Formel 1: Michael Schumacher:"Ein viel härteres Jahr als erwartet"

Acht Monate nach seiner Rückkehr in die Formel 1 muss sich der siebenmalige Weltmeister mit einer mäßigen Saisonbilanz auseinandersetzen. Doch Schumacher will kämpfen.

Elmar Brümmer

Die Zukunft von Michael Schumacher in der Formel 1 ist nicht bloß Silber. Es gibt sie in vielen Farben, und sie lässt sich in alle Richtungen drehen. Es sind so viele bunte Linien, die ihm beim Besuch der Mercedes-Rennfabrik im mittelenglischen Brackley entgegenleuchten, dass sich darunter doch einfach eine Ideallinie befinden muss. Eine, die möglichst schnurstracks den Weg aus dem Mittelfeld heraus zeigt, in dem sein Comeback steckengeblieben ist. Aber noch handelt es sich nur um Animationen und Simulationen auf Computerbildschirmen, die den Silberpfeil des kommenden Jahres zeigen.

Formel 1 - GP Japan - Schumacher

"Einen Erfolg wie mit Ferrari gibt es nicht kurzfristig. Dort haben wir fünf Jahre gebraucht, ich hoffe, dass ich es mit Mercedes schneller schaffe." - Michael Schumacher gibt sich nachdenklich.

(Foto: dpa)

Die Zahlen der aktuellen WM-Tabelle weisen vor dem Großen Preis von Japan an diesem Sonntag in Suzuka lediglich 46 WM-Punkte für den Rückkehrer aus. Hämisch rechnet der Branchendienst Formula Money vor, dass der zehnte Rang, den Schumacher damit belegt, Mercedes 5,98 Millionen Euro gekostet haben soll, während Nico Rosbergs 122Zähler nur ein Drittel so teuer waren. Das öffentliche Vorrechnen hat begonnen, für viele ist es auch eine willkommene Abrechnung: Was ist Schumacher nach drei Jahren Pause und acht Monaten Fahrpraxis noch wert?

"Ich habe immer das Langzeit-Projekt gesehen"

Seine jüngste Stippvisite in der Silberpfeil-Werkstatt hat viel mit diesem Marktwert zu tun. Wenn er besser werden will, braucht er ein besseres Auto. Rosbergs siebter Rang ist ebenfalls nicht das, was man sich in Stuttgart-Untertürkheim von Schwarz-Rot-Silber erwartet hat. Jetzt, da die Sternfahrer nur noch Statisten im Titel-Fünfkampf sind, die künftige Konkurrenz aber bis über beide Ohren mit der Form ihrer aktuellen Rennwagen beschäftigt ist, muss das Ensemble um Teamchef Ross Brawn im Zeitvorsprung seine entscheidende Chance auf Besserung suchen.

2008 hat das Brawn schon einmal so gemacht: Er schrieb das Jahr früh ab, um 2009 mit einem großen Konstruktionswurf den Titel einzufahren. Dass dieser erst im vorletzten Rennen gesichert werden konnte, beeinträchtigte allerdings die Entwicklung für 2010.

"Es war ein viel härteres Jahr, als wir erwartet haben", gesteht Schumacher in Suzuka auf die zum wiederholten Mal gestellte Frage, wie groß seine Motivation sei, überhaupt weiterzufahren. Der 41-Jährige hatte zwar schon nach den Testfahrten im Februar das begrenzte Potential seines Rennwagens erkannt, aber um seine Rückkehr abzubrechen, weil er im Verkehr steckengeblieben ist - dazu ist er zu sehr Wettkämpfer. Und zu erfahren, gerade im Zusammenspiel mit Ross Brawn. "Ich habe das immer als Langzeit-Projekt gesehen. Einen Erfolg wie mit Ferrari gibt es nicht kurzfristig. Dort haben wir fünf Jahre gebraucht, ich hoffe, dass ich es mit Mercedes schneller schaffe", sagt Schumacher.

Sein Vertrag läuft bis Ende 2012, und daran soll auch der Frust zunächst einmal nichts ändern. "So schnell werdet ihr mich nicht los", beschied er der Fraktion der britischen Journalisten, denen der Versuch der Demontage derzeit das größte Vergnügen bereitet. Wenn einer ein Ultimatum stellt, dann ist es Schumacher selbst. Im Verlauf seines zweiten Anlaufs hat er manchmal richtig erschrocken gewirkt, wenn ihm Kleinigkeiten in der Abstimmung oder technische Unzulänglichkeiten die Chancen und damit auch einen Teil des ihm durchaus wichtigen Images zerstörten.

Daumendrücken für Vettel

Deshalb ist er bereit, für die Sache vieles in Frage zu stellen, auch sich selbst. Das passende Zitat von Teamchef Ross Brawn ("Wenn es nicht Michael wäre, würden wir uns schon fragen, ob er das Potential hat") wirkt nur so plakativ, wenn der Nachsatz weggelassen wird, der da lautet: "Bei Michael wissen wir, dass es so ist."

2011, so viel dürfte sicher sein, wird Mercedes mehr Druck ausüben. In Suzuka besteht angesichts der vielen schnellen Kurven wenig Hoffnung auf Besserung, weshalb zu den weniger persönlich gemeinten Standard-Fragen an Schumacher die gehört, auf welchen der fünf Titelkandidaten er vier Rennen vor Saisonende wettet. Kalkulierte Antwort: "Auf keinen. Bei diesem außergewöhnlichen Jahr mit allem Auf und Ab kann man nur verlieren. Aber ich drücke Sebastian Vettel die Daumen." Der 23-Jährige, als WM-Vierter gehörig unter Druck, nimmt sich Schumacher zum Vorbild: "Er erlebt zwar gerade nicht seine beste Zeit, aber wenn man seinen Gesichtsausdruck studiert, dann sieht man alles andere als einen Mann, der in Panik geraten ist."

© SZ vom 08.10.2010/ebc
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