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Champions League:Bayerns Gruß nach Europa

FC Bayern: Joshua Kimmich in der Champions League 2020/21 gegen Atlético Madrid

Bayerns Joshua Kimmich im Spiel gegen Atlético.

(Foto: Getty Images)

Wie ein Perpetuum mobile läuft der Champions-League-Sieger einfach weiter. Im Gegensatz zu den Bauarbeiten anderer europäischer Top-Klubs wirken die Münchner schon gefährlich fertig.

Kommentar von Christof Kneer

Nicht für jedes schlechte Benehmen gibt es im Strafenkatalog des europäischen Fußballverbandes eine passende Sanktion. Für den FC Bayern ist das in diesem Fall eine günstige Nachricht, sonst wäre er jetzt möglicherweise dran. Zum Glück für die Münchner sind auch den Schiedsrichtern manchmal die Hände gebunden, sie dürfen auch nicht alles ahnden, was sie sehen. Es ist nämlich so, dass sich der Titelverteidiger aus München zum Auftakt der neuen Champions-League-Saison einer wirklich maximalen Unverschämtheit schuldig gemacht hat. Im Grunde ist das ja eine doppelte Frechheit: Erst weigern sich die Bayern zu akzeptieren, dass eine Saison mit neuen Regeln begonnen hat, sie spielen einfach so weiter, als wäre nichts geschehen. Und dann kommen sie noch mit diesem dreisten Plagiat, gegen das man rechtlich nichts unternehmen kann, weil die Bayern ja nur sich selbst beklauen.

Vorlage Kimmich, Tor Coman: So haben die Münchner das Finale der alten Champions-League-Saison gewonnen, und so haben sie sich nun auch in die neue Saison eingeführt, sogar mit einer ästhetisch weiterentwickelten Version.

Was soll die Konkurrenz nur denken?

Der Champions-League-Sieger aus München läuft wie ein Perpetuum mobile einfach weiter, das ist die Botschaft, die Europas Fußball nach dem ersten Spieltag erst mal verarbeiten muss. Die Niederlage, die der FC Bayern kürzlich in Sinsheim bei Hoffenheim erlitt, war, wie man inzwischen ahnt, nicht wirklich systemrelevant. Sie war die Folge eines feinen, aber noch zu kleinen Kaders, inzwischen ist der Kader nur noch fein. Das ist es, was der Konkurrenz tatsächlich zu denken geben sollte: Während ein Rundgang durch Europas Topklubs wie eine Art Baustellenbegehung wirken muss, wirken die Münchner schon gefährlich fertig. In Barcelona, Madrid und Manchester gilt es, Umbrüche zu moderieren und/oder markante Kaderlücken zu schließen, beim FC Liverpool fällt der unersetzliche Abwehrspieler van Dijk monatelang aus - der FC Bayern dagegen steht offenkundig vor dem Übergang ins nächste Level.

Es wäre womöglich ein bisschen früh, um die nächste Trophäe schon zu überreichen

Die aktuelle Erfolgsgeschichte ist auch die Geschichte des Trainers Hansi Flick, der stellvertretend vorführt, in welcher Reihenfolge sich eine Elf bauen lässt. Als Flick kam, hat er kaum rotiert, er hat zunächst eine Achse installiert und dieser Achse Zeit gegeben, sich zu einer Machtachse zu entwickeln; nun, da die Achse steht, leistet sich Flick auch mal personelle und taktische Variationen. Die Bayern haben erst das Fundament gegossen, jetzt arbeiten sie an den Feinheiten.

Allerdings wäre es womöglich ein bisschen früh, den Münchnern vorab bereits die nächste Champions-League-Trophäe zu überreichen. Wie viel Substanz diese Corona-Saison mit ihrem engen Terminkalender kosten wird, weiß mangels Erfahrungswerten exakt niemand; und möglicherweise könnte dank gefestigter Leipziger und gefährlicher Dortmunder auch die Bundesliga fordernder werden als gedacht. Es muss sich erst noch zeigen, ob das bayerische Perpetuum mobile einfach immer weiterfährt.

© SZ vom 23.10.2020/chge
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