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FC Bayern: Trainerdebatte:Notlösung Louis van Gaal

Der Trainer soll die Saison beim FC Bayern beenden, weil auf die Schnelle kein adäquater Ersatz verfügbar ist. Van Gaal ist damit einverstanden - doch die Bayern gehen ein großes Wagnis ein.

Irgendwann wird das Ganze sicher von Marketing-Gurus als genialer PR-Coup der Automobilindustrie preisgekrönt werden, mit deren Produkten sich die Angestellten des FC Bayern durch ihre heile Welt bewegen. Viele Werbemillionen hätte sie ausgeben müssen für jene Bilder, die nun für immer und ewig mit Louis van Gaal und seinem vorzeitigen Abschied aus München in Verbindung bleiben.

FC Bayern: Nachfolger für van Gaal

"Eine sehr schwierige Frage"

Lange hatte man ja, der FC Bayern mag das sehr früh verdrängt haben, beim Gedanken an van Gaal vor allem dessen kräftige Waden im Sinn, die der Fußballlehrer bei den Partys auf dem Rathausbalkon entblößte. Aber seit Sonntagabend hat man eben eher die Limousinen jener Herren vor Augen, die lange mit sich und seiner sofortigen Entlassung rangen, ehe sie im Scheinwerferlicht der journalistischen Wegelagerer in die Nacht entschwanden.

Auf einen gemeinsamen Nenner waren die Bosse zwar gekommen, einen Sieger ergab ihre Rechnung aber nicht: Van Gaals Dienstzeit endet nun am 14. Mai, nach dem letzten Heimspiel gegen den VfB Stuttgart.

Van Gaal ist einverstanden mit der vorzeitigen Trennung zum Saisonende, der 59-jährige willigte jedenfalls ein, als ihm am Montagmittag in einem Münchner Hotel von Vorstand Karl-Heinz Rummenigge, Finanzchef Karl Hopfner und Sportdirektor Christian Nerlinger die entsprechende Offerte unterbreitet wurde. Nachmittags verschickte der Verein dann die Mitteilung mit dem erwarteten Kompromiss, mit dem eigentlich keine Partei gut leben kann.

"Louis van Gaal Trainer des FC Bayern bis Saisonende/Einvernehmliche Vertragsauflösung zum 30.6.2011", hieß es im Titel. "In beiderseitigem Einvernehmen" werde der bis 2012 gültige Vertrag aufgelöst, folgte im knapp gehaltenen Kleingedruckten. "Grund für die Auflösung des Vertrages ist die unterschiedliche Auffassung über die strategische Ausrichtung des Klubs." Eine Meisterleistung in Diplomatie angesichts eines nicht mehr reparablen Verhältnisses unter Alpha-Tieren.

An einen sofortigen Rücktritt dachte van Gaal trotz des für alle Welt erkennbaren Vertrauensentzugs nicht. Dafür geht es für ihn offenbar um zu viel Geld. Und kämpferisch hatte der Trainer bereits am Samstag nach dem 1:3 in Hannover geklungen. Es werde schwierig "für meinen Vorstand", so rasch einen Nachfolger zu finden, hatte er nach dem verstörenden Auftritt seiner Elf konstatiert. Van Gaal sagte das ausnahmsweise nicht im provokanten Tonfall. Zwei Tage später wusste er, dass er nach längerer Zeit mal wieder recht hatte mit einer Analyse.

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