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Formel 1:Beim Saisonauftakt überraschte die hohe Ausfallquote

Wenn man die Fahrzeuge besser versteht, müssten sie besser und schneller werden. Schöne Theorie. Zumindest wissen die Ingenieure was warum nicht funktioniert hat. Wiedergutmachung oder Revanche werden durch den Not-Kalender im Eiltempo ermöglicht. Das tut auch not, denn beim Saisonauftakt kamen nur elf von 20 Autos in Ziel, die höchste Ausfallquote seit 2008. Bei aller Chance fährt vor allem die Angst mit, selbst bei Gastgeber Red Bull, der vor Wochenfrist eine Nullnummer abgeliefert hat.

Die Kapriolen ergeben ganz neue Konstellationen, nichts ist mehr festgefahren - das erhöht die Attraktivität für die Zuschauer beim Bergrennen. Aber wie kann technisches Bangen überhaupt möglich sein in einer minutiös durchgetakteten Welt, in der hochgezüchtete Technik die Rennwagen angeblich eine Million Euro teuer macht? Vor 30 Jahren waren Ausfallerscheinungen normal, aber mit Einführung der Elektronik sank die Quote des Versagens rapide, die meisten Schäden waren nur noch Versehen oder Renn-Pech. Im letzten Jahr sahen im Schnitt 17 von 20 Fahrern die Zielflagge.

Vettel bringt seinen Standardsatz

Jetzt wächst nicht nur der Wunsch nach besseren Resultaten, sondern auch nach mehr Stabilität: "Zwei Rennen in Folge auf einer Strecke ist neben allem anderen in diesem Sommer nochmal ungewöhnlicher. Aber für mich bietet sich eine Chance, es besser zu machen als letzten Sonntag", sagt Sebastian Vettel, "was wir dabei gelernt haben, könnte nützlich sein." Eilig ist in Maranello auf Anweisung von Ferrari-Chef Louis Camilleri die Teileproduktion hochgefahren worden: "Wir mussten sofort auf die schlechten Startpositionen von letzter Woche reagieren. Deshalb bringen wir heute an die Rennstrecke was für morgen geplant war." Der Manager verspricht auch: "Bei Ferrari werden die Ärmel hochgekrempelt. Wir stellen uns der Situation und heulen nicht." So richtig Wirkung gezeigt haben die aerodynamischen Änderungen bislang nicht. Vettel konnte nach der Qualifikation seinen Standardsatz abrufen: "Wir waren einfach nicht schnell genug."

Unter den vielen willkommenen Unwägbarkeiten beim Geister-Rennen ist die Anfälligkeit der Autos natürlich eine unerwünschte. Plötzlich reichen die österreichischen Randsteine, um sogar die Perfektionisten bei Mercedes in die Bredouille zu bringen. "Wir hatten Glück, dass wir überhaupt ins Ziel gekommen sind", gesteht Teamchef Toto Wolff im Rückblick über den Auftaktsieg von Valtteri Bottas, "die Zuverlässigkeit hat uns einige Sorgenfalten bereitete. In einer kürzeren Saison mit einer noch nicht bestimmten Anzahl an Rennen kommt es auf jeden Punkt an." Damit Getriebe und Sensoren durch die Vibrationen nicht wieder drohen verrückt zu spielen, wurden in der Rennfabrik in Brackley neue, stabilisierende Teile gefertigt und nach Österreich gebracht. Ein Kabelbaum wurde als größter Risikofaktor ausgemacht. Wolff warnt trotzdem: "Da zwischen den beiden Rennen nur wenige Tage liegen, gibt es noch immer viele Unbekannte." Die generelle Demut steht der Formel 1 aber ganz gut zu Gesicht.

Die Bremsen bei Haas, die Motoren von Honda, die Aerodynamik von Ferrari - hier knirscht was, da zickt es noch, die Temperaturen und die Luft auf 680 Metern Höhe werden unbekömmlich. Die kurze, hügelige Piste von Spielberg galt mit ihren 72 Prozent Vollgasanteil und brutalen Bremspunkten schon immer als materialmordend, hinzu kommt die lange Corona-Zwangspause in den Rennfabriken. Die Abläufe sind empfindlich gestört, viele Teams befinden sich in einer technischen Aufholjagd, sind andererseits angehalten zu sparen. Eine Gratwanderung. Dazu kommt die Nervosität, die unter der zur Schau gestellten Coolness zunehmend wächst. So viel flächendeckender Druck war zu Beginn einer Saison selten.

© SZ.de/sonn
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