FC Bayern Überreif und ein bisschen müde

Konsterniert: Bayerns Spieler nach dem 0:2 gegen Berlin.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Zwei flaue Spiele ergeben keinen Trend und noch lange nicht das Ende der Liga-Langeweile. Aber man erkennt beim FC Bayern deutlicher denn je, wie überfällig der Umbruch im Kader sein wird.

Kommentar von Benedikt Warmbrunn, Berlin

Der Duden definiert einen Trend als eine "über einen gewissen Zeitraum bereits zu beobachtende, statistisch erfassbare Entwicklung[stendenz]", er definiert in diesem Zusammenhang allerdings leider nicht, wie lange dieser Zeitraum anzudauern hat. Müssen es neuneinhalb Jahre sein? Oder reichen vier Tage?

Am Freitagabend ist ein Trend zu Ende gegangen, ein anderer hat möglicherweise begonnen. Der Trend, der endete, das war der, dass der FC Bayern für Hertha BSC nicht zu erreichen war, weder in der Tabelle, noch in direkten Duellen. Im Frühjahr 2009 hatte die Hertha vor diesem 2:0 zuletzt gegen den FC Bayern gewonnen, einer der Spieler damals: der heutige Trainer Pal Dardai. Der Vorsprung des FC Bayern war auf die Hertha auch wegen der fehlenden Niederlage in den vergangenen Jahren riesig gewesen, nach diesem 0:2, nach diesem sechsten Spieltag beträgt der Vorsprung noch: zwei Tore.

Bedeutet das, dass sich schon eine andere Entwicklung[stendenz] statistisch erfassen lässt? Die, dass der FC Bayern dabei ist, von der Liga eingeholt zu werden?

Noch reicht das Material (zwei unterdurchschnittliche, aber auch nicht wirklich miserable Partien, ein 1:1 gegen Augsburg, das 0:2 in Berlin) nicht aus, um diese Frage wissenschaftlich sauber zu beantworten - zumal der Erfassungszeitraum bisher vier Tage beträgt. Denn so wie die Mannschaft vor einer Woche trotz der sieben Siege in sieben Pflichtspielen noch nicht endgültig enteilt war, so ist auch jetzt noch nicht das Ende der Langeweile der Liga erreicht. Der FC Bayern bleibt der erste Titelfavorit. Diese vier Tage zeigen allerdings, vor welchen Aufgaben der Klub steht.

Der erste Reflex wäre es nun zu fragen, ob Niko Kovac der richtige Trainer ist. Es wäre ein falscher Reflex. Die Ursachen für diese vier Null-Siege-Tage liegt tiefer. Zu erkennen ist nun, wie überfällig der Umbruch ist.

Münchens Problem: Der Kader ist klein und überreif

Die vier Trainer der vergangenen fünf Jahre haben mit einem im Kern wenig erfrischten Kader gearbeitet. Pep Guardiola hat diesen mit seinem Genie dann für drei Jahre auf ein irres taktisches Niveau gehoben. Unter Carlo Ancelotti waren erste Verschleißerscheinungen zu erkennen. Jupp Heynckes konnte die Kräfte durch seine einfühlsame Art ein letztes Mal bündeln - bis das Team nach dem Aus im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid erschlaffte. Kovac erleichterte das noch den Pokalsieg mit Frankfurt, doch nun muss er mit einem kleinen, überreifen, gelegentlich müden Kader arbeiten.

Der Fehlgriff von Manuel Neuer gegen Augsburg, die wirre Attacke von Jérôme Boateng vor dem Elfmeter zum 0:1 in Berlin, der völlig blasse Auftritt von Arjen Robben - es sind ausgerechnet die Helden von 2013, die in den vier statistisch erfassten Tagen die Punktverluste des FC Bayern zu verantworten hatten.

Andere Mannschaften wie die Hertha unter Dardai oder Bremen unter Florian Kohfeldt haben eine spielerische Entwicklung genommen, durch das Vertrauen in einen Trainer, durch gezielte Verbesserungen am Kader - die ersten Resultate sind nun auch in der Tabelle abzulesen. Der FC Bayern und Kovac stehen in dieser Entwicklung noch ganz am Anfang - wohin sie mit dem aktuellen Kader führen wird, ist noch nicht abzusehen. Abzusehen ist nur, dass der Umbruch sich kein weiteres Jahr hinauszögern lässt. Auch dafür steht die Tabelle nach dem sechsten Spieltag, nicht für mehr. Aber eben auch nicht für weniger.

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