Feindbild im Fußball:Ein TV-Beweis hätte Stark geholfen

Lesezeit: 3 min

Erstens muss die Bedrängung des Schiedsrichters im Profifußball aufhören. Wenn Jürgen Klopp, Jupp Heynckes und auch alle Spieler respektvoll mit den Unparteiischen umgehen, statt theatralisch Schiedsrichter-Entscheidungen zu kommentieren, werden das Zuschauer, Jugendspieler und deren Eltern registrieren.

Außerdem muss der Fußball endlich beginnen, Fehlentscheidungen zu minimieren. Und das heißt: die Schiedsrichter mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts auszurüsten. Dass Wolfgang Stark der einzige Mensch der Nation ist, der 30 Sekunden nach Schmelzers Rettungsaktion nicht weiß, welches Körperteil da im Spiel war, ist schlicht eine unbegreifliche Naivität. Schmelzer lenkte den Ball zur Ecke, es wäre ein leichtes gewesen, hätte Stark ein vor dem Fernseher sitzender Kollege anhand der Wiederholung den Tathergang beschrieben und ihm per Funk ins Ohr vermittelt. Das ganze Stadion hätte 30 oder auch 60 Sekunden lang diese Entscheidung still abgewartet, Stark hätte auf Eckball (oder auf Freistoß wegen Abseits) entschieden und zumindest in diesem Fall wäre der Schiedsrichter als vernünftiger Spielleiter und nicht als Feindbild nach Hause gefahren.

Der TV-Beweis ist kein Allheilmittel, niemals wird jede Aktion objektiv aufgelöst und entschieden werden können. Doch vieles könnte damit sehr wohl verhindert werden. Weil der Fußball-Weltverband und vor allem der Europäische Fußball-Verband hier strikt dagegen sind, muss wohl die Revolution von unten kommen: Die Referees sollten viel vehementer die Hilfe beantragen, die sie bekommen können.

Es wäre ein kleiner Beitrag wider das Feindbild Schiedsrichter. Und das würde dann auch den ehrenamtlichen Kollegen in Jugend- und Amateurligen helfen. Denn wenn Zehntausende die "schwarze Sau" beschimpfen, dann ist damit nicht der Herr Stark gemeint. Sondern dann ist die "schwarze Sau" ein Symbol für eine manipulierende Instanz, die bisweilen zum Freiwild erklärt wird.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB