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FC Bayern in der Champions League:Flicks Trick mit Zirkzee

Bayern München - Borussia Mönchengladbach

Mit dabei in der Champions League: Joshua Zirkzee.

(Foto: dpa)

Bayern-Trainer Hansi Flick nominiert den Angreifer Joshua Zirkzee in der Champions League nicht für die Liste der ersten 25 Spieler. Er hat nun mehr Auswahl für die Finalspiele.

Von Benedikt Warmbrunn

Sein erstes Tor in der Bundesliga erzielte Joshua Zirkzee mit seinem ersten Ballkontakt in der Bundesliga, 104 Sekunden nach seiner Einwechslung. Sein zweites Tor in der Bundesliga erzielte Zirkzee wieder mit dem ersten Ballkontakt nach der Einwechslung, er brauchte dafür knapp drei Minuten. Zwei Tore in seinen ersten acht Bundesligaminuten hatte der Angreifer des FC Bayern innerhalb von vier Tagen im Dezember 2019 gesammelt, gegen Freiburg und gegen Wolfsburg, seitdem wissen sie in der gesamten Fußballrepublik, dass dieser Zirkzee ein ziemlich effektiver Einwechselspieler sein kann. An diesem ersten Eindruck hat sich in den Monaten danach nichts geändert, auch wenn Zirkzee für seine zwei weiteren Bundesligatore insgesamt 286 Minuten auf dem Platz stand. Von diesen Minuten verbrachte er allerdings auch 237 als Startelfspieler.

Auf die Künste des Schnellstarters Zirkzee bei einem Turnier zu verzichten, wäre also eine überraschende Entscheidung, selbst in einem so kraftstrotzenden Klub wie dem FC Bayern. Doch dass Trainer Hansi Flick bei dem nun anstehenden Champions-League-Endturnier auf seinen 19 Jahre alten Stürmer verzichten wird, das hat er selbst so noch nicht entschieden.

Am Dienstag meldete der Klub im Auftrag des Trainers seinen Kader für den Saison-Endspurt, der am Samstag mit dem Rückspiel im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Chelsea beginnt (und nach einem 3:0 der Münchner im Hinspiel wahrscheinlich noch nicht endet). Der sogenannte A-Kader umfasst vorschriftsgemäß 25 Spieler, darunter alle Leistungsträger der Rückrunde (auch der verletzte Rechtsverteidiger Benjamin Pavard ist nominiert). Darunter sind auch der 18 Jahre alte Malik Tillmann sowie die 17-Jährigen Bright Arrey-Mbi und Jamal Musiala, die zusammen zwei Minuten lang in der Bundesliga gespielt haben. Nicht auf dieser A-Liste steht: der Parade-Joker Zirkzee.

Dass der Niederländer auf dieser Liste fehlt, heißt nicht, dass er gegen Chelsea oder beim Finalturnier in Lissabon (12. bis 23. August) fehlen wird. Zirkzee steht wie Oliver Batista Meier auf der B-Liste, Flick kann ihn also weiterhin einwechseln oder sogar in die Startelf stellen. Dieses Listengeschiebe heißt für Zirkzee zunächst nur, dass er nicht sicher im Kader stehen wird. Und das führt tief hinein ins Regelwerk des europäischen Fußballverbandes Uefa.

Auf 116 Seiten wird in diesem dargelegt, unter welchen Rahmenbedingungen eine Partie in der Champions League stattzufinden hat, es geht dabei um das Flutlicht (vorgeschrieben ist eine durchschnittliche horizontale Beleuchtungsstärke von mindestens 1 500 Eh (lux)) oder um das Antidoping ("Doping ist verboten und wird bestraft"). Für Zirkzee interessant ist der Artikel 44. Dieser behandelt die Spielerlisten.

Flick verschafft sich Platz für weitere Optionen

Demnach darf jeder Klub neben den 25 Spielern auf der A-Liste eine "unbegrenzte Anzahl" von Spielern auf der B-Liste eintragen, unter zwei Voraussetzungen: Diese müssen am 1. Januar 1998 oder später auf die Welt gekommen sein. Und sie müssen mindestens zwei Jahre lang am Stück für ihren aktuellen Klub gespielt haben. Wer auf dieser B-Liste steht, der kann am Spieltag dann doch noch in den endgültigen Kader aufgenommen werden.

Zirkzee und Batista Meier spielen seit 2017 beziehungsweise seit 2016 für den FC Bayern - dass Flick sie nicht für die A-Liste nominiert hat, hat für ihn einen Vorteil: Er hat auf diese Weise Platz für Musiala und Arrey-Mbi geschaffen, die beide im vergangenen Sommer nach München gewechselt sind - beide kamen übrigens aus der Jugend des FC Chelsea. Flick hat also einfach seinen Kader für die letzten anstehenden Aufgaben vergrößert.

Flick ist ein Trainer, dem die Jugend wichtig ist, diese Nominierung ist daher auch eine Geste an Musiala, Tillmann und Arrey-Mbi. Flicks Wertschätzung für Zirkzee ist bereits dokumentiert - der Trainer hat allerdings auch schon angedeutet, dass er sich von diesem manchmal mehr Engagement wünsche. So hatte er im Frühjahr darauf hingewiesen, dass Zirkzee sich "sicher auch noch etwas abschauen" könne vom Eifer der routinierten Offensivspieler Robert Lewandowski und Thomas Müller.

Flick will sich darauf verlassen können, dass Zirkzee im Zweifel ein paar Minuten reichen, um ein Tor zu erzielen. Er will aber nicht, dass Zirkzee sich darauf verlässt.

© SZ vom 06.08.2020/jki
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