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Fifa: Skandal bei WM-Vergabe:Blatter greift durch - provisorisch

Im Verfahren gegen offenbar korrupte Funktionäre scheint die Fifa entschlossen zu handeln. Doch selbst das Pathos des Chefs Sepp Blatter nutzt nichts: Bislang ist es nur ein Schauspiel.

Diesmal, so scheint es, hat der Fußball-Weltverband Fifa schnell reagiert. Er hat die beiden unter schwerem Korruptionsverdacht stehenden Mitglieder des Exekutivkomitees, Reynald Tamarii aus Tahiti und Amos Amadu aus Nigeria, suspendiert. Fifa-Chef Joseph Blatter sah nicht glücklich aus, als er die Nachricht während einer Pressekonferenz in Zürich der Öffentlichkeit mitteilte. "Das ist ein trauriger Tag für den Fußball. Fußball ist ein Spiel, und in einem Spiel hat man gute und schlechte Spieler", sagte er.

Josef Blatter

"Das ist ein trauriger Tag für den Fußball", sagte Joseph Blatter. Dabei wäre er ein guter, wenn die Fifa tatsächlich gegen ein offenbar korruptes Mitglied vorgehen würde. 

(Foto: AP)

Tamarii und Amadu waren von zwei verdeckt recherchierenden Reportern der britischen Sunday Times reingelegt worden. Die Fifa-Funktionäre haben dabei ihre Bereitschaft signalisiert, ihre Stimme bei der WM-Vergabe zu verkaufen. Weil das Ganze auf Video festgehalten wurde, wusste es bald die ganze Welt. Amadu verlangte 570.000 Euro, Tamarii gar 1,6 Millionen Euro.

Die Beweislage, die Empörung der Öffentlichkeit und der mögliche Imageschaden waren zu bedrohlich, die Fifa sah sich gezwungen zu reagieren. Gleichzeitig suspendierte sie vier weitere Funktionäre, die ebenfalls in die Korruptionsaffäre um die Vergabe der Endrunden 2018 und 2022 verstrickt sein und Verstöße gegen den Ethik- und Disziplinarkodex begangen haben sollen. Dabei handelt es sich um die ehemaligen Exekutiv-Mitglieder Slim Aloulou (Tunesien/Vorsitzender der Fifa-Kammer zur Beilegung von Streitigkeiten), Amadou Diakite (Mali/Schiedsrichterkommission), Ahongalu Fusimalohi (Verbandspräsident von Tonga) und Ismael Bhamjee (Botswana).

"Das Komitee steht für null Toleranz, was Verstöße gegen den Ethikkodex betrifft", sagte Claudio Sulser, Vorsitzender der Ethik-Kommission, und ergänzte: "Wo Menschen sind, ist auch die Versuchung. Unsere Aufgabe ist es aber, die Werte des Fußballs zu schützen."

Doch was sind diese mit Pathos beladenen Worte wert? Greift der affärenreiche Fußballverband plötzlich durch und schickt seine schwarzen Schafe in die Wüste? Und das ausgerechnet vor dem 2. Dezember, an dem die 24 Mitglieder der Exekutive erstmals in der Geschichte zwei Weltmeisterschaften (2018, 2022) gleichzeitig vergeben? Obwohl inzwischen alle Welt weiß, dass bei vergangenen WM-Vergaben keineswegs allein eine schöne Präsentation und warme Worte ausreichten, um genug Stimmen zu erhalten.

Sulser betonte denn auch, dass die Fifa um jeden Preis vermeiden wolle, dass der Vorgang "zu einem öffentlichen Tribunal" gegen die zwei Beschuldigten werde. Und dass die Suspendierung nur vorläufig gelte, erst mal 30 Tage, sie könne aber auch um 20 Tage verlängert werden. Man müsse weitere Untersuchungen anstellen, um zu einer endgültigen Entscheidung zu kommen, erklärte Sulser.

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