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Mick Schumacher bei Ferrari:Kommt das alles zu früh? Oder genau rechtzeitig?

Mick Schumacher

Formel-2-Pilot Mick Schumacher darf vorerst nur als Testfahrer ins Formel-1-Cockpit.

(Foto: Kamran Jebreili/dpa)
  • Mick Schumacher darf erstmals für Testfahrten ins Ferrari-Auto steigen.
  • Über allem schwebt die Frage: Wie viel Talent des Vaters steckt im Sohn?
  • Lob gibt es bereits von Sebastian Vettel.

Angst? Ach was, sagt Michael Schumacher, Angst doch nicht. Das sei das falsche Wort. Respekt, klar, den habe er schon gespürt, als er zum ersten Mal in einem Formel-1-Cockpit gesessen hat. "Aber wer Angst hat und sich in so ein Auto setzt, der kann ja nicht schnell fahren." Und weil - das klingt da mit - es im Leben darum geht, schnell zu fahren, kann man ja gar keine Angst haben. Ist doch logisch.

Ein Fernsehstudio Anfang der Neunziger. Das Studio sieht aus, wie Studios heute nicht mehr aussehen. Ähnliches gilt für den Moderator. Im Studio haben sie einen riesigen Pappaufsteller mit der Aufschrift "Hockenheimring" errichtet, der im Bildhintergrund in Endlosschleife blinkt wie Weihnachtsbeleuchtung an den Häusern einer amerikanischen Vorstadt. Der Moderator trägt eine hellbraune Cordhose, dazu einen dunkelbraunen Pullover und eine Brille mit Gläsern so groß wie Tischtennisschläger. Er tastet sich vorsichtig ran an den jungen Rennfahrer, der erst sechs Rennen in der Formel 1 gefahren ist. Der da vor ihm sitzt und sich so ungewöhnlich präzise artikuliert. Und dem es sich ja nun nicht an seinen schmalen Schultern ansehen lässt, dass er mal der erfolgreichste Fahrer der Formel-1-Geschichte werden, dass er sieben Weltmeisterschaften gewinnen wird.

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"Wie macht man das überhaupt? Dass man gleich mitfahren kann mit den Sennas und Prosts und Alesis und Mansells?" Och, sagt Schumacher. "Ich muss überraschenderweise sagen, ich war sehr ruhig, sehr relaxt zu dem Zeitpunkt. Ich war deshalb so ruhig, weil mir die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt das richtige Auto zur Verfügung gestellt haben."

Die richtigen Leute. Das richtige Auto. Der richtige Zeitpunkt. Darum geht es in der Formel 1. Darum ging es 1991 bei Michael Schumacher. Und darum geht es auch bei dessen Sohn Mick Schumacher, 28 Jahre danach.

Schumacher sammelt Daten für Vettel

Der Vater fuhr seine ersten Runden 1991 in Silverstone und ziemlich bald sein erstes Rennen in Spa-Francorchamps. Die Gelegenheit ergab sich halb zufällig, halb forcierte sie Schumachers schlauer Manager Willi Weber, und das ging so: Der Jordan-Pilot Bertrand Gachot saß plötzlich im Gefängnis. Angeblich hatte er einen Taxifahrer mit Reizgas attackiert. Die Fahrerkollegen in der Formel 1 ließen sich T-Shirts bedrucken mit dem Aufdruck "Lasst Gachot frei" und trugen sie auch, aber es half ja nichts. Eddie Jordan brauchte Ersatz. Er fand Schumacher. Nachdem er sich bei Weber erkundigt hatte, ob der damals 22-jährige Fahrer überhaupt schon mal auf der anspruchsvollen Strecke in Belgien gerollt sei.

Aber sicher, sagte Weber. Schumacher komme ja aus Kerpen, er wohne nicht weit entfernt von den Ardennen, schon hundertmal sei er in Spa gefahren. Das war eine Lüge. Noch nie war Schumacher in Spa gefahren. Aber der Zeitpunkt war gut. Dachte Weber. Und bewies dann Schumacher.

Sein Sohn testet nun auf der Wüstenpiste in Bahrain. Am kommenden Dienstag, zwei Tage nachdem ihn Sebastian Vettel nach der Zieldurchfahrt des Großen Preises abgestellt haben wird, darf Mick Schumacher zum ersten Mal in seinem jungen Leben in einem Ferrari kreisen. Er wird für Vettel und die Ingenieure Daten sammeln. Und am Tag danach testet er noch einmal, in einem Alfa Romeo, einem der Kundenteams von Ferrari. Kommt das alles ein bisschen zu früh? Oder genau rechtzeitig?

20 Jahre alt ist Mick Schumacher. Zwei Jahre jünger als damals sein Vater. Ein Jahr jünger als Vettels neuer Teamkollege Charles Leclerc. In Bahrain ist Mick Schumacher hauptsächlich, weil er am Wochenende in seine erste Saison in der Nachwuchsserie Formel 2 startet. Im vergangenen Jahr erst hat er die Formel-3-Europameisterschaft gewonnen. Danach ist er aufgestiegen in die nächsthöhere Klasse. Und er ist gleich aufgenommen worden in die Akademie der Scuderia Ferrari.