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FC Bayern:Müllers kleine Kampfansage

Hertha BSC v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Jubeln kann er, der Thomas Müller.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Das erste, was sich im neuen Amt über Oliver Kahn sagen lässt, ist, dass er auf die Ernährung achtet. Einen Apfel zu essen, war eine ausgezeichnete Idee an diesem Sonntagabend, tief drunten in den Eingeweiden des Berliner Olympiastadions, es leuchtete nun ein bisschen gelb zwischen all dem bedrohlichen Dunkelgrau.

Ob das hier die Mixed-Zone sei, hatte Thomas Müller kurz zuvor grinsend wissen wollen, als er in all dem Dunkelgrau vor die Reporter trat. Nein, es war natürlich nicht die Mixed-Zone, aber in der offiziell für Befragungen vorgesehenen Gemarkung war kein Bayern-Spieler erschienen, so dass die Reporter eine für Stadtführungen vorzüglich geeignete Tour durch die Unterwelt unternahmen. Sie hetzten treppauf treppab durch die Katakomben, standen vor offenen und verschlossenen Türen, rannten gegen freundliche und feindliche Ordner, und irgendwann, nach Stunden oder Tagen, trafen sie kurz vor dem Bayern-Bus auf Thomas Müller.

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Und hinter Müller lief dann irgendwann Oliver Kahn vorbei, gemeinsam mit seinem Apfel und Hasan Salihamidzic. Nee, nee, winkte Kahn ab, er wolle nix sagen, er ist ja noch neu in der Firma, und wie sähe das auch aus: Wenn die Reporter nach einem 4:0 in Berlin nur von ihm was wollen und nicht von dem kraft Amtes zuständigen Sportdirektor Salihamidzic. Und überhaupt: Mit vollem Mund spricht man nicht.

Erst Müller findet durch die zugeparkten Räume

Aber im Moment kann dem FC Bayern sowieso nichts Besseres passieren, als sich von Thomas Müller vertreten zu lassen. Es gab Zeiten, da haben die Bayern ihren Müller vorwiegend als Folklorefigur vor die Reporter geschickt, sie wussten, der Müller redet viel und redet gut, und wenn er noch was Lustiges raushaut, wie das in der Fachsprache heißt, dann haben die Reporter ihre Zeile und freuen sich und schreiben nix Böses. Manchmal hat das geklappt, manchmal nicht, manchmal war Müller auch sauer und hat auf Englisch geantwortet, und einmal hat sogar seine Frau was gepostet, worüber sich die Reporter freuten, nicht aber der zuständige Trainer Niko Kovac.

Spätestens nach dem gelungenen Rückrunden-Auftakt bei Hertha BSC lässt sich nun aber offiziell festhalten: Müller, 30, spricht jetzt wieder als Leistungsträger.

Tatsächlich folgte das Spiel in Berlin einer Dramaturgie, die man früher oft gesehen hat, beim FC Bayern oder beim DFB. Müllers Mannschaft war hoher Favorit und spielte dominant, aber der Gegner parkte die Räume so erheblich zu, dass niemand hindurch fand, außer Müller eben. Auch Hertha BSC hatte sich für massiven Spielverderberfußball entschieden, es sah so aus, als habe der Trainer Klinsmann die Lizenz fürs Offensivspiel ebenfalls in einer Schublade in Kalifornien liegen lassen.

"Das 1:0 war der klassische Knotenlöser", fand Thomas Müller, "danach haben wir mehr Freude, Spaß und Offensivgeist entwickelt, und Hertha wurde etwas müde." Das 1:0 war ein wunderbar selbstverständlicher Angriff über Robert Lewandowski, Leon Goretzka und Ivan Perisic, und am Ende stand Müller halt da, wo er früher immer stand und neuerdings wieder steht. Da, wo er sein muss und wo ihn trotzdem keiner erwartet.

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