Formel 1 in Bahrain Drama, Pech und ein glücklicher Weltmeister

Charles Leclerc, hier im roten Ferrari, ärgerte sich spät in Bahrain. Er wurde einfach immer langsmer.

(Foto: REUTERS)
  • Beim Grand Prix in Bahrain kommt es zu einem aufregenden Rennen: Ferrari-Fahrer Charles Leclerc ist lange der Schnellste, doch dann hat er Pech und wird immer langsamer.
  • Lewis Hamilton gewinnt, während Sebastian Vettel ein Dreher unterläuft.
Von Philipp Schneider

Die Welt um Sebastian Vettel begann zu kreisen. Er kennt das Gefühl inzwischen. Aber an diesen Dreher, in genau diesem Rennen, dürfte sich Vettel noch sehr lange erinnern. Weil dieser Grand Prix in der Wüste von Bahrain einer der denkwürdigsten in der Karriere des viermaligen Weltmeisters war. Eine Zäsur.

Es lief die 38. Runde, Lewis Hamilton war gerade an Vettel vorbeigerollt und plötzlich drehte sich Vettels Ferrari um 180 Grad. Ein Kontakt war nicht zu sehen. Hamilton fuhr weiter. Mal wieder. Und dann fiel auch noch der Frontflügel am Ferrari ab. Vettel musste noch einmal an die Box, er war nun nur noch Neunter. Doch der Gedanke, der ihn in diesem Moment am meisten umgetrieben haben dürfte, war nicht der Dreher, war nicht das Pech.

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Welch ein Drama: Erst leistet sich Sebastian Vettel einen Dreher, dann wird Charles Leclerc auf Siegkurs liegend immer langsamer - Profiteur ist der Weltmeister.

Viel schlimmer war die Erkenntnis: Gewonnen hätte er das Rennen ohnehin nicht. Er war chancenlos gewesen im Zweikampf mit Charles Leclerc. Seinem noch sehr frischen Teamkollegen, einem 21-jährigen Monegassen, der beinahe schon nach seinem zweiten Rennen im Ferrari Schampus verspritzte hätte. Er war klar der Schnellste gewesen in Sakhir, hätte gewonnen. Wäre ihm nicht 15 Runden vor Schluss die Kraft seines Motors entschwunden. "Was passiert hier?", rief er in sein Mikrofon. "Da ist was mit dem Motor!".

Und so rollte Hamilton vorbei am wehrlosen Ferrari und winkte in Richtung von Leclerc eine Geste der Entschuldigung. Auch Valtteri Bottas im zweiten Mercedes überholte. Dass Max Verstappen im Red Bull nicht auch noch vorbeifuhr, das lag allein daran, dass in den letzten Minuten dieses Rennens wegen einer Safety-Car-Phase Überholverbot herrschte. Vettel wurde Fünfter, nach Platz vier in Melbourne. Aber die unglaubliche Geschichte dieses Rennwochenendes schrieb der junge Leclerc auf Platz drei. Niemand konnte ihn stoppen. Außer seiner Technik.

Normalerweise dauert es eine Weile, bis ein talentierter Fahrer so richtig Fahrt aufnimmt nach einem Wechsel in eines der besten Teams. In der Regel findet er im neuen Rennstall eine Hierarchie vor, in der er sich zunächst unterzuordnen hat. Und für gewöhnlich erfordert es etwas Geduld, ehe sich ein junger Rennfahrer an das neue Auto und die Abläufe im Team gewöhnt hat. Der letzte Fahrer, der nach seinem Aufstieg glaubte, keine Hierarchie vorgefunden zu haben und der auch sofort schnell war, das war Lewis Hamilton. 2007 zog der damals 22-Jährige in die Garage neben dem zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso. Gleich in seinem ersten Rennen überquerte er hinter Kimi Räikkönen und Alonso die Ziellinie. Im Jahr darauf wurde Hamilton Weltmeister und zwischen ihm und Alonso gab es unentwegt Zoff.

So muss es bei Ferrari nicht kommen.

In seinem ersten Rennen für die Scuderia hatte sich Leclerc schön brav an die Anweisungen von Teamchef Mattia Binotto gehalten. Als er gegen Rennende mit Geschwindigkeitsüberschuss aufgefahren war auf den vor ihm lahmenden Vettel. Leclerc hielt die Position.

Dann, zwei Wochen später in Bahrain: ein völlig anderes Bild. Die Ferraris liefen plötzlich wieder am schnellsten. Und Leclerc, der ja nun erstmals bei einem Rennen in einem wettbewerbstauglichen Auto saß, ließ den Hammer fallen. In zwei von drei Trainingseinheiten war er schneller als Vettel, dann auch noch in allen Abschnitten der Qualifikation. "Seb ist ein außergewöhnlicher Fahrer, und ich habe eine Menge von ihm gelernt", säuselte der charmante Monegasse. Allerdings sei er schon happy, dass er vor Vettel stehe.

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"Es dreht sich alles um den Start, darauf konzentriere ich mich", kündigte Leclerc am Sonntag an, bevor die Ampel ausging. Die über allem schwebende Frage lautete: Würde ihn Ferrari noch zurückpfeifen? Dass er die Qualifikation gewinnen durfte, war ja das eine. Aber durfte er auch schon ein Rennen gewinnen?

"Charles darf so schnell sein wie er will", sagte Binotto. "Er darf versuchen, sich die Pole zu holen. Er darf versuchen, in Führung zu bleiben - und wir werden auch nicht versuchen, ihn zu stoppen." Der Kurs in der Wüste von Bahrain ist speziell. Oft weht ein scharfer Wind, trägt reichlich Sand auf den Asphalt. So auch am Sonntag. Vor allem am Ende der vierten Kurve, einer scharfen Rechtsbiege, bläst es so heftig, dass es den Fahrern vorkommt, als würde einer mit dem Vorschlaghammer am Auto rütteln. Bis zur ersten Kurve sind es 346 Meter. 346 Meter, die sich für Leclerc angefühlt haben dürften wie ein Marathonlauf.