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FC Bayern:Alles sehr, sehr eng

Wunschkandidaten: Marc Roca und Callum Hudson-Odoi.

(Foto: imago/getty)

Kurz vor dem Ende der Transferzeit soll der Spanier Roca nach München kommen. Und in der Offensive? Trainer Flick lobt Hudson-Odoi auffallend deutlich - und auch der Name Choupo-Moting kursiert.

Von Sebastian Fischer

Als sie beim FC Bayern zuletzt öffentlich in den höchsten Tönen von Callum Hudson-Odoi sprachen, hat sich das als Fehler herausgestellt. "Unbedingt", so hatte das Hasan Salihamidzic im Winter vor bald zwei Jahren gesagt, wolle der deutsche Rekordmeister den talentierten Flügelspieler vom FC Chelsea verpflichten, und aus seiner Aussage war Gewissheit herauszulesen. Von einem Spieler, "der uns gut zu Gesicht stehen wird", sprach der Sportvorstand, der damals noch Sportdirektor war. Hudson-Odoi kam nicht.

Aus den Sätzen von Hansi Flick am Samstag war keine Gewissheit zu deuten, das nicht, aber als der Trainer des FC Bayern in der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Hertha BSC an diesem Sonntag auf den inzwischen 19 Jahre und fast elf Monate alten, aber immer noch talentierten Engländer angesprochen wurde, da lobte er ihn sehr deutlich, als "eines der größten Talente auf seiner Position" und einen Spieler, der flexibel einsetzbar sei. Es sei also "ganz legitim, dass sich der FC Bayern mit ihm beschäftigt".

Es ist nun seit Wochen das Thema, ob und wenn ja welche Spieler der FC Bayern bis zum Ende der Transferperiode am Montag noch verpflichtet oder ausleiht, um den so hochkarätigen wie kleinen Kader noch zu vergrößern. Seit Tagen gab es allerdings außer Gerüchten nichts zu vermelden. Und so war der Samstag durchaus ein besonderer, denn Flick sprach tatsächlich erstmals über konkrete Auswirkungen des Transfermarkts auf seine Mannschaft. Wenn auch nicht nur über solche, die er sich wünscht.

Drei Spieler hätte Trainer Hansi Flick noch gerne

Eine definitive Auswirkung der Geschehnisse auf dem Transfermarkt ist zum Beispiel die, dass Mickael Cuisance am Sonntag gegen Hertha BSC nicht mitspielen kann. Der Franzose, 21, war am Mittwoch unterwegs, zum Medizincheck beim Premier-League-Klub Leeds United, anlässlich eines geplanten Transfers, der am Donnerstag verkündet werden sollte. Allerdings scheiterte der Wechsel daran, dass die Ärzte in England etwas zu beanstanden hatten, offenbar eine Fußverletzung, so schrieb es das Magazin The Athletic. "Unsere medizinische Abteilung sieht das ganz anders", sagte nun Flick, doch das ändert nichts daran, dass der inzwischen nach München zurückgekehrte Mittelfeldspieler gegen Berlin nicht im Kader stehen darf - wegen eines fehlenden Corona-Tests. Er fehlte auch im Training.

Es ist offen wie es mit Cuisance weitergeht, der erst im vergangenen Sommer für mehr als zehn Millionen Euro aus Mönchengladbach kam und nun, jedenfalls bis zu seiner unerwarteten Rückkehr, offenbar keine Rolle in den Plänen des Trainers mehr spielte. "Die Situation ist für ihn nicht einfach", sagte Flick, "wir rechnen weiter mit ihm."

Nicht mehr in München ist dagegen der dritte Torhüter Sven Ulreich. Dessen Abschied zum Hamburger SV bestätigte der FC Bayern am Samstagabend. Noch am Vormittag habe Flick mit Ulreich telefoniert: "Ich wollte ihm mitteilen, wie sehr ich die Situation bedauere." Der 32-Jährige war 2015 vom VfB Stuttgart als Ersatz für Manuel Neuer gekommen, während der Verletzungspause des Nationalkeepers in der Saison 2017/2018 sprang er ein. "Sven hat der Mannschaft sehr, sehr gut getan, weil er auf der einen Seite als Ersatzmann wusste, dass er Backup für Manu ist - und in jedem Training zu hundert Prozent Professionalität gezeigt hat mit wahnsinniger Leistung", sagte Flick. Unter der Woche hatte plötzlich auch eine Ausleihe des erst in diesem Sommer verpflichteten Alexander Nübel zur Diskussion gestanden, den Flick beim 1:4 in Hoffenheim für Ulreich aus dem Kader gestrichen hatte.

Zu viele Torhüter, das ist allerdings ein kleines Problem im Vergleich mit zu wenigen Feldspielern. Einen Rechtsverteidiger, einen zentralen Mittelfeldspieler und einen Flügelspieler hätte Flick bekanntlich gerne noch. Der Rechtsverteidiger Sergino Dest, an dem der Klub Interesse angemeldet hatte, wurde am Freitag als Zugang des FC Barcelona vorgestellt. Was die anderen beiden Positionen angeht, bewegt sich nun aber offensichtlich etwas.

Hudson-Odoi spielte am Samstag für Chelsea - und verließ das Feld unverletzt

Der Mittelfeldspieler Marc Roca, 23, von Espanyol Barcelona wurde bereits im vergangenen Sommer mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht. Damals war der Spanier, ein Linksfuß, der die Beobachter in seiner Heimat in seinen Anlagen an Sergio Busquets vom FC Barcelona erinnerte, gerade mit der U21 Junioren-Europameister geworden. Damals hieß es aber, dass sein Arbeitgeber auf einer vertraglich festgeschriebenen Ablöse von 40 Millionen Euro bestehe. Diesmal ist Espanyol nur noch Zweitligist - und Roca soll angeblich sogar weniger als zehn Millionen kosten. Die Zeitung Sport aus Barcelona berichtete zuerst über einen bevorstehenden Wechsel. Am Samstag landete er in München.

Und Hudson-Odoi? Er könne nicht vorhersagen, was bis Montag noch passieren werde, sagte Chelseas Trainer Frank Lampard. Er plane aber weiter mit dem Offensivspieler und wolle ihn in London halten. Beim 4:0 gegen Crystal Palace am Samstag wechselte er ihn nach 83 Minuten aus - allerdings nicht etwa wegen einer Verletzung, das könnte aus Sicht des FC Bayern ja nicht ganz unwichtig sein.

Am späten Samstagabend meldete der Guardian, dass Chelsea ein Bayern-Angebot für eine Leihe plus Kaufoption abgelehnt habe. Sollte das so sein, hätte Salihamidzic noch zwei Tage Zeit für ein besseres Angebot. Warum der FC Bayern einen Flügel-Zugang braucht, thematisierte Flick am Samstag gezwungenermaßen. Für das Spiel gegen die Hertha könnte im Angriff neben Nationalspieler Leroy Sané auch Kingsley Coman ausfallen. "Es ist nicht ganz so optimal, es wird alles sehr, sehr eng", sagte der Trainer.

Am Sonntag kursierte dann ein weiterer Name eines Offensivspielers als mögliche Verstärkung: Eric Maxim Choupo-Moting. Laut der französischen Sportzeitung L'Équipe soll der ehemalige Paris-Spieler einen Zweijahresvertrag in Münchnen erhalten. Nur noch Details seien zu klären. Später vermeldete der Kicker den Transfer dann gar als perfekt. Choupo-Moting sei als Backup für Robert Lewandowski vorgesehen, Talent Joshua Zirkzee solle verliehen werden.

© SZ/ebc/chge

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