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FC Bayern:Wie der FC Bayern mit der vakanten Sportdirektor-Stelle umgeht

Uli Hoeneß aus Haft entlassen

Uli Hoeneß beobachtet das Training an der Säbener Straße (Archivbild).

(Foto: dpa)
  • Nach den Absagen von Philipp Lahm und Max Eberl hat der FC Bayern erst mal keinen Kandidaten mehr für die vakante Sportdirektor-Position.
  • Der Klub wird das Problem wohl vertagen, eine kurzfristige Lösung scheint unwahrscheinlich.
  • Langfristig geht es um die Nachfolge von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge.

Ob Zufall oder Inszenierung war einerlei. Die Botschaft, die da ins Bild gesetzt wurde, bleibt eindeutig: demonstrative Geschlossenheit. Zwischen uns, das signalisierten Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge beim gemeinsamen Auszug aus der Münchner Arena, da passt vielleicht immer mal ein Blatt - aber ganz bestimmt kein Aktenordner. Und eines solchen hätte es ja schon bedurft, um all die administrativen Probleme einzuordnen, die dem FC Bayern gerade zugeschrieben werden, nachdem zunächst Philipp Lahm, der hauseigene Weltmeister, und dann am Freitagabend Max Eberl, der Gladbacher Manager, ihren Verzicht auf den Posten des Sportdirektors öffentlich machten.

Eine solche Stelle, bei der das exakte Jobprofil wohl von Fall zu Fall zu definieren ist (was die Angelegenheit eher komplizierter macht), ist bekanntlich vakant, seit Matthias Sammer seinen Vertrag unter Verweis auf gesundheitliche Beschwerden im Sommer 2016 abrupt auflösen ließ. Wie die Münchner ihren Hierarchiebaum in nun völlig unabsehbarer Zeit komplettieren wollen, dazu fiel am Samstag kein kommentierendes Wort mehr. Passt doch, signalisierte der fliehende Gleichschritt von Aufsichtsratschef (Hoeneß) und Vorstandschef (Rummenigge) - und das Sechsnull gegen den FC Augsburg bildete die Kulisse.

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Mahmoud Dahoud geht zum BVB. Wieder wird Gladbachs Sportchef Max Eberl ein wertvoller Spieler weggekauft.

Es geht aber auch nicht um die Gegenwart, um Hoffenheim, Dortmund und Real Madrid; für die Abenteuer der nächsten Tage scheint der Rekordmeister gut präpariert zu sein. Weniger aber für das, was folgen wird: In naher Zukunft der Generationswechsel in der Mannschaft, in fernerer der auf der Führungsetage an der Säbener Straße. Beide, Lahm, 33, wie Eberl, 43, kamen am Ende der Sondierung mit dem Jobprofil nicht klar, das ihnen offeriert wurde.

Lahm galt zunächst als Personalie von Rummenigge, 61, der ihn auf der Mitgliederversammlung im Herbst vorschnell als jenen vorgestellt hatte, der in Kürze aus den kurzen in die langen Hosen wechseln werde. Wohl auch deshalb hinterließ Lahm jüngst auf einigen Interviewplätzen seine Interpretation des Verzichts: Hoeneß, 65, sei wohl noch zu jung, um loszulassen, zu tatendurstig, um Macht offensiv zu teilen in jenem Klub, in dem er, so Lahm, "Unglaubliches geleistet" habe. Und Eberl, der mehr die Personalie von Hoeneß war, will nun lieber die Nummer eins bleiben am Niederrhein, als eine neue Rolle zwischen drei und vier im Münchner Hierarchiebaum zu definieren. Denn was konkret die Kompetenzzone an der Mannschaft betrifft, ist auch noch Michael Reschke, 59, in die Überlegungen einzubeziehen, ausgestattet mit dem im modernen Fußball relativ frischen Profil eines "Kaderplaners".

Wer repräsentiert den FC Bayern am Spielfeldrand, wenn Unvorhergesehenes passiert?

Hoeneß und Rummenigge kehren damit zurück an den Anfang. Der Klub hat sich zwei Körbe eingefangen, das kennt er nicht, damit muss er umzugehen lernen.

Mit einer Kaninchen-aus-dem-Hut Lösung - schaut her, da ist der Nächste! -, ist kaum zu rechnen. Zumal die Testläufe mit Christian Nerlinger (2009 bis 2012) sowie Matthias Sammer scheiterten und sie mit Lahm oder Eberl gar nicht erst gestartet wurden. Das schreckt ab, und so könnte die Personalie um eine Spielzeit nach 2018 vertagt werden; auch Philipp Lahm wäre ja frühestens zum Jahreswechsel eingerückt.