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FC Bayern in der Einzelkritik:Nur Neuer gewinnt das Privatduell mit Neymar

Der Welttorhüter hält alles, Jérôme Boateng verabschiedet sich mit einer Glanzleistung und Leroy Sané hätte der Entscheider sein können. Die Bayern in der Einzelkritik.

Von Martin Schneider

Manuel Neuer

Manuel Neuer

(Foto: Franck Fife/AFP)

Widerlegte im Champions-League-Finale von Lissabon die These, dass man das Duo Neymar/Mbappé nie ganz aufhalten kann, indem er alle Schüsse der beiden aufhielt. Diesmal halfen ihm Pfosten, Latte, wieder Pfosten, Glück, Schicksal, der Linienrichter und waschechte Welttorhüter-Paraden gegen den verzweifelnden Neymar, mit dem er ein Fußballduell auf höchstem Niveau austrug. Es schepperte und knallte, aber irgendwann spukte Neuer so sehr im Kopf des Brasilianers herum, dass der von sich aus wieder und wieder verzog.

Benjamin Pavard

Paris Saint-Germain v FC Bayern Munich  - UEFA Champions League Quarter Final 3: Leg Two

Benjamin Pavard

(Foto: Matthias Hangst/Getty Images)

Kennt Kylian Mbappé aus der Nationalmannschaft und weiß, wie das ist, wenn man lässig einen langen Ball auf diesen TGV-Fußballer schlagen kann. Wenn man auf der anderen Seite steht, ist es natürlich nicht so toll. Schon in der ersten Halbzeit zog Mbappé an ihm vorbei wie der Zug am Bahnsteig. Blieb folgenlos.

Jérôme Boateng

Jérôme Boateng

(Foto: Franck Fife/AFP)

Hat in der Champions League schon alles erlebt: Hat den Henkelpott zweimal gewonnen, ist aber auch schon gegen einen gewissen Lionel Messi umgefallen. Grätschte diesmal Mbappé blitzsauber ab, war auch sehr oft Adressat von Alabas Lieblingskommando ("gut so"). Packte Neymar einmal unter den Achseln, weil der ihm nach einem Foulspiel zu lange auf dem Rasen verweilte. Spielte so souverän, wie jemand, der, nun ja, schon alles erlebt hat. Sein letztes Königsklassen-Spiel für die Bayern war eines seiner besten.

Lucas Hernández

Paris Saint-Germain v FC Bayern Munich  - UEFA Champions League Quarter Final 3: Leg Two

Lucas Hernández

(Foto: Matthias Hangst/Getty Images)

Hat wie Landsmann Pavard Mbappé-Kompetenzen und ließ den Teamkollegen indirekt ein bisschen besser aussehen, weil er in Sprintduellen gegen den TGV auch nicht hinterherkam. Scheint ein generelles Problem zu sein. Duellierte sich aber häufiger mit Neymar, der im Zweikampf erst an Hernández' Trikot zog und dann Elfmeter für sich selbst forderte. Der Schiedsrichter fiel nicht drauf rein und Hernández, geschult in der Rabauken-Schule von Atlético Madrid, konnte darüber nur schmunzeln. Spielte ebenfalls stark und hielt die Bayern mit einem Klasse-Tackling gegen Mbappé in der 80. Minute im Spiel.

Alphonso Davies

Paris Saint-Germain - FC Bayern München

Alphonso Davies

(Foto: Sebastien Muylaert/dpa)

Spielte sich mit einem monumentalen Sprintdribbling im vergangenen Sommer beim 8:2 gegen Barcelona in den Fokus der Weltöffentlichkeit, und man will ja nicht anmaßend sein, aber so eine Aktion hätten die Bayern wieder gebrauchen können. Blieb nach vorne zu harmlos und musste deswegen für Jamal Musiala das Feld verlassen.

Joshua Kimmich

Champions League - Quarter Final Second Leg - Paris St Germain v Bayern Munich

Joshua Kimmich

(Foto: Christian Hartmann/Reuters)

Hat in dieser Saison schon 2693 Minuten gespielt, davon geschätzte 2693 Minuten mit höchster Intensität und ausgerechnet gegen Paris sah man zum ersten Mal, dass er vielleicht mal irgendwann eine Pause gebraucht hätte. War natürlich so präsent wie immer, hatte natürlich wieder die meisten Ballkontakte, aber seinen Pässen ging manchmal die Präzision ab, die ihnen normalerweise nicht abgeht. Es war natürlich genau das falsche Spiel für eine Formdelle.

David Alaba

Paris Saint-Germain - FC Bayern München

David Alaba

(Foto: Sebastien Muylaert/dpa)

Gilt als cleverer Spieler und beging direkt drei taktische Fouls, ohne dafür Gelb zu sehen (die Verwarnung kassierte er dann verdient in 53. Minute nach dem vierten Foul). Verlegte sich dann auf die Disziplin "Schießen" und schoss vor dem 1:0 ans ausgestreckte Bein von PSG-Torwart Keylor Navas, Choupo-Moting verwertete den Abpraller. Ein zweiter Schuss zwang Navas zur Flugeinlage. Auch für ihn war es das letzte Champions-League-Spiel für den FC Bayern.

Kingsley Coman

Paris Saint-Germain - FC Bayern München

Kingsley Coman

(Foto: Sebastien Muylaert/dpa)

Gebürtiger Pariser. Sein Vater war Fan von PSG. Coman selbst spielte neun Jahre lang in der Jugend des Klubs - und ist der Spieler, der Paris 2020 den ersehnten Champions-League-Titel entriss. Hatte es auf seiner Seite mit dem jungen Colin Dagba zu tun, den er vor erwachsene Probleme stellte. Vergab in der 69. Minute die Champions-League-Final-Gedächtnis-Kopfballchance. Aber insgesamt nicht so agil wie Sané auf der anderen Seite, und hätte Flick die Möglichkeit zur Auswechslung gehabt...

Thomas Müller

Paris Saint-Germain - FC Bayern München

Thomas Müller

(Foto: Sebastien Muylaert/dpa)

Verwies im Vorfeld der Partie auf die Evolution und versuchte so zu erklären, dass es für Menschen (und somit auch für die Pariser) sehr schlimm sei, etwas Gewonnenes wieder zu verlieren. Versuchte müllertypisch mit einem Hinterkopfkopfball das Gedankenkarussell beim Gegner anzuwerfen - vergab aber. Schoss in der Schlussphase reihenweise in die PSG-Deckung. Ermahnte seine Mitspieler hörbar ("scharf bleiben!") und musste schließlich feststellen, dass es mit dem Willen allein nicht immer geht.

Leroy Sané

Leroy Sané

(Foto: Franck Fife/AFP)

Hätte der Entscheider sein können, aber sein Schuss in der 82. Minute sauste am langen Pfosten vorbei, und seine Vorlage in der Nachspielzeit erreichte den Mittelstürmer Javi Martínez (ja, doch, wirklich) einfach nicht. Wäre die Belohnung für ein gutes Spiel gewesen, seine Statistik wies für ihn am Ende sogar mehr erfolgreiche Dribblings als Neymar aus.

Eric Maxim Choupo-Moting

Champions League - Quarter Final Second Leg - Paris St Germain v Bayern Munich

Eric Maxim Choupo-Moting

(Foto: Christian Hartmann/Reuters)

Die Bayern brauchten die Führung und Choupo-Moting gab ihnen die Führung. Warf sich in den von Alaba provozierten Abpraller, wie man das als Mittelstürmer tun muss. Immer anspielbar, immer im Zentrum, immer für jeden Zweikampf bereit. Musste Lewandowski ersetzen und erfüllte diese unmögliche Aufgabe mit, Hinspiel mitgerechnet, zwei Toren - an ihm lag's nicht.

Einwechselspieler

Paris Saint-Germain v FC Bayern Munich  - UEFA Champions League Quarter Final 3: Leg Two
(Foto: Matthias Hangst/Getty Images)

Jamal Musiala kam ins Spiel und schließlich auch der defensive Mittelfeldspieler Javi Martínez - als verkappter Mittelstürmer. Auf der Bank saßen da noch unter anderem die Amateurspieler Josip Stanisic und Maximilian Zaiser. Als Trainer wünscht man sich natürlich mehr Optionen.

© SZ/ebc
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