bedeckt München 27°

Djokovic besiegt Federer in Wimbledon:Völlig erschöpft nach dem großen Triumph

Wimbledon

Und der Sieger hieß: Novak Djokovic.

(Foto: REUTERS)
  • Novak Djokovic gewinnt ein episches Wimbledonfinale gegen Roger Federer.
  • Noch nie dauerte ein Endspiel in London so lange - es geht bis ins vierundzwanzigste Spiel des fünften Satzes und in den Tiebreak.

Zwölf Mal hat Roger Federer am letzten Turniertag auf dem Rasen des Centre Courts gestanden. Acht Mal, so oft wie niemand sonst seit 1877, gewann er den großen Goldpokal. Wimbledon war ein grüner Garten der Erinnerung für ihn. Aber als er am Sonntagabend nach 4:57 Stunden Spielzeit mit der kleinen Silberschale in der rechten Hand, die linke in die Seite gestützt, sein Match bewerten sollte, das die Zuschauer in seiner Intensität und Dramatik begeistert hatte, da sagte er mit einem kleinen, wehmütigen Lächeln: "Ich will versuchen, es zu vergessen."

Er hätte dieses Finale gewinnen können gegen Novak Djokovic, seinen Dauerrivalen aus Serbien, gegen den er am Sonntag das 48. Duell der Karriere bestritt. Zwei Matchbälle hatte er sich im fünften Satz erspielt, als das Publikum bereits von den Sitzen aufgesprungen war und seine Ehefrau vor Aufregung in der Box die Hände vors Gesicht schlug und nur durch die Finger zu blinzeln wagte. Und doch musste Federer erleben, wie ihm der Sieg noch vom Schläger glitt.

Wimbledon "Sie hat wie von Sinnen gespielt"
Wimbledon-Siegerin Halep

"Sie hat wie von Sinnen gespielt"

Simona Halep nutzt die größte Bühne der Tenniswelt, um ihre beste Leistung überhaupt zu zeigen. Serena Williams steht dem Wirbelwind machtlos gegenüber.   Von Barbara Klimke

Mit 7:6 (5), 1:6, 7:6 (4), 4:6 und 13:12 (3) gewann Djokovic eine Partie, die gleich aus zwei Gründe außergewöhnlich war: Weil sich hier die beiden Kontrahenten, Nummer eins und Nummer drei der Weltrangliste, länger im Finale duellierten als anderen Spieler der Geschichte zuvor. Und weil sie sich gegenseitig mit unerbittlicher Energie, erbarmungsloser Präzision und brachialen Kunstschlägen in den Tiebreak des fünften Satzes trieben, der erst in diesem Jahr eingeführt worden war, um unberechenbare Marathon-Matches zu beenden.

Titelverteidiger Djokovic konnte letztlich seinen fünften Wimbledon-Titel verbuchen, der ihn nun auf eine Stufe mit Björn Borg hebt. Aber auch er war am Ende zu erschöpft für große Triumphgesten. Eine kurze, kühle Umarmung am Netz, dann trommelte er sich auf die Brust, ging auf die Knie, um ein paar Halme Gras zu rupfen.

Und gab anschließend zu, dass dies "das spektakulärste Endspiel war", das er je bestritten habe: "Leider musste einer von uns verlieren." Doch um Djokovic ans Limit zu treiben, brauchte es einen Giganten wie Federer, der an diesem Tag nicht nur gegen einen Kontrahenten, nämlich den Weltranglistenersten, antrat. Sondern gegen einen zweiten, mächtigeren und weit gnadenloseren Gegner: die Zeit. Federer wird in vier Wochen 38 Jahre alt; hätte er gewonnen, wäre er zum ältesten Sieger ausgerufen worden, seit sich Männer bei Grand-Slam-Turnieren mit Bällen duellieren.

Und so hat Federer, auch wenn er gegen den Serben unterlag, doch vor den Augen der Welt bewiesen, dass er das Alter noch zu bezwingen vermag. Schon im ersten Satz war ersichtlich, dass er dem fünf Jahre jüngeren Djokovic locker Paroli bieten konnte: Der Durchgang dauerte fast eine Stunde, war ausgeglichen bis zum 6:6 - mit leichten optischen Vorteilen für Federer, der zur Freude des Publikums die schöneren, gewagteren Bälle zwischen die Linien zirkelte. Im Tiebreak verzog er dann eine leichte Rückhand und gab einen möglichen Vorsprung aus der Hand.

Doch das war nur die Overtüre: Im zweiten Durchgang stellte Federer beim 6:1 unter Beweis, warum er 20 Grand-Slam-Titel in seiner Karriere eroberte hat. Djokovic hielt im dritten wieder dagegen, den er sich erneut im Tiebreak sicherte, ohne dem Gegner das Aufschlagsspiel abzunehmen. Es folgte Durchgang vier, in dem es er Schweizer schaffte, den Entscheidungssatz zu erzwingen. Und dann folgte das Finale furioso, ein 122-minütiger Schlagabtabtausch, Punkt für Punkt, Ball für Ball, unter Einbeziehung jedes Quadratzentimeters des Platzes, zum 5:5, 6:6.