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Formel 1: Michael Schumacher:Der Effekt, der keiner ist

Michael Schumachers Rückkehr hat das Geschäft mit der Formel 1 nur kurzfristig belebt: Den gewaltigen Erwartungen folgte zügig die Ernüchterung. Für Mercedes ist das Comeback des Rekordsiegers trotzdem äußerst profitabel.

Kurz vor Weihnachten passierte am Hockenheimring Ungewöhnliches: Die Telefonanlage brach zusammen, so groß war die Nachfrage für Karten fürs Formel-1-Rennen am 25. Juli. Ausgelöst hatte den Zusammenbruch Michael Schumacher. Die Ankündigung des siebenmaligen Weltmeisters, es mit 41 Jahren im neuen Mercedes-Team noch einmal versuchen zu wollen, bewegte das Land bis hin zum Tagesthemen- Kommentar und ließ die Motorsport-Branche auf eine Hausse hoffen.

Als er in die Formel 1 zurückkehrte, explodierte die Nachfrage nach Tickets für den Hockenheimring. Ebenso schnell ebbte sie allerdings auch wieder ab.

(Foto: ap)

Für die Telefonanlage am Hockenheimring ist in letzter Instanz Karl-Josef Schmidt verantwortlich. Schmidt ist ein bedächtiger, eloquenter Mensch, der schon so einiges verkauft hat. Seit 2006 ist er Geschäftsführer des Hockenheimrings. Das Formel-1-Wochenende ist das wichtigste Ereignis im Geschäftsjahr.

In Formel-1-Jahren verdoppelt sich der Umsatz. Schmidt anzurufen ist kein Problem in diesen Tagen. "Wir spüren, dass der Kartenverkauf noch einmal anzieht", sagt er, "aber das kennen wir schon." 62.000 Tickets gingen vor zwei Jahren weg, als die Formel 1 zuletzt in Hockenheim war. Dieses Mal rechnet Schmidt mit ähnlich vielen. Weil er weniger Rabatte gewährte, werden die Erlöse höher sein. Schmidt ist nicht unzufrieden, aber Euphorie klingt anders.

Der Deutsche will Sieger sehen

Einen "äußerst ungewöhnlichen Verlauf" der Verkaufskurve hat Schmidt beobachtet. So gewaltig die Nachfrage am Anfang war, so gewaltig ging sie kurz darauf zurück. "Das Überraschende am Schumacher-Effekt war, dass es ihn wohl gar nicht gab", sagt Schmidt. Es waren weitgehend vorgezogene Käufe von Menschen, die sowieso gekommen wären und sich nur so früh wie möglich Tickets sichern wollten. Schumachers bislang mittelmäßige Resultate dürften ebenfalls eine Rolle gespielt haben. "Der Deutsche will Sieger sehen, nicht nur eine Legende", sagt Schmidt.

Das Geschäft mit dem Sport hat eigene Gesetze. Und die sind in jedem Land anders. England zum Beispiel hat im Tennis lange keinen Grand-Slam-Champion mehr hervorgebracht, trotzdem wird das Turnier in Wimbledon jedes Jahr überrannt. Auch ohne Formel-1-Sieger aus England war der Grand Prix in Silverstone immer gut besucht. Die Engländer lieben den Sport, sie lieben Traditionen. In Deutschland ist das anders. Einen zu haben, der vorne dabei ist, reicht nicht. Nicht einmal ein Sieger reicht. Für das große Geschäft muss es ein Seriensieger sein. Beim Tennis ließ sich das verfolgen, die Formel 1 liefert ein weiteres Beispiel.

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