FC Liverpool England hadert mit "Klopps Flops"

  • Trainer Jürgen Klopp verliert mit dem 1:3 gegen Sevilla schon sein fünftes Endspiel in Serie.
  • Hat die Niederlage auch Auswirkungen auf die Transferpolitik des Klubs?
Von Thomas Hummel

Die fünfte Endspiel-Niederlage in Serie brachte Jürgen Klopp auf der Insel die erwartet bissigen Kommentare. Das Boulevardblatt The Sun tat sich wie immer besonders originell hervor: "Eines lässt sich über Jürgen Klopp sagen: Er jagt die komplette Sammlung von Finalpleiten. Jetzt fehlt nur noch der FA Cup, Jürgen!"

Champions League 2013, DFB-Pokal 2014 und 2015, englischer Ligapokal 2016 und nun das Europa-League-Finale in Basel. 1:3 mit dem FC Liverpool gegen den FC Sevilla, obwohl seine Mannschaft nach einer starken ersten Hälfte noch geführt hatte. Ist das Schicksal? "Ich glaube nicht, dass Gott sich vorgenommen hat, mich ins Finale zu lassen und mir dann jedes Mal einen Schlag zu geben", sagte der deutsche Trainer, nachdem er sich im St. Jakob-Park wieder einmal eine Silbermedaille abgeholt hatte.

Der 48-Jährige schwankte nach dem Schlusspfiff zwischen Zorn und Trotz. Er wollte nicht verschweigen, dass er sich von Schiedsrichter Jonas Eriksson benachteiligt fühlte. "Ich glaube, es gab heute vier wegweisende Entscheidungen, vielleicht sogar mehr, die alle gegen uns gepfiffen wurden. In einem Finale, wenn es so eng ist, da brauchst du dann eben auch Glück. Das hatten wir nicht."

Er sprach auf die Szenen in der ersten Hälfte an, in denen die Sevilla-Profis Daniel Carrico und Grzegorz Krychowiak den Ball im Strafraum mit dem Arm beziehungsweise mit der Hand berührten, Eriksson aber keinen Elfmeter pfiff. Dennoch wollte Klopp nicht als Lamentierer dastehen, der die Schuld alleine beim Unparteiischen sucht.

Das Spiel war augenscheinlich mit dem Ausgleich der Spanier 17 Sekunden nach Anpfiff zur zweiten Halbzeit gekippt. Ein Angriff und das Tor von Kevin Gameiro hebelten das Konzept der Engländer aus und nahmen ihnen den Mut. "Ich habe es gesehen und versucht, es zu ändern. Aber nicht nur das Team war geschockt durch diese Situation, auch die Zuschauer. In dem Moment hat sich alles verändert", analysierte Klopp. Das Problem sei die Reaktion seiner Spieler gewesen, die sich einfach nicht mehr aufraffen konnten, die Schultern hängen ließen und die weiteren Gegentore von Coke zum 1:2 und 1:3 über sich ergehen ließen.

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Die Kritik ist hart. "Klopps Flops" schreibt die Daily Mail, der Daily Mirror von der "Bruchlandung in Basel". Das Liverpool Echo findet: "Die Reds werden in einer desaströsen zweiten Halbzeit gedemütigt", flankiert wieder von The Sun: "Die Scham von Basel. Liverpool kollabiert."

Doch davon wird sich Jürgen Klopp nicht einschüchtern lassen. Noch in Basel sprach er bald nur noch von der Zukunft. "Wir machen weiter, ich mache weiter, und es wird ein nächstes Finale kommen." Kommende Saison auf keinen Fall in einem internationalen Wettbewerb, denn durch die Niederlage hat der FC Liverpool die letzte Chance verpasst, sich für die Champions League zu qualifizieren. Mit Platz acht in der Premier League - seit dem Wiederaufstieg 1962 gab es nie eine schlechtere Platzierung - verpasste der Klub auch die Europa League. "Wir werden kommende Saison donnerstags also keine Spiele mehr haben, die Zeit können wir zum Trainieren nutzen", sagte Klopp.

Ob das Verpassen der Champions League Auswirkungen auf die Transfer-Aktivitäten hat, ist unklar. Für viele Spieler ist es durchaus ein Kriterium, im wichtigsten europäischen Wettbewerb dabei zu sein oder nicht. "Wir werden etwas auf dem Transfermarkt tun", kündigte Klopp an, Geld ist ja durch den neuen TV-Vertrag in England genug da. Von 100 Millionen Euro Spielmasse ist schon die Rede. Mit dem Mainzer Keeper Loris Karius kündigt sich der erste Transfer aus der Bundesliga an. Doch ob etwa Mario Götze vom FC Bayern nun nach Liverpool wechselt, um mindestens ein Jahr von der europäischen Bühne zu verschwinden?

Mit Material der dpa und des SID

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