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Fifa-Affäre:Blatter und Platini - Alphatiere vor dem Aus

Wollen gegen eine mögliche Strafe beim Sportgerichtshof Cas vorgehen: Sepp Blatter (l.) und Michel Platini.

(Foto: Stephen de Sakutin/AFP)
  • Sepp Blatter und Michel Platini sollen für mehrere Jahre gesperrt werden. Schon am Montag könnte ein Verfahren gegen sie eröffnet werden.
  • Dann dürften die Fifa-Ethiker als Nächstes den DFB ins Visier nehmen.

Die Causa Blattini kommt voran: Die Ethik-Ermittler des Fußball-Weltverbandes Fifa haben ihre Untersuchung der Spitzenfunktionäre Sepp Blatter und Michel Platini beendet und ihre Sanktionsanträge am Samstagmorgen dem Spruchkammer-Vorsitzenden Hans-Joachim Eckert übergeben. Der Münchner Richter sichtet die Akten und soll, wie es heißt, schon am Montag ein Verfahren auf Basis der Schlussberichte eröffnen. Nach SZ-Informationen soll in beiden Fällen ein mehrjähriger Ausschluss von allen fußballbezogenen Tätigkeiten gefordert werden.

Die Chefs von Fifa und Europa-Union Uefa waren am 8. Oktober von der Ethikkommission 90 Tage suspendiert worden. Angelastet wird dem Duo der Transfer von zwei Millionen Schweizer Franken; bei Blatter kommt Untreue-Verdacht im Kontext eines TV-Vertrags für den Ex-Vorstandskollegen Jack Warner dazu. Platini hatte besagte zwei Millionen im Februar 2011 von Blatters Fifa kassiert, angeblich als Nachzahlung für seine Beratertätigkeit im Zeitraum von 1998 bis 2002. In den Fifa-Bilanzen tauchte der Betrag aber nie auf. Und offenbar auch nicht im Vertrag, den das Duo seinerzeit, 1998, für Platinis Tätigkeit abgeschlossen hatte. Das nährt den Verdacht, dass die diskrete Millionen-Nachzahlung im Fifa-Wahljahr 2011 aus anderen Gründen erfolgt sein könnte. Die Ermittler gingen auch der Korruptionsfrage nach - also ob Blatter sich für das Geld die Gewogenheit Platinis und der Uefa sichern wollte. Damals stand Blatter gegen den Fifa-Vize Mohamed Bin Hammam im Ring, der Katarer war nicht nur Chef des 50 Voten umfassenden Asien-Verbandes AFC, sondern hatte auch beste Drähte ins Lager Afrikas.

Delikte der Bilanzfälschung und Untreue scheinen gesichert zu sein

Eingedenk des Tempos, das die Ermittlungskammer vorgelegt hat, ist anzunehmen, dass sie sich in ihrer Empfehlung mit dem "Filetstück" der Causa begnügt und auf den komplizierteren Nachweis eines Korruptionstatbestandes verzichtet haben könnte. Als gesichert erscheinen aus Ermittlersicht Delikte der Bilanzfälschung und Untreue zu Lasten der Fifa, das genügt für mehrjährige Sperren. Eine solche würde die Funktionärskarriere von Blatter, 79, beenden, die von Platini, 60, faktisch wohl auch. Beide bestreiten die Vorwürfe und nennen die Zahlung korrekt.

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Im Fall der Verfahrenseröffnung durch Eckert werden den Beschuldigten die Anträge zugestellt. Es folgen, das Einverständnis der beiden vorausgesetzt, Verfahren, die binnen der nächsten drei Wochen stattfinden und zu Urteilen noch vor Weihnachten führen sollen. Das ist der von den Ethikern erwünschte Zeitplan, der auch im Interesse Blatters und Platinis liegen dürfte. Denn nur, wenn rasch Urteile vorliegen, können sie diese noch rechtzeitig vorm obersten Sportgerichtshof Cas anfechten. Beide haben den 26. Februar im Visier, wenn der Sonder-Wahlkongress der Fifa stattfindet. Blatter würde ihn gern leiten, Platini hofft immer noch, als Kandidat für den Fifa-Thron antreten zu können.