Bayern in der Einzelkritik:Müller entschuldigt sich für sein Tor

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(Foto: Christoph Stache/AFP)

Der Stürmer nutzt einen Fehler von Leverkusens Torhüter und sagt danach "Sorry". Sadio Mané lässt sich und seine Mannschaft aufatmen - und der beste Münchner trägt mal wieder die Nummer 42. Die Bayern in der Einzelkritik.

Aus dem Stadion von Felix Haselsteiner

Manuel Neuer

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(Foto: Sven Hoppe/dpa)

War während der Länderspielpause an Corona erkrankt, wurde aber rechtzeitig fit, um sich am Freitagabend eineinhalb Stunden in die frische Münchner Septemberluft zu stellen. Rettete in der 64. Minute kurz gegen Amine Adli, jubelte darüber sogar mit einer Doppelfaust, hatte sonst nicht viel zu tun und konnte sich mit coolen Artistenstücken wie Abwürfen hinter dem Rücken befassen - eine angenehme Abwechslung zu den vergangenen Wochen.

Benjamin Pavard

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(Foto: Markus Fischer/Passion2Press/Imago)

Nach einigen kleineren Verletzungsproblemen und zwei Wochen Länderspielpause hatte man fast vergessen, dass es in dieser Saison eine Frühphase gab, in der Pavard zu den auffälligsten Bayernspielern zählte, insbesondere, weil er immer im gegnerischen Strafraum auftauchte. Hatte diesmal offenbar den Auftrag, etwas konservativer an die Sache heranzugehen, was der Mannschaft sichtlich gut tat - auch wenn es dazu führte, dass Pavards Leistung sich als mannschaftsdienlich, aber nicht besonders auffällig zusammenfassen ließ.

Dayot Upamecano

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(Foto: Christoph Stache/AFP)

Dass der Innenverteidiger in den vergangenen Spielen nicht zu den besten Münchnern gezählt hatte, daran konnte man sich schon noch erinnern. Spielte am Freitagabend aber so, als hätte er in der Länderspielpause einen Kurs in langen, öffnenden Pässen bei seinem Vorgänger Jerome Boateng besucht: War kreativ in der Spieleröffnung und sicher in der Defensive. Wobei letzteres auch nicht schwer war, gegen allzu zahme Leverkusener.

Matthijs de Ligt

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(Foto: Christoph Stache/AFP)

In Abwesenheit von Lucas Hernández unangefochtener Stammspieler, eine Rolle, in der er sich sichtlich wohl fühlt. Spielte stets organisiert im Duo mit Upamecano und ließ sich auch die Überraschung nicht anmerken, dass das Videostudium vor dem Spiel eigentlich angedeutet hatte, dass bei Bayer Leverkusen ein Weltklassestürmer namens Patrik Schick spielt - von dem allerdings so wenig zu sehen war, dass de Ligt einen verhältnismäßig entspannten Arbeitstag erlebte, den er fast mit einem Tor aus der Distanz veredelt hätte.

Alphonso Davies

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(Foto: Andreas Gebert/Reuters)

Wird im Winter bekanntlich im Dienste Kanadas erstmals an einer Weltmeisterschaft teilnehmen, allerdings nicht als Außenverteidiger, sondern deutlich weiter vorne, wo man sich aktiver einbringen kann. Nutzte den Freitagabend, um genau dafür zu trainieren und hatte wenig Grund, defensive Zweikämpfe zu führen. Sollte aber noch an seinen manchmal noch ungenauen Pässen in den Strafraum hinein arbeiten.

Joshua Kimmich

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(Foto: Adam Pretty/Getty Images)

Musste sich unter der Woche Kritik von Philipp Lahm gefallen lassen, der an Kimmich appellierte, doch mal wieder etwas defensiver zu spielen. Das war deshalb besonders, weil es in der Geschichte des deutschen Fußballs lediglich zwei Spieler gibt, die nur einen kleinen Finger brauchen, um aufzuzählen, wie oft sie kritisiert wurden: Lahm und Kimmich. Nach 90 Minuten gegen Leverkusen dürfte jegliche Kritik an Kimmich wieder verhallen. Einerseits, weil er wieder gewohnt seriös spielte, andererseits weil es komplett sinnlos gewesen wäre, gegen Leverkusen defensiver zu stehen. Das wird auch Lahm so sehen.

Marcel Sabitzer

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(Foto: Christoph Stache/AFP)

Hatte unter der Woche bei der österreichischen Nationalmannschaft als verkappter Linksaußen spielen müssen, fand, dass das eher "nicht so meine Lieblingsposition" sei. Machte gegen Leverkusen relativ deutlich, wo er am liebsten spielt: in der Zentrale des FC Bayern, wo er sich mit Joshua Kimmich diesmal auffällig ausgeglichen die Aufgaben in Defensive und Offensive teilte. Ein Sabitzer in dieser Form hilft den Münchnern sehr auf der Suche nach Struktur und Kreativität. Es könnte allerdings sein, dass Leon Goretzka sich demnächst mit der Position als verkappter Linksaußen anfreunden muss, wenn er denn spielen will.

Leroy Sané

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(Foto: Christoph Stache/AFP)

Läuft seit einigen Tagen mit einer neuen, aerodynamischeren Frisur auf, was ihm im Hundertstelsekunden-Bereich vermutlich noch einmal Vorteile verschafft gegenüber den altbekannten Locken, die keinem Test im Windkanal standgehalten hätten. Da sich die Leverkusener Viererkette über weite Strecken des Spiels allerdings im Minuten- und Sekundenbereich aufhielt, hatte Sané leichtes Spiel. Wurde häufig freigespielt, lief wild durch die Reihen, war ein ständiger Aktivposten und bestätigte, was man seit einigen Wochen eigentlich längst weiß: Ist in guter Form.

Jamal Musiala

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(Foto: Andreas Gebert/Reuters)

Gute Form - derart irdisches bescheinigte man Jamal Musiala bis vor kurzem auch noch. Uli Hoeneß sagte unter der Woche: "Man dachte, der Messias spielt für Deutschland" und meinte das eigentlich als Kritik in Richtung derjenigen, die mit Musialas Spiel allzu hohe Erwartungen verknüpften. Aber was soll man machen, wenn der 19-Jährige wieder so spielt wie am Freitag? Leverkusens Verteidiger wirkten jedenfalls geblendet vom grellen Licht der Erscheinung Messias - pardon, Musialas - und warfen sich mehrmals scharenweise vor ihm zu Boden, was zu einer Torvorlage, einem Tor und der klaren Erkenntnis führte, dass der beste Münchner am Freitagabend das Trikot mit der von nun an heiligen Nummer 42 trug.

Sadio Mané

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(Foto: Andreas Gebert/Reuters)

Kam in der 39. Spielminute im Strafraum an den Ball und hatte aufgrund der nur angedeuteten Leverkusener Raumaufteilung in der Defensive gefühlt mehrere Minuten Zeit, um das zu tun, was er in den vergangenen Wochen zu oft tat: Nachdenken. Mangels Selbstvertrauen hatte Mané zuletzt in solchen Situationen häufig auf einen Torschuss verzichtet, diesmal allerdings traute er sich und traf zum frühen 3:0. Ein Tor, dass ihn, die Mannschaft und das gesamte Stadion aufatmen ließ und zu sichtlich mehr Mut führte: Manés zweiter Treffer allerdings wurde vom VAR aberkannt.

Thomas Müller

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(Foto: Christoph Stache/AFP)

Dirigierte seine Offensive ähnlich schwungvoll wie der Kapellmeister der Blaskapelle aus der Ortschaft Baiern, die vor dem Anpfiff den Defiliermarsch gespielt hatte. Hatte das Spiel der Münchner vor der Länderspielpause noch so kompliziert gewirkt wie eine Zwölftonmusik-Komposition, wirkte es nun angenehm geradlinig. Auch, weil Müller diesmal zum wohlbekannten Dreivierteltakt griff: Spielte auffällig schnörkellos und suchte die vielen Räume in der Bayer-Defensive, was den Einzelkönnern wie Musiala und Sané Gelegenheit zu Soli gab. Berühmte Dirigenten bekommen zum Ende ihres Auftritts Blumensträuße überreicht, Müller erhielt ein Zuspiel vom gegnerischen Torwart Lukas Hradecky und durfte zum 4:0 treffen. Entschuldigte sich danach tatsächlich beim Finnen, dass er dessen Fehler verwerten musste (Foto).

Einwechselspieler

Serge Gnabry hätte ähnlich wie Mané einen Treffer gut gebrauchen können, auch er bekam die Gelegenheit dazu - blieb aber torlos und muss auf den nächsten Aufbaugegner warten (der womöglich aber schon am Dienstag in München gastieren wird und Viktoria Pilsen heißt). Leon Goretzka kam für Sabitzer ins Spiel und musste daher auch nicht als verkappter Linksaußen spielen. Dass er das könnte, zeigte er bei einem Sprint in der 89. Minute, bei dem er knapp am Außennetz scheiterte. Eric-Maxim Choupo-Moting, Ryan Gravenberch und Noussair Mazraoui durften auch noch ein wenig mitspielen.

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