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4:1 gegen Köln:Dem FC Bayern reichen zwölf Minuten

1. FC Köln - Bayern München

Wieder Tabellenführer: Der FC Bayern feiert das 4:1 in Köln.

(Foto: dpa)
  • Bereits nach zwölf Minuten führt der FC Bayern beim 1. FC Köln mit 3:0. Am Ende steht es 4:1. Serge Gnabry erzielt zwei Tore.
  • Doch wie schon in den vergangenen Spielen tun sich die Bayern in der zweiten Halbzeit schwer.
  • Köln erzielt zwei Tore aus Abseitsposition, Manuel Neuer muss mehrfach retten.

Wie in manch anderer Bundesligastadt musste auch in Köln das Geschichtsbuch bemüht werden, um zu ermitteln, wann man das letzte Mal gegen den FC Bayern gewonnen hatte. Dieses Datum lag tatsächlich lange zurück, neun Jahre und elf Tage, dennoch bleibt es den Freunden des 1. FC Köln unvergesslich. Die Münchner führten bereits 2:0, ehe Christian Clemens und der sagenumwobene Mittelstürmer Milivoje Novakovic, dessen Vornamen der Stadionsprecher stets ein wenig wie Millowitsch klingen ließ, für ein 3:2 der Gastgeber sorgten. Novakovic hat sich daheim in Slowenien zur Ruhe gesetzt, aber einige Akteure von damals waren am Sonntag bei der neuen Auflage des Duells zwischen dem ersten und dem seit 2013 ständigen Bundesligameister im Stadion anzutreffen: der Kölner Clemens, seit Längerem verletzt, der Münchner Thomas Müller - und der Schiedsrichter Felix Zwayer.

Es war dann recht schnell klar, dass dieser Sonntag nicht im Gedächtnis bleiben würde, weder in Köln noch in München. Für die Bayern, nun wieder Tabellenführer, ist ein 4:1-Sieg bei einem Aufsteiger keine Besonderheit, für den 1. FC Köln war es die Niederlage, mit der jeder gerechnet hatte, wenngleich sie schmerzhafter ausfiel als erwartet. "Ich hatte schon mit ein bisschen mehr Gegenwehr gerechnet", sagte Bayern-Kapitän Manuel Neuer dem Fernsehsender Sky, "wir hätten bis zu zehn Tore schießen können." Die Überlegenheit der Gäste war in der Tat so erdrückend, dass sich manche Besucher die Sinnfrage stellen mussten. Womöglich hat der eine oder andere unter den 50 000 nach einer Viertelstunde überlegt, ob er nicht doch lieber einen Sonntagsspaziergang unternehmen sollte.

Robert Lewandowski (3.), Kingsley Coman (5.) und Serge Gnabry (12.) hatten die Bayern 3:0 in Führung gebracht, und für die Kölner gab es zur Pause nur eine gute Nachricht: dass sie nicht weitaus höher zurücklagen. Chancen gab es genug für die Bayern. Unter anderem trafen Gnabry und Kimmich Pfosten und Latte.

"Wir haben die ersten Minuten komplett verschlafen, das darf uns so nicht passieren", sagte Kölns Keeper Timo Horn zu Sky. Ihm war trotz des bevorstehenden Karnevalshöhepunkts nicht zum Lachen zumute: "Die sind angerannt wie die Feuerwehr, wir haben keinen Zugriff bekommen."

Die Kölner waren sozusagen aus einer zweiten Winterpause aufs Feld gekommen, wegen des ausgefallenen Derbys in Mönchengladbach lag der letzte Einsatz - beim 4:0 gegen Freiburg - zwei Wochen zurück. Erschöpfung schied als Alibi für eine ungute Leistung also aus, es sei denn, man machte Frühjahrsmüdigkeit geltend - das Thermometer zeigte 17 Grad an. In der Tat konnte man meinen, manche Kölner seien von einer gewissen Betäubung befallen. Besonders Rechtsverteidiger Kingsley Ehizibue pflegte den schnellen Kombinationen der Bayern hinterherzuschauen, als ob er einen Sitzplatz auf der Tribüne hätte. So verschaffte sich Lewandowski im Doppelpass mit Müller freie Bahn in den Strafraum und nutzte die erste Chance der Partie. Auch beim 0:2 stand Ehizibue staunend daneben, bevor abermals Müller mit einem simplen Ballkontakt Coman freispielte. Der dritte Treffer war ein typischer Gnabry: Mit Blitzgeschwindigkeit jagte er durch den Strafraum und fand für den Schuss genau die Lücke, die er brauchte.

Was die Bayern in dieser Phase vortrugen, war von einer solch maschinellen Präzision und Perfektion, dass man sich an die unerbittlichen Guardiola-Bayern erinnert fühlte. Ihre Raumaufteilung und ihr Positionsspiel erzeugten eine Dominanz, als hätten sie 13 oder 14 Spieler auf dem Rasen. Die Kölner hatten kaum eine Chance zum konstruktiven Ballwechsel, Thiago und Kimmich schienen auf magische Weise überall zu sein. Spektakulär war auch, wie Thiago das Spiel beschleunigte, indem er jeden gewonnenen Ball gleich an die richtige Adresse verschickte. Die Kölner wirkten vielseitig überfordert, auch mit dem Tempo auf den Flügeln kamen sie nicht mit. Zu allem Überfluss zog sich Linksverteidiger Noah Katterbach, erst 18 Jahre alt, aber schon eine tragende Figur im Defensivkonzept, eine schwerere Verletzung zu.

Die zweite Halbzeit bot dann deutlich mehr Abwechslung als die erste. Die Bayern ließen es wie erwartet ruhiger angehen, die Kölner hatten sich offenbar vorgenommen, ihr Heil in der Offensive zu suchen. Das gelang ihnen erstaunlich oft. Zwei Abseitstore von Mittelstürmer Jhon Cordoba, mit dem schon der später ausgewechselte Jérôme Boateng im ersten Durchgang Mühe gehabt hatte, drückten aus, dass es der 1. FC Köln tatsächlich verstand, bis in den gegnerischen Strafraum vorzudringen.

Auch Mark Uth durfte nun am Spiel teilnehmen und initiierte einige vielversprechende Angriffe, die das Kölner Publikum ein wenig trösteten. Die Bayern antworteten auf ihre Weise: mit dem 4:0 durch Gnabry, der ein weiteres Solo durch die Kölner Reihen mit einem Schlenzer krönte. Aber die Heimelf gab nicht auf und kam durch Uth zum 1:4. Der eingewechselte Anthony Modeste hatte sogar zwei weitere exzellente Chancen, die Manuel Neuer jedoch strebsam zunichtemachte - die Bayern waren wohl in Gedanken schon längst zu Hause.

Neuer resümierte: "Mich ärgert, dass wir nicht so konstant weitergespielt haben, weil wir uns das Leben damit selber schwer gemacht haben."

© SZ vom 17.02.2020/schm
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