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Afrika Cup:Infantinos nächster Kollateralschaden

July 19 2019 Cairo Egypt President of CAF Ahmad Ahmad and FIFA President Gianni Infantino take; imago41241485h

Wohin mit diesem Pokal? Fifa-Präsident Gianni Infantino vor der Siegerehrung beim Afrika Cup im vergangenem Jahr.

(Foto: Mohamed Mostafa/imago)

Der Afrika Cup soll künftig wieder im Winter stattfinden. Vereine wie der FC Liverpool sind erzürnt - doch der Fifa-Boss will eine freie Sommerbühne für sein Wunschprojekt.

Jürgen Klopp spricht von einer "Katastrophe" und ahnt, was dahinter steckt. Gerade verschiebt Afrikas Fußballverband Caf seine Erdteil-Meisterschaft, den Afrika Cup, vom Sommer in den Januar/Februar - was verheerend für den FC Liverpool und andere Topklubs ist. Weil dann die afrikanischen Starspieler mitten in der Saison über Wochen fehlen. Richtig ist auch Klopps Verdacht, dass nicht, wie behauptet, große Sorge um die Gesundheit der Profis der Grund ist, sondern eine Wirtschaftsintrige. Tatsächlich traf den Beschluss, wie üblich ohne Abstimmung, der Weltverband Fifa. Und nur formal der Caf, der seit August aus der Züricher Fifa-Zentrale ferngesteuert wird. Der Weltverband räumt damit den Weg frei für Gianni Infantinos Machtspiele.

Der Fifa-Boss bastelt an seinem ganz persönlichen Wunschtraum, die Filetstücke der Milliardenindustrie Fußball in ein Geschäftsmodell mit potenten Investoren zu buttern. In ein Konstrukt, das Fifa und andere mit ihren Rechten vergolden, in dem sie aber wenig zu melden hätten - ausgenommen natürlich Infantino, der dort als Chef fungieren soll. So war es vorgesehen bei einem bizarren Milliardendeal, den Infantino 2018 an allen Amtsträgern vorbei mit Investoren ausgeheckt hatte. So sieht auch sein nächster Anlauf aus: Ganz ungeniert umwirbt er den (neben der Fifa-WM) geldwertesten Bereich des Fußballs, der ihn nur leider gar nichts angeht: die Spitzenklubs in Europa.

Der Afrika Cup im Sommer stünde Infantinos großen Plänen im Weg

Infantino schiebt mit Hilfe eines anderen Allmachts-Träumers, Florentino Perez von Real Madrid, eine globale Superliga unterm Fifa-Schirm an, die die Champions League der Uefa zerstören würde. Erste Schritte sind getan. Mit Perez gründete er eine Welt-Klubvereinigung. Die Klub-WM 2021 ließ er von sieben auf 24 Teams aufblähen - und schob eine Ausschreibung hinterher, die den Interessenten Seltsames auftrug: Sie sollten Konzepte für ein globales Klubturnier vorlegen! Weil der als Ausschreibung getarnte Ideenwettbewerb lächerliche 14 Tage lief, ist Experten klar, dass hier Offenheit nur simuliert wurde - und Infantino seine Wunschpartner längst an der Hand hat.

Nun wird klar, warum die Fifa zudem die Regie über den Caf an sich riss (Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura thront seit August über dem Verband, den der schwer korruptionsbelastete Ahmad Ahmad aus Madagaskar ins Chaos gesteuert hatte). Im Oktober kündigte der Caf überraschend seinen lukrativen Rechtevertrag mit der Agentur Lagardère. Der Pariser Medienkonzern hatte dem Caf zwar insgesamt eine Milliarde Dollar zugesichert. Bloß: Einer Verlegung des Afrika Cup hätte er nicht zugestimmt. Nun will Lagardère 90 Millionen Dollar Kompensationszahlung einklagen - und streut genüsslich, wie schwer sich Caf/Fifa bei der Suche nach einem neuen Rechtepartner tun. Denn das Termingeschacher um den Afrika Cup stößt Interessenten ebenso ab wie die jähe Vertragskündigung.

Warum all das? Nicht nur Jürgen Klopp bezweifelt stark, dass Infantinos jüngstes Solo auf der Sorge um die Gesundheit afrikanischer Kicker beruht. Vielmehr ist es ja so, dass der Afrika Cup 2021 Infantinos Wunschprojekt, der Klub-WM in China, terminlich im Weg stünde. Der Rummel um dieses Turnier mit Teams aus Neuseeland, Honduras oder Uganda wird sich eh im Rahmen halten - umso wichtiger ist es, die Sommerbühne 2021 besenrein zu fegen. Also weg mit dem Afrika Cup! Zurück damit in den Winter! Und sei der Kollateralschaden auch noch so groß.

© SZ vom 21.01.2020/jjs/tbr
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