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Felix Neureuther:"Es bringt wenig, eine sinnlose Aktion zu starten"

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Will endlich wieder Rennen fahren: Felix Neureuther, der sich im vergangenen Winter das Kreuzband riss.

(Foto: Johann Groder/AFP)
  • Nach seinem Kreuzbandriss hat sich Felix Neureuther genau überlegt, ob er beim Weltcup-Auftakt in Sölden an diesem Sonntag starten soll.
  • Ob der 34-Jährige noch bis zu den Winterspielen in Peking 2022 weitermacht, will er nicht verraten, "aber das ist schon im Hinterkopf".
  • Hier geht es zu den Ergebnissen im alpinen Skisport.

Sechs Fernsehkamerateams und noch viel mehr Fotoobjektive zeichnen jede Regung im Gesicht von Felix Neureuther auf, als er am Freitagabend in Sölden in einer Sportboutique sitzt und über sein neuestes Projekt spricht. Er lächelt viel und häufig. Hinter dem deutschen Skirennläufer flimmert ein Musikvideo über einen Fernseher, mit Neureuther in der Hauptrolle und vielen Kindern, die enthusiastisch herumhüpfen. Er ist darauf nicht im Rennanzug auf Skiern zu sehen, sondern er singt Zeilen wie "Jeder Schritt ist ein Gewinn". Er werde nun seine aktive Karriere beenden und Hansi Hinterseer nacheifern, hat er schon vor dem Clip kundgetan und gelacht, ein Witz. Neureuther, 34, strebt keine Laufbahn als Schlagersänger an.

Neureuther will weiter Ski fahren, aber sich nebenbei auch weiter für die von ihm initiierte Kampagne "Beweg dich schlau" engagieren, nun eben zusätzlich mit musikalischer Begleitung. Am Freitagabend wollte und konnte der Mann aus Garmisch-Partenkirchen allerdings noch nicht verraten, ob er sich nach seiner einjährigen Verletzungspause wegen eines gerissenen Kreuzbandes an diesem Sonntag (10 und 13 Uhr) beim Weltcup-Auftakt im Starthaus auf die Riesenslalomstrecke des Rettenbachferners katapultieren wird.

Olympia in Peking 2022? "Das habe ich im Hinterkopf"

Er fühle sich gut, auch der zuletzt malade Rücken schmerze nicht mehr, aber er müsse nun abwarten, wie sein Körper auf die Trainingseinheit am Freitag reagiere, eine leichte Grippe schlauchte ihn dazu. "Es bringt wenig, eine sinnlose Aktion zu starten", sagte Neureuther nun sehr viel ernster, das habe er schon viel zu oft gemacht in seinem Leben. Er hat genug vom weiteren Raubbau an seinem schon mehrfach reparierten Körper, er müsse ja die gesamte Saison im Blick haben, mit der Weltmeisterschaft im Februar im schwedischen Åre. Ein weiterer Stresstest am Samstag brachte ihm dann aber Gewissheit: Er fährt in Sölden, wie am Rande des Frauenrennens Wolfgang Maier bestätigte, der Alpinchef des Deutschen Ski-Verbandes (DSV).

Er höre nun besser in sich hinein, sagte Neureuther, und achte auf die Signale, die sein Körper aussendet. Er ist einsichtiger geworden, nicht erst seit er Vater einer Tochter geworden ist. Seine Karriere soll ja nicht nach diesem Winter vorbei sein, sondern er plant noch weitere Jahre im Skizirkus. Ein Beleg dafür ist die Vertragsverlängerung mit seiner bisherigen Ski- und Schuhmarke um weitere vier Jahre. Ob er tatsächlich bis zu den Winterspielen in Peking als Berufsskifahrer weitermacht, darauf wollte er sich allerdings nicht festlegen. "Aber das ist schon im Hinterkopf", gab er zu, "das will ich nicht ausschließen."

Felix Neureuther ist nicht der einzige prominente deutsche Skirennläufer, der sich nach einer längeren Verletzungspause langsam wieder an das Rennniveau herantastet. Auch Fritz Dopfer, WM-Zweiter im Slalom von 2015, hat über den Sommer nicht so trainieren können, wie er sich das vorgestellt hat. Eine Adduktorenverletzung war so gravierend, dass er im Juli, August und September nicht auf Skiern üben konnte.