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FC Bayern in der Champions League:Es gibt seriöse Gründe fürs Ausscheiden

Paris Saint-Germain v FC Bayern Munich  - UEFA Champions League Quarter Final 3: Leg Two

Angemessen enttäuscht: Leroy Sané (links) und Jérôme Boateng vom FC Bayern.

(Foto: Matthias Hangst/Getty Images)

Den Münchnern bleiben nur noch zwei Saisonziele: Sie müssen Meister werden - und die konfliktreiche Spielzeit friedlich zu Ende bringen.

Kommentar von Christof Kneer

Es ist zwei Jahre und einen Monat her, dass der FC Bayern zum bisher letzten Mal aus der Champions League ausgeschieden ist. Es war ein ernüchternder Abend im März 2019, was irgendwann auch der Trainer einsah. Zwanzig Minuten vor Schluss quittierte er emotional seinen Job, er steckte die Hände noch tiefer in die Hosentaschen, und irgendwann zog er sich vom Spielfeldrand zurück und verschwand auf Nimmerwiedersehen in seinem Wetterhäuschen.

Nach dem Spiel fällten die Experten ein hartes Urteil: Der Trainer, der kann's nicht. Der hat keine offensive Idee. Es war ein Urteil über denselben Trainer, dem die Experten nach dem Hinspiel noch enorme Komplimente gemacht hatte: Der Trainer habe eine ausgezeichnete defensive Idee, hieß es nach einem hochkarätigen 0:0 beim FC Liverpool. Aber dann kam eben dieses 1:3 im Rückspiel, und Niko Kovac, der Trainer, war erledigt. Auch intern übrigens, obwohl er zwei Monate später mit den Bayern noch den DFB-Pokal und damit das Double gewann. Er blieb dann noch ein paar Monate, und dann kam Hansi Flick.

Unter Flick sind die Bayern dann überhaupt nicht mehr ausgeschieden in der Champions League. Sie haben diesen Wettbewerb gewonnen, und auch Niko Kovac bekam noch mal eine hübsche Prämie.

Zwei Saisonziele bleiben den Bayern jetzt noch

Es brauchte erst ein Wiedersehen mit dem Finalgegner Paris, um die Bayern daran zu erinnern, dass man laut Regelwerk auch ausscheiden kann. Und den Münchnern war schon vor dem Spiel sehr bewusst, dass die Frage "Weiterkommen oder Ausscheiden?" die nähere Zukunft im Verein genauso beeinflussen kann wie im März 2019. Zwar steht anders als damals nicht in Frage, ob die Spieler ihrem Trainer folgen (das tun sie) - aber ob dieser Trainer ihr Trainer bleibt, das ist doch mindestens fraglich, erst recht nach diesem Ergebnis und nach dem, was Hansi Flick danach im Fernsehen sagte, ohne im Fernsehen was sagen zu wollen.

Es gibt seriöse Gründe fürs Ausscheiden, die Müdigkeit nach einer vollgestopften Corona-Saison, der Ausfall von Lewandowski, die vergebenen Chancen aus dem Hinspiel - aber niemand wird diesen Abend isoliert betrachten. Er wird in einen Zusammenhang gestellt werden mit all den Konflikten, die sich zuletzt auf den Fluren zugetragen haben.

In welch kuriose Situation sich die Münchner selbst gebracht haben, hat sich beinahe in jedem Zweikampf ablesen lesen. Wenn sich Boateng erfolgreich in ein Duell stürzte, dachte man nicht: Schau her, der hat's ja noch drauf! Man dachte eher: Aha! Der Flick-Spieler spielt aber gut! Spielt er vielleicht besser als Lucas Hernández, der Spieler des Sportvorstands Hasan Salihamidzic? Die Bayern - sowohl die Verantwortlichen als auch der Trainer - haben es zugelassen, dass man Fußballspiele nicht mehr nur auf fachliche Details, sondern auch auf ihr innenpolitisches Konfliktpotenzial abklopft.

Zwei Saisonziele bleiben den Bayern jetzt noch: Sie müssen deutscher Meister werden und diese konfliktreiche Saison einigermaßen friedlich zu Ende bringen. Ob ihnen das gelingen wird? "Nächste Frage", würde Hansi Flick wahrscheinlich antworten.

© SZ/cca
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