotionen öffentlich (zu) oft verbirgt. Mit einer Gnadenlosigkeit, die seiner puren Willenskraft entsprungen ist, bricht er aller Rekorde. In Italien verehren sie ihn noch heute als "Michaelangelo", in China vergleichen sie ihn liebevoll mit einem Drachen, die Briten respektieren ihn als "Schuey". Immer noch gilt er als der "kompletteste" aller Formel-1-Fahrer.

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Juan Manuel Fangio

FANGIO UND SCHUMACHER FÜNFFACHE WELTMEISTER

Quelle: DPA

"El Chueco", den Krummbeinigen, haben sie den Argentinier gerufen. Dafür hat er aber eine ziemlich gerade Ideallinie hingelegt, im ersten Jahrzehnt der Formel 1 fünf Titel mit vier verschiedenen Marken geholt, auch für Mercedes. Begonnen hat die Leidenschaft mit einem Juxrennen in einem betagten Taxi, beschleunigt wird die Karriere dann im zigarrenförmigen Einsitzer. Dabei verkörpert Fangio auch von Anfang an den Lebemann, aber das mehrt seinen Ruf in der PS-Branche noch - bei Hamiltons vielen großen Auftritten außerhalb der Rennstrecken ist das heute kaum anders. Fangios Serie zeugt von einer Besessenheit für den Motorsport, was wohl auch damit zu tun hat, dass er erst mit 40 beginnt, die Königsklasse zu erobern. Können, Präzision und taktisches Geschick bestimmten seinen Weg an die Spitze. Vor allem aber definierte sich Fangio, der 1995 im Alter von 84 Jahren stirbt, immer wieder über einen unbändigen Ehrgeiz, der vielleicht wichtigsten aller Champion-Tugenden.

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Alain Prost

Lauda Prost

Quelle: imago sportfotodienst

Neben den vier WM-Siegen ist der Spitzname Professor der fünfte Titel, den der Franzose Alain Prost trägt. Ein kleiner, zäher, bisweilen wilder Mann hinter dem Steuer. Dabei immer berechnend in seinem Tun, und zumeist auch fair, nimmt man mal die Dispute mit seinem Dauerrivalen Ayrton Senna aus. Das ist die wohl härteste Konfrontation, die es bislang unter Teamkollegen in der Formel 1 gegeben hat, auch eine Champions League der Intrigen. Prost ging aus diesem Duell als der (etwas) Besonnenere hervor. Es gibt Experten, die bis heute behaupten, dass seit ihm niemand mehr eine so gute Fahrzeugabstimmung hinbekommen hat, und schon gar nicht so zuverlässig. Lewis Hamilton, zu Karrierebeginn eher ein Nicht-Techniker, hat sich auch daran ein Beispiel genommen. Das geht nur mit zäher Geduld und einer ungeheuren Akribie. Es ist der Versuch, die Fähigkeiten des Rennwagens den eigenen anzupassen, und damit zu einer menschlich-technischen Einheit zu werden. Prost ist derjenige unter den großen Champions, der durch sein großes Fahrgefühl einen Vorteil genießt.

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Sebastian Vettel

F1 Grand Prix of USA - Practice

Quelle: AFP

Ein Schumacher-Poster im Jugendzimmer an der Bergstraße, ein Aufkleber von Red Bull auf dem Go-Kart - zwei ausgesprochen wichtige Bestandteile im Werdegang des vierfachen Champions. Michael Schumacher ist längst vom Vorbild zum Freund geworden, Sebastian Vettel hat schnell die Vergleiche vom "Baby-Schumi" hinter sich gelassen.

Deutschlands zweiter Formel-1-Champion versuchte in dieser Saison allerdings wieder vergebens, seinen fünften Titel und den ersten mit Ferrari zu holen. Aufgeben will der 33-Jährige trotzdem noch nicht, in der kommenden Saison fährt er für Aston Martin. Der Heppenheimer ist wahrscheinlich derjenige in der Königsklasse, der nach Fangio den größten Ehrgeiz hat, verbissener noch als Schumacher, Hamilton oder der stolze Fernando Alonso. Erst mit der Zeit hat er Ecken und Kanten entwickelt. Vettel pflegt ein sehr intensives Verhältnis zu seinem Sport, und er ist jemand, der es für völlig normal hält, sich Erfolg hart erarbeiten zu müssen. Das eint ihn im Werdegang mit Hamilton. Im Fußball würde man sagen: einer, der über den Kampf ins Spiel findet.

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Ayrton Senna

Ayrton Senna

Quelle: dpa

Auf der Kartbahn muss Lewis Hamilton einen gelben Helm tragen, damit Papa Anthony auf den ersten Blick immer erkennen kann, wo der Sohnemann im Rennen liegt. Gelb, wie die Senna-Farbe. Das Spirituelle verbindet den Draufgänger der Neunziger und den Champion der Neuzeit. Beide ausgestattet mit der unvergleichlichen Fähigkeit, alles was sie haben, in eine schnelle Qualifikationsrunde zu legen. Dem Brasilianer vergisst darüber manchmal sogar zu atmen. Hamilton hat inzwischen diese Synchronisation und Konzentration perfektioniert wie kein anderer, kommt als Rekordhalter auf 97 Pole-Positionen und übertrifft sein Idol (65 Poles) damit weit. Rücksichtslosigkeit gegen sich selbst und andere ist sicher auch ein Teil der Erfolgsgeschichte des Brasilianers, nicht nur als Teamkollege ist er einer der unangenehmsten Gegner auf der Rennstrecke. In Kombination mit seiner fahrerischen Virtuosität und einer hohen Unberechenbarkeit führt das zu einem Ruhm, der durch den tragischen Unfalltod von Imola 1994 ins Mythische gesteigert wird.

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Jackie Stewart

Jackie Stewart

Quelle: Kay Nietfeld/dpa

Ein cooler Typ, würde man heute sagen, neben dem tragisch ums Leben gekommenen Österreicher Jochen Rindt ist der Schotte der erste Popstar der Formel 1, und damit ein früher Vorgänger der Modeikone Lewis Hamilton. Es sind die wildesten und auch gefährlichsten Jahre der Königsklasse, in denen Stewart zum Maßstab und zum Klassensprecher für die Sicherheit wird. Der inzwischen 81-Jährige Legastheniker ist der geschäftstüchtigste unter den Piloten der siebziger Jahre. Er hat private Sponsorenverträge, die noch heute laufen und sieht sich in einer Botschafterrolle für seinen Sport (und immer auch ein bisschen für sich selbst). Ein purer Instinktmensch, auch auf der Rennstrecke. Allerdings einer, der wie sein ums Leben gekommener Landsmann Jim Clark stets einen sehr sauberen Fahrstil an den Tag legt. Dazu eine ziemliche Konsequenz: Nach nur 99 Rennen hört er auf, das 100. fährt er aus Respekt für seinen verunglückten Kollegen Francois Cevert nicht mehr, da steht er aber schon als Weltmeister fest. Nicht mal seine Gattin Helen weiß von den Absichten ihres Mannes.

© SZ.de/dsz/sonn

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