FC Bayern: Ode an Beckenbauer Danke, Kalle, danke!

Rummenigges Dankes-Gedicht für Beckenbauer hat ein Nachspiel: Der Chef des FC Bayern wird verklagt. Er hat die warmen Worte geklaut.

Von Thomas Hummel

Franz Beckenbauer wäre so etwas nicht passiert. Der "Kaiser" hätte, erstens, niemals ein Gedicht vorgetragen. Und zweitens schon gar keines, das nicht ihm höchstselbst eingefallen ist. Und wenn am Ende doch herausgekommen wäre, dass er die Verse einer Hobbydichterin geklaut hatte, dann hätte er in eine Kamera gestrahlt: Von diesem Urheberrecht, oder wie das heißt, habe er nichts geahnt, er wolle der Frau wirklich nichts Böses und werde den Schaden selbstverständlich in Ordnung bringe. Vermutlich hätte er eine Karte zum Blumenstrauß mit einem 1000-Euro-Scheck geschickt. Aufschrift: "Der liebe Gott freut sich über alle schönen Worte."

Versklau? Karl-Heinz Rummenigge bei der JHV des FC Bayern

(Foto: Foto: Getty)

Aber Franz Beckenbauer hat mit der Sache nichts mehr tun, jetzt, wo der Ärger los geht. Er war ja nur der Adressat jener Ode, die Karl-Heinz Rummenigge ihm am 27. November bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München widmete.

Wer ahnte da, in diesem lyrischen Moment, von Anette Pfeiffer-Klärle aus Hessen? Sie sagt, die Autorin der warmen Sätze zu sein - somit hat Rummenigge das Versgut glattweg gestohlen. Wie die Bild-Zeitung berichtet, sei eine gütliche Einigung (die reimende Frau wollte Unterlassungserklärung und 1000 Euro Schadensersatz) an der Abwehr des FC Bayern gescheitert. Nun hat sie beim Landgericht Hamburg Klage eingereicht.

Zur Erinnerung: Als Bayern-Vorstandschef Rummenigge das Gedicht zum präsidentiellen Abschied Beckenbauers vortrug, hielten selbst die unerschrockensten Reporter auf den Pressestühlen inne. Ihre Liveticker tickerten nicht mehr, die Finger erstarrten, teilweise öffneten sich Münder. Einige hielten den Atem an ob der Ungeheuerlichkeit, die da ihre Ohren erreichte:

Lieber Franz, ich danke Dir. Ich danke Dir, ich danke Dir sehr,ich danke Dir, das fällt uns nicht schwer,Ich danke Dir, danke Dir ganz toll,weiß gar nicht was ich sagen soll.Ich danke Dir, Du bist ein Schatz,dies sage ich Dir in diesem Satz,ich danke Dir, das fällt nicht schwer.Danke, danke, danke sehr. Und ein spezielles Dankesehran 1860 für die Watschn an Dir.

Das sagte Karl-Heinz Rummenigge an diesem Abend und wurde dafür nachträglich von Literaturkritiker Hellmuth Karasek belobigt, weil noch nie jemand in einem Poem so oft "Danke!" gesagt hat. Aber das gleiche Gedicht steht auf der Internetseite von Anette Pfeiffer-Klärle (www.apk-gedichte.de) - nur die erste und die beiden letzten Zeilen hätte Rummenigge demnach hinzugefügt.

Weil der Bayern-Vorsitzende weder beachtet hat, dass für "Vortragsreime und sonstige Gedichte für alle Festlichkeiten (Hochzeitstage, Geburtstage, Jubiläen, Verabschiedungen, ...)" 100 Euro Pauschalgebühr fällig sind, noch während der Rede auf den Namen der angeblichen Autorin der Danke-Danke-Zeilen hinwies, beschäftigt das Kaiser-Gedicht nun ein Gericht. Weder Rummenigge noch der FC Bayern haben sich bislang zu diesen Vorwürfen geäußert.

Die Gedichteschreiberin aus Hessen, dem Land des Karl Georg Büchner, hat dem Bayern-Boss nach all dem Tratra ein paar weniger warme Verse hingereimt:

(..) "Er trägt vor, nun ein Gedicht, doch von Ihm ist dieses nicht: Ich kenne es - es ist von mir, ich schrieb es einst nach ein paar Bier!!! Als ich es schrieb musst ich schon lallen - egal - dem Karl-Heinz hat's gefallen. S' ist wie ein Klau beim Juwelier, er lässt die Diamanten hier, nimmt nur mit den Modeschmuck, trank er wohl vorher auch 'nen Schluck? Jetzt geh'n die Reime um die Welt, nur werde ich dabei kein Held, nein Rummenigge streicht das ein!!! Karl-Heinz - musste das denn sein?"

Nach diesen Zeilen stellt sich die nächste bange Frage: Sollte die Dankesrede für "Kaiser Franz" wirklich im Suff geboren worden sein? War womöglich Erdinger Weißbier im Spiel, wofür Beckenbauer so fulminant wirbt?

Wir werden es so genau nicht wissen, aber Anette Pfeiffer-Klärle schreibt weiter unverdrossen das FC-Bayern-Redetalent Rummenigge an: "Wann meldest Du Dich denn bei mir? Ich klär es gern bei ein paar Bier, doch einfach so... so geht das nicht, schließlich ist es MEIN GEDICHT!!!!!"

Lässt man die Hinweise auf möglichen Alkoholkonsum weg, stellt sich folgende Schlussfrage: Hat sich Karl-Heinz Rummenigge tatsächlich als Dieb des geistigen Eigentums einer Gedichteschreiberin aus Hessen vergangen? Hat er wirklich im Internet nach einer Beckenbauer-Dankesrede gesucht und ist bei akp-gedichte.de gelandet? Ist das überhaupt ein schützenswertes Gedicht?

Vermutlich müssen deutsche Richter diese Frage klären. Die Verletzung des Urheberrechts ist in diesen Zeiten des Internet keine Frage der Qualität, sondern des Prinzips.

"Ein riesiger Moloch"

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