bedeckt München
vgwortpixel

Fifa:Willkommen in Giannis Superliga!

Club World Cup - Final - Liverpool v Flamengo

Gianni Infantino (links) bei der Pokalübergabe nach dem Finale der Klub-WM an Mohammed Salah.

(Foto: REUTERS)
  • Fifa-Präsident Infantino nutzt die Klub-WM in Katar, um die Pläne für eine globale Superliga voranzutreiben.
  • Gegen Widerstand aus Europa wollen Investoren angeblich 15 Milliarden Dollar in das neue Format stecken.

In gewisser Weise ist Verlass auf Gianni Infantino. Spitzenvertreter der Fußballbranche warten seit Wochen auf den nächsten Angriff des Fifa-Bosses, der gern die zentralen Güter des Weltfußballs an sich reißen würde. Ein erster Vorstoß, als er heimlich die Rechte des Weltverbandes an eine Investorengruppe verhökern und sich selbst zum Chefaufseher der Auffangfirma machen wollte, war vor einem Jahr gescheitert - seither sind vor allem die Verbände Europas und Asiens gewarnt. Am Rande der Klub-WM eröffnete Infantino nun die nächste Attacke.

In einer Art Weihnachtspredigt teilte Infantino in Doha mit, er habe "mit vielen Leuten gesprochen, die unterschiedlichste Interessen vertreten. Und niemand schien wirklich glücklich damit, wie die Dinge jetzt sind: mit dem System, mit dem Spielkalender ... Die Leute beklagen, wie vorhersehbar die nationalen Ligen sind, dass die meisten Spiele der Nationalteams nicht interessant genug sind, dass zu viele Spiele gespielt werden." Um Lösungen zu finden, müsse man debattieren. Und, Achtung: "Als Fifa-Präsident spüre ich, dass ich die Debatte fördern muss."

Sportpolitik Der geheime Weg zur Super League
Fifa

Der geheime Weg zur Super League

Neue Dokumente zeigen: Fifa-Präsident Gianni Infantino verfolgt weiter seinen Plan, globale Wettbewerbe zu schaffen und den Fußball an Investoren zu verkaufen.   Von Claudio Catuogno und Thomas Kistner

Dabei wurde Infantino seit seinem Amtsantritt 2016 noch nie damit auffällig, ergebnisoffene Debatten zu fördern. Das ist auch diesmal nicht der Fall - tatsächlich hat der Boss für sich längst das beschlossen, was er in Doha als Eingebung verkauft: "Meine Vision ist, dass wir zum Beispiel 50 Klubs aus allen Kontinenten haben sollten, die mehr oder weniger auf demselben Niveau sind. Wenn wir den Fußball auf der ganzen Welt entwickeln wollen - und das ist die Mission der Fifa -, müssen wir darüber nachdenken."

Eine Liga mit 50 Klubs in aller Welt?

In Kreisen der Europa-Union Uefa wurde darüber am Wochenende kurz nachgedacht. Ergebnis: Richtig, das ist genau das, was sich seit Monaten abzeichnet: Infantino zündet zum Jahreswechsel die erste Stufe seines Plans, die Hoheit über den Klubfußball an sich zu reißen. Dass der Fifa-Boss seit Längerem mit Hilfe von Florentino Perez, dem Patron von Real Madrid, ein globales Konstrukt anschiebt, das außerhalb der nationalen Ligen und Verbände spielen soll, war bislang ein Verdacht. Nun ist es offenkundig: 50 Klubs in aller Welt - willkommen in Giannis Superliga.

Wie durchschaubar das Ganze ist, verrät Infantinos Statement. Denn der einzige Weg, das Niveau zwischen dem Fußball Europas und dem in Zentralafrika, den Anden oder der Südsee zumindest etwas auszugleichen, bestünde darin, neue Eckwerte für diesen Wirtschaftsbetrieb zu schaffen. Gehalts- und Transferobergrenzen sowie andere Regularien mehr. Wie sonst könnte ein Team aus dem Kongo auf dem Niveau von Real oder ManCity mitspielen? Überdies würden Transferbeträge, wie sie für Neymar und Co. bezahlt werden, in anderen Weltenregionen zur Sanierung ganzer Stadtteile reichen, und deshalb dort besonders obszön wirken.

Infantino predigt in Doha eine Art Chancengleichheit, hinter der vermutlich ein paar Handaufhalter, aber erkennbar keine engagierten Drittwelt-Vertreter stehen. Die einzigen europäischen Klubs, die Infantino offen unterstützen, sind Real Madrid und der AC Mailand, wo Infantinos Intimus Zvonimir Boban mitmischt. Ansonsten stoßen die Pläne auf große Skepsis - auch beim sonst jeder Erwerbsquelle aufgeschlossenen FC Bayern.

Infantino weiß um die Widerstände. Er weiß, dass das Gros der Fans weltweit nicht auf die Ligabetriebe verzichten und ständig quer durch die Kontinente fliegen kann, um ihre Klubs zu begleiten. Aber er weiß auch, dass es einen Köder gibt, der manchen Klubmanager umstimmen und in die Abspaltung vom System treiben könnte: Finanzen.

Zur SZ-Startseite