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Formel 1:Bottas bestraft die Fehler der Ferrari-Piloten

F1 Grand Prix of Japan

Der große Profiteur der Fehler der Ferrari-Piloten hieß am Sonntag Valtteri Bottas.

(Foto: Mark Thompson/Getty Images)
  • Die Ferrari-Piloten Vettel und Leclerc machen schwere Fehler beim Start in Japan: Der Deutsche kommt nicht weg, sein Teamkollege wählt ein brenzliges Manöver.
  • Bottas und Hamilton nutzen die Situation - und bescheren Mercedes frühzeitig den Gewinn der Konstrukteursweltmeisterschaft.
  • Am Ende siegt der Finne Bottas vor Vettel im Ferrari und Hamilton auf Rang drei.

Die zwei Fahrer in den roten Overalls zogen sich ihre Helme vom Kopf und begrüßten sich freundlich. Dann zogen sie sich nach und nach auch die anderen Kleidungsstücke aus, die sie für diese erste Plauderei nach dem Rennen nicht mehr benötigen würden: Gesichtsmaske weg, Handschuhe weg. Gewonnen hatten sie zwar beide nicht, so richtig unzufrieden sah aber keiner von ihnen aus.

Den Sieg in Suzuka hatte sich soeben Valtteri Bottas geholt; Sebastian Vettel und Charles Leclerc interessierten sich nun aber vor allem für die Fahrfehler des jeweils anderen. Wobei es ein wenig so aussah, als würde sich Vettel noch ein wenig mehr für das Missgeschick seines elf Jahre jüngeren Teamkollegens interessieren als umgekehrt. Er stellte jedenfalls die Fragen.

Die beiden Angestellten von Ferrari waren in optimaler Ausgangslage in dieses Rennen gestartet. Vettel stand auf der Pole Position, Leclerc gleich dahinter. Aber dann hatten sie den Grand Prix in Japan gleich beim Start verloren. Und anstelle eines roten Doppelsieges hatten sie Mercedes den Gewinn der sechsten Konstrukteursweltmeisterschaft in Folge freundlicherweise schon im fünften Rennen vor Saisonende überlassen.

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Der Finne schiebt sich gleich zu Beginn an Vettel vorbei - und kontrolliert das Rennen von dort aus. Der Deutsche wird am Ende Zweiter, Hamilton Dritter.

Vettel vermasselte den Start und wurde maßgeblich deshalb Zweiter, Leclerc ruinierte sich gleich zu Beginn den Frontflügel und rollte als Sechster ins Ziel. Da Lewis Hamilton den Sieg von Bottas um einen dritten Platz anreicherte, genügte das Resultat für die Truppe um Teamchef Toto Wolff, um die Ferrari-Serie (1999-2004) mit sechs Titeln aus Michael Schumachers Bestzeiten zu egalisieren. Bottas sei "förmlich geflogen", lobte Vettel nach dem Rennen.

"Es war schlimmer als ein Fehlstart", sagte Vettel

Am Samstag hatte sich der Taifun Hagibis kurzfristig doch noch dazu entschieden, etwas nördlich von Suzuka auf Land zu treffen, bei der Halbinsel Izu nahe Tokio. Die Rennstrecke blieb so von schlimmen Überflutungen verschont. Die Qualifikation hatten die Veranstalter trotzdem auf den Sonntagmorgen verschoben, und die wenigsten Probleme mit den Bedingungen hatte zunächst Sebastian Vettel, der nach vier Pole Positionen nacheinander für Leclerc endlich mal wieder die Bestzeit setzte.

Ganz anders dann im Rennen selbst: Die Ampel wurde rot, dann ging sie aus. Aber Vettel rollte nicht los. Gut, ein bisschen rollte er schon, ein paar Zentimeter. Aber dann bremste er und kam zum Stehen. Es sah so aus, als sorge er sich, dass er etwas zu früh gezuckt hatte, ihm ein Fehlstart unterlaufen war. Die Kommissare untersuchten den Vorgang später und kamen zu dem Ergebnis: kein Fehlstart. "Es war schlimmer als ein Fehlstart, weil ich den ganzen Schwung verloren habe", sagte Vettel hinterher.

Bottas, der von Position drei ins Rennen fuhr, noch vor Hamilton, schob sich sogleich auf der linken Seite vorbei an Vettel. Sein Teamkollege Hamilton kam nur deshalb nicht auch noch vorbei am Deutschen, weil ihm der Ferrari von Leclerc den Weg verstellte. Auch Verstappen startete gut, er überholte Leclerc noch in der ersten Kurve von links. Der Monegasse wollte sich das jedoch nicht gefallen lassen und ließ seinen Wagen in der zweiten Kurve nach außen treiben. Dabei drehte er Verstappens Red Bull auf die Wiese und demolierte sich den Frontflügel. Die Kommissare beschlossen, den Vorfall nicht unverzüglich, sondern erst nach dem Rennen zu untersuchen.

Sein Team von Red Bull teilte Verstappen zunächst jedoch mit, es gebe gar keine Untersuchung. Diese Fehlinformation machte Verstappen sehr wütend. Er fluchte das beliebte englische Schimpfwort mit den vier Buchstaben in sein Mikrofon und fragte: "Wo hätte ich denn hin ausweichen sollen? Er ist mir direkt ins Auto gefahren!" Verstappens Red Bull wurde bei dem Crash so stark demoliert, dass er ihn nach 15 Runden abstellen musste. Er stieg aus und sprach in ein RTL-Mikrofon: "Das war kein hartes Racing. Das war nur dumm."

"Du musst Gas geben", funkte Mercedes an Bottas

Auch bei mindestens einem weiteren Piloten sammelte Leclerc keine Sympathiepunkte, weil er zunächst weiter- und nicht zur Reparatur an die Box fuhr. Und das, obwohl sein Frontflügel optisch einen jämmerlichen Eindruck machte. "Och", funkte Leclerc an seinen Kommandostand, "das Auto fühlt sich gar nicht so schlecht an." Es verlor allerdings Teile. Und die prasselten auf Hamilton ein, der hinter ihm fuhr, und rasierten ihm sogar den Rückspiegel ab. "Wie kann es sein, dass sie ihm keine Flagge zeigen?", fragte Hamilton. Keine schlechte Frage. Schließlich war Leclerc dann doch einsichtig und ließ sich nach vier Runden einen neuen Frontflügel anschrauben. Für seinen Crash mit Verstappen kassierte er nachträglich eine Fünf-Sekunden-Strafe. Und für das Weiterfahren, obwohl er Teile verlor, gab es eine weitere Zehn-Sekunden-Strafe. Durch die insgesamt 15 Strafsekunden fiel er zurück auf Rang sieben.

Nach 16 Runden kam dann auch Vettel an die Box und ließ sich neue Reifen aufziehen. Erneut die weiche Mischung, was bedeute, dass er noch einen weiteren Halt würde einlegen müssen. Mercedes reagierte und schickte Bottas eine Runde später ebenfalls zum Tausch und reichte ihm ebenfalls Soft-Gummis. Bottas hielt drei Runden früher als Hamilton, den Mercedes also etwas länger seine Reifen abnutzen ließ, was ihn Zeit kostete.

"Du musst Gas geben", funkte Mercedes an Bottas. "Du bist auf einer Zwei-Stopp-Strategie, Lewis hält nur einmal." Von diesem Plan wich Mercedes daraufhin aber ab und holte auch den Briten zweimal zum Reifentausch. Hamilton wünschte sich weiter eine Ein-Stopp-Strategie, um seine vorübergehnede Führung ins Ziel zu retten - und beklagte sich über Funk. Die Ingenieure verweigerten ihm das mit Blick auf die Leistung verlierenden Reifen, worauf der Fahrer die Richtigkeit der Taktik in Frage stellt. Auch nach dem Rennen beharrt er noch auf seinem Standpunkt: "Ein Doppelerfolg wäre drin gewesen."

Vettel hielt nach 32 von 53 Runden ein letztes Mal und sortierte sich als Dritter 19 Sekunden hinter Hamilton ein. Nach 37 Umdrehungen hielt schließlich Bottas, nach 43 auch Hamilton. Vettel war nun Zweiter, mit zehn Sekunden Rückstand auf Bottas - und fünf Sekunden Vorsprung vor Hamilton. Und der macht nun auf frischeren und weicheren Reifen Jagd auf Vettel. "Push hard now", er solle noch mal alles geben, forderte Mercedes ihn auf. "Was glaubt ihr, was ich die ganze Zeit mache?", fragte Hamilton zurück. Er fuhr dicht auf an Vettels Heck, vorbei kam er aber nicht mehr, Vettel verteidigte seine Position geschickt.

Aber letztlich war es auch egal: Hamilton und Mercedes wussten ja, dass auch dieser dritte Platz reichen würde zum Gewinn des ersten Weltmeistertitels der Saison. Dafür hatte Ferrari ja schon gesorgt.

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