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Fifa-Chef Infantino:Infantino sucht verzweifelt nach Geldquellen

Er zog die Reißleine. Gerade hatte sein Vertrauter Zvonimir Boban noch Klubs in Mailand und London umgarnt, es sei sogar, spöttelt ein hoher europäischer Funktionär, "schon über Ajax Amsterdam gesprochen" worden. Am Freitag hatte der Vize-Generalsekretär dann eine ganz andere Aufgabe: Telefondienst. Boban sagte das Projekt bei den Großen und Wichtigen der Branche ab. Von der Uefa in Nyon bis zum FC Bayern. Die Münchner bestätigten der SZ, dass der Kroate auch ihnen das vorläufige Ende der Milliardenträume verkündet hat. Boban habe erklärt, der Druck sei aus der Sache erst einmal raus, sagte ein hoher Bayern-Vertreter. Das sei zu begrüßen, denn aus Münchner Sicht sei die Sache zu wenig fortgeschritten. Außerdem gehörten alle Stakeholder an den Tisch.

Das trifft zu, bedeutet aber, dass die Milliarden-Causa im Grunde endgültig vom Tisch ist. Denn die überwältigende Mehrheit der Stakeholder war es, die das Milliardengespinst von Anfang an geblockt hatte: die Dachverbände der Klubs, der Profiligen und die Spielergewerkschaft Fifpro. Zudem hatte Infantino, der die Fifa gern im Alleingang führt, obwohl er kein operativer Präsident ist, seinen Vorstand düpiert: Das Fifa-Council hatte dem Milliarden-Geraune schon im März in Bogota eine Abfuhr erteilt, weil Infantino nicht mal Andeutungen zu Investoren und Geschäftsgrundlagen gemacht hatte.

2019 wird gewählt bei der Fifa

Aber der komplette Vorgang zeigt: Der Chef sucht verzweifelt nach Geldquellen. Die Fifa-Reserven schmelzen, und für die WM im affärengetränkten Russland ist das Sponsorentableau nur gut zur Hälfte gefüllt; russische Firmen überall. Auch deshalb, so wird in der Branche vermutet, fährt die Fifa einen strikten Kuschelkurs mit den WM-Gastgebern; selbst drängende Dopingfragen um die Sbornaja werden weiträumig umkurvt. Was wiederum die Abwärtsspirale verstärkt: Unter Infantino nehmen die Imagewerte der Fifa Bodenkontakt auf.

Zudem sind bereits 2019 Wahlen. Der Schweizer, der vor zwei Jahren durch glückliche Umstände auf den Fifa-Thron gelangt war, kann diesen nur verteidigen, wenn er all den Kostgängern im Fifa-Orbit endlich die hohen Zuwendungen sichert, die er versprochen hatte. Aber neue Quellen sind nicht in Sicht, unlängst war Infantino wieder am Golf unterwegs. Es geht jetzt darum, schon bei der WM 2022 in Katar die Teilnehmerzahl von 32 auf 48 zu erhöhen - und nicht erst, wie bisher vereinbart, im Jahr 2026. Aber immer mehr Verbände scheinen des Solisten in Zürich überdrüssig zu sein.

© SZ vom 23.05.2018/ebc

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