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Fußball-Weltverband:Fifa stellt Strafanzeige gegen Ex-Führung um Blatter

Joseph S. Blatter im Jahr 2015, als er noch Fifa-Präsident war.

(Foto: AFP)

Hintergrund ist ein Museumsprojekt in Zürich, das den Weltverband insgesamt 500 Millionen Schweizer Franken kosten soll.

Die Fifa hat gegen ihre ehemalige Geschäftsführung um den früheren Präsidenten Joseph S. Blatter (84) Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft im Kanton Zürich eingereicht. Wie der Fußball-Weltverband am Dienstag mitteilte, seien externe Experten auf Beweise für den mutmaßlichen Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung im Zusammenhang mit einem Museumsprojekt in Zürich gestoßen.

Blatter und weitere Personen sollen laut Fifa am Abschluss von Verträgen, die zu Projektkosten in Höhe von 500 Millionen Schweizer Franken führen sollen, beteiligt gewesen sein. Blatter bestreitet die Anschuldigungen. "Die Vorwürfe sind haltlos und werden vehement zurückgewiesen", teilte sein Anwalt auf Anfrage des Sport-Informations-Dienstes mit. Ein Sprecher des früheren Fifa-Chefs bezeichnete die kommunizierten Zahlen als "falsch". Unter anderem seien etwaige Wohnungen und Büroräume zur Vermietung nicht berücksichtigt worden, zudem habe sich die Eigentumsfirma des Gebäudes an der Renovierung beteiligt.

Die damalige Geschäftsführung des Weltverbandes soll 140 Millionen Schweizer Franken in die Renovierung und Modernisierung investiert haben, obwohl das Gebäude "der Organisation gar nicht gehörte", teilte die Fifa mit. Zudem sei ein langfristiger Mietvertrag zu "ungünstigen" Konditionen abgeschlossen worden. Die Fifa rechnet bis zum Ablauf des Vertrages im Jahr 2045 mit Kosten in Höhe von 360 Millionen Schweizer Franken. Im Fifa-Finanzbericht werden für das Jahr 2019 Einnahmen aus dem Museumsgeschäft in Höhe von rund 3,5 Millionen US-Dollar ausgewiesen - bei Kosten von 6,3 Millionen US-Dollar.

"Wir hatten keine andere Wahl, als den Fall bei der Staatsanwaltschaft anzuzeigen, zumal die jetzige Fifa-Geschäftsleitung gegenüber der Organisation auch eine Treuepflicht hat, die sie nach den massiven Versäumnissen ihrer Vorgänger zu erfüllen gewillt ist", sagte der stellvertretende Generalsekretär Alasdair Bell. Es seien "mehrere verdächtige Umstände und Führungsversäumnisse" zutage getreten. Die Administration will die Unterlagen zudem der Fifa-Ethikkommission zukommen lassen.

Das Museum war 2016 eröffnet worden - nach dem Ende der Amtszeit Blatters, der im Jahr zuvor seinen Rücktritt angekündigt und dann von der Fifa-Ethikkommission für zunächst acht Jahre gesperrt worden war.

© SZ.de/sid/dpa/chge
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